Schluss mit MBA Kapitulation im elitären Umfeld

Dass Wirtschaftshochschulen scheitern, passt nicht zu einer Branche, die Karriere und hohe Gehälter verspricht. Wer sein Zeugnis von einer Uni hat, die es nicht mehr gibt, kann wenig damit anfangen.

Axel Gloger | , aktualisiert

Kapitulation im elitären Umfeld

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Foto: Peggy Boegner/Fotolia.com

Können Managementhochschulen scheitern? So richtig gerne spricht niemand über dieses Thema. Es passt nicht in die Glitzerwelt, zu deren Versprechen Geld, Aufstieg und Ruhm gehören. Jede Kaderschmiede will schließlich als Erfolgsmacher dastehen, der seine Absolventen nach oben bringt.

Dennoch passiert es immer wieder: Managerschulen geraten in Schieflage, Probleme häufen sich, der Betrieb wird eingestellt.

Für Studenten ist das nicht schön. Denn selbst wenn sie ihr Studium noch zu Ende führen konnten, bleibt ein Makel: Das Abschlusszeugnis ist wie eine Aktie von Preussag, Mannesmann oder Hoechst. Papiere, die an keiner Börse mehr notiert sind, haben keinen Wert. Untergegangene Business-Schools haben keinen Ruf, auf den sich eine Karriere bauen lässt.

Todesstoß für Business-Schools

Die Fälle des plötzlichen Tods von MBA-Anbietern sind gar nicht mal so selten. Erst Mitte Mai geriet die Gisma in die Schlagzeilen, die Schule musste Insolvenz anmelden, bastelt momentan an einem Neustart mit neuem Konzept. "Kein Geld, keine Studenten", hieß es in der Gisma-Zentrale in Hannover.

In den letzten Jahren traf der Todesstoß aber noch mehr Business-Schools. Mindestens sechs MBA-Anbieter, die den schwierigen Kampf um die Existenz nicht schafften, zählte das Handelsblatt im Rahmen seiner Recherchen. Hinzu kommen Hochschulen, deren Zukunft ungewiss ist, etwa die durch Reputations- und Finanzprobleme angeschlagene EBS Universität in Wiesbaden und Oestrich-Winkel.

Fragwürdiges Konzept

Hoffnungsvoll hatte es in Hannover vor knapp 15 Jahren begonnen – endlich bekam Niedersachsen mit der Gisma eine eigene Business-School. Gerhard Schröder, damals Ministerpräsident, hatte sich persönlich für das Projekt eingesetzt. Steuergelder sorgten für den Anschub, Unternehmen förderten. Dennoch wurde die Gisma kein Selbstläufer.

Dekane und Geschäftsführer kamen und gingen. Über die Jahre sank die Zahl der Vollzeitstudenten im MBA-Programm von anfangs 70 auf zuletzt 24. Die niedersächsische Business-School konnte nie eine eigene Identität entwickeln: Professoren flogen für die Seminare aus den USA ein. Nach der letzten Stunde packten sie ihre Sachen und flogen zurück. Zurück nach Indiana, an die Partneruniversität Purdue.

Das kostete die Gisma Millionen. Geld, das am Ende weder die Studenten noch die Förderer einbrachten.


Der Fall der Gisma zeigt, dass Business-Schools nicht von selbst toll und groß werden. Auf dem deutschen Markt herrscht kräftiger Gegenwind. Das war bei der Gründung der ersten Business-Schools so, was die EBS und die WHU als Pioniere des Markts in den siebziger und achtziger Jahren zu spüren bekamen.

Geld für private Hochschulen ist bis heute knapp und schwer zu bekommen. Macher, die Managementhochschulen nach vorn bringen können, sind rar. Um die besten Studenten herrscht ein heftiger Kampf: Bewerber mit Topnoten, Praxiserfahrung und Hunger auf Neues, die von allen Schulen gesucht werden, sind eine nicht vermehrbare Ressource.

Hinzu kommt. "Der MBA ist bis heute nicht wirklich in Deutschland angekommen", sagt der Mitarbeiter einer hiesigen Business-School, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Achselzucken bei deutschen Unternehmen

Für diese These gibt es überraschende Evidenz. Zwar stehen Absolventen die Türen bei Unternehmensberatern und Investmentbanken weit offen. Aber dem typischen deutschen Unternehmen ist ein MBA-Abschluss nahezu gleichgültig.

Laut dem Institut für Familienunternehmen (IFF) hat von den 50 größten Familienunternehmen gerade ein einziger Vorstandschef einen MBA-Abschluss. Das ist ein Marktanteil von zwei Prozent.

Im konservativen, aber erfolgreichen Mittelstand, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft, gilt nach wie vor die Promotion als Türöffner für den Weg nach oben: 50 Prozent der Firmenchefs haben einen Doktortitel.

Auf einem guten Weg

Dennoch wagten sich immer mehr Business-Schools auf den deutschen Markt. Die WHU bekam 1993 eine Großspende des Handelsmilliardärs Otto Beisheim und steht seither solide da. Die ESMT erhielt bei ihrer Gründung im Jahr 2002 eine Mitgift: Mit 75 Millionen Euro im Portemonnaie lässt sich ein halbwegs guter Start hinlegen, erste Platzierungen in den weltweit wichtigen Rankings hat sie schon errungen. Auch die Frankfurt School ist auf einem guten Weg – dank einer gesicherten Finanzierung aus den Überschüssen der von ihr betriebenen Bankakademie.

Aber eine Etage tiefer rumpelt es kräftig. Die Universität in Frankfurt an der Oder gab kürzlich bekannt, dass ihr Viadrina MBA eingestellt wird. Die niederländische Tias-Nimbas Business School zog sich im Sommer 2011 Knall auf Fall vom deutschen Markt zurück. Zuvor hatte sie 16 Jahre von Bonn aus ihren Teilzeit-MBA angeboten.


Noch schlechter erging es einem Projekt in Kiel. Die Murmann School of Global Management and Economics schaffte nie den Schritt von der Gründungs- in die Betriebsphase. Zwei Jahre arbeitete der Unternehmer und Namensgeber Klaus Murmann mit Verbündeten örtlicher Hochschulen an seinem Projekt. Dann verkündete der Ex-Arbeitgeberpräsident 2008 das Aus.

"Zu viel Konkurrenz. Keine Professoren gefunden", so lautete die Botschaft.

Ähnlich erging es der FAZ Business School. Sie wurde im Frühjahr letzten Jahres gegründet, ein Studienangebot kam jedoch trotz einiger Ankündigungen nicht zustande. Inzwischen versucht das Institut unter neuem Namen einen zweiten Anlauf.

Nur drei Studenten

Kläglich endete auch ein anderes Projekt im Norden. Die Hanseatic University wurde 2004 angegangen, etwas Geld war da. Die ersten Studenten kamen drei Jahre später, sogar eine staatliche Anerkennung hatte die Rostocker Managementhochschule.

Doch wie schwer es ist, gute zahlende Studenten zu bekommen, zeigt diese Zahl: Nur drei statt der angestrebten 70 jungen Menschen schrieben sich ein. Das ist bei bestem Willen zu wenig für einen seriösen Betrieb – Rostock schloss 2009.

Falsche Kalkulation

Zu Fall bringen kann eine Business-School, wenn sie ihre Preise falsch setzt. Wer versucht, einen Skoda so teuer wie einen Mercedes zu verkaufen, muss scheitern. So erging es dem Rostocker Geschäftsführer Knut Einfeldt. Er setzte die Gebühr für das Studium in Rostock auf 15.000 Euro pro Jahr hoch – sehr viel für eine unbekannte Hochschule auf dem MBA-Markt, die noch keine Fakultät aufgebaut hat.

Auch die Inhalte sind ein Erfolgsfaktor. Ohne hochwertige Lehre geht es nicht. "Die aber ist für ein Start-up schwer zu bekommen", beschreibt Ulrich Hommel, Forschungsdirektor beim europäischen Akkreditierer von Business-Schools, EFMD, die Hürde. Deshalb heuern neu gegründete Schulen gerne bewährte Koryphäen aus der MBA-Szene als Aufbauhelfer an, die in der Nähe des Rentenalters sind.


Der ESMT gelang das bei ihrer Gründung mit dem ersten Chef Derek Abell. Der nach Berlin importierte US-Professor hatte ein weltweites Renommee und war in der Business-School-Szene gut vernetzt.

Auch die HHL in Leipzig, die ihr Angebot in den nächsten Jahren weiter aufwerten will, lieh sich seniore Autorität: Von Horst Albach und Heribert Meffert, zwei Granden der deutschen BWL, bei denen jedem Insider ein "Oh, ja!" über die Lippen geht.

Die Leipziger richteten den beiden Emeriti vor einem Jahr ein eigenes Zentrum für Management ein. "Die geborgte Reputation ist gut für den Start – und um eine Eigenleistung mit mehr Glanz zu versehen", sagt Karlheinz Schwuchow, Professor an der Hochschule Bremen und zuvor Leiter und Berater mehrerer Business-Schools.

Zerrieben zwischen Extremen

Was aber nicht klappt, ist das Modell Gisma: Wer über Jahre nur von fremdem Ruhm lebt, kann keine eigenständige Existenz aufbauen. Das Ringen um den Erfolg zeigt, dass Management-Ausbildung ein Markt ist, auf dem dieselben Regeln gelten wie in anderen Geschäften. Der billige Aldi und der noble Feinkost-Käfer machen das Geschäft.

Wer sich aber mit seinem Angebot in der Mitte befindet, wird zwischen den Extremen zerrieben. Deshalb streben ESMT, HHL und die Frankfurt School in das obere Fünftel des Markts. Der MBA an diesen Hochschulen kostet denn auch mehr als 30.000 Euro.

Mit Authentizität überleben

"Anbieter wie die FOM stehen ebenfalls gut da, weil sie für den preisbewussten Massenmarkt produzieren", taxiert Professor Schwuchow die Strategie. Knapp 13.000 Euro, und damit nur etwas mehr als ein Drittel dessen, was Studenten an den Tophochschulen in Deutschland zahlen, kostet dort der MBA.

Die Gisma aber musste scheitern, weil sie in der Mitte gefangen war – dort, wo es weder top noch billig ist.

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