Sabbatical Mal raus aus dem Job!

Die einen möchten um die Welt reisen, die anderen wollen sich weiterbilden – viele Arbeitnehmer träumen von einer beruflichen Auszeit. Autor Daniel Rettig hat gerade ein Sabbatical hinter sich – und verrät hier seinen wichtigsten Tipps.

Daniel Rettig, wiwo.de | , aktualisiert

Mal raus aus dem Job!

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Foto: olly/Fotolia.com

An einem Freitagabend im Juni 2012 aktivierte ich die Abwesenheitsnotiz, räumte den Schreibtisch auf und verabschiedete mich von den Kollegen. Am folgenden Montag stellte ich den Wecker auf sieben Uhr morgens, wie an einem normalen Arbeitstag.
 
Doch diesmal pendelte ich nicht mit dem Regionalexpress in die Redaktion. Stattdessen setzte ich mich mit meinem Laptop auf die Terrasse. Bis Januar 2013 war mein Zuhause gleichzeitig mein Büro.

Langfristig geplant hatte ich die Auszeit nicht. Doch ein Verlag hatte mir ein paar Monate zuvor angeboten, ein Buch zu schreiben, und diese Chance wollte ich nicht verpassen.

Unterschiedliche Motive

Meinen festen Job zu kündigen, kam nicht unbedingt in Frage – das Buch am Feierabend zu schreiben allerdings genauso wenig. Glücklicherweise gestattete mir der Chefredakteur eine halbjährige Auszeit.

Glaubt man den Presseberichten, ist ein solches Sabbatical derzeit wieder schwer in Mode.

69 Prozent der Führungskräfte träumen davon, ergab vor einiger Zeit eine Umfrage der Personalberatung Heidrick & Struggles. Die Motive dafür sind völlig unterschiedlich: Die einen verabschieden sich auf eine Weltreise, die anderen andere wollen noch mal studieren, wieder andere eine neue Sprache lernen, eine Doktorarbeit schreiben oder freiwillige Arbeit leisten.

Einkommensverzicht und Ruhe vor dem Sturm

Auch Prominente und Topmanager wagen inzwischen den temporären Abgang. Antonio Horta-Osorio, CEO der britischen Bank Lloyds, verzichtete für seine Auszeit gar auf 2,8 Millionen Euro. Und Pep Guardiola, künftiger Trainer des FC Bayern München, bereitet sich auf sein neues Amt seit einigen Monaten in New York vor.

Klar, manche Berater warnen gerne vor dem Karrierekiller Sabbatical. Sie behaupten, dass man sich durch den Interimsabschied den Weg nach oben verbaut, bei der nächsten Beförderung ignoriert wird oder gar den Job verliert.

Blödsinn.

Zum einen ist die Karriere kein 100-Meter-Sprint, sondern eher ein Marathon. Soll heißen: Eine zeitweilige Auszeit wird nicht allein darüber entscheiden, ob Sie es in dieser oder jener Firma zu etwas bringen oder nicht.

Und wenn die Auszeit wirklich für Ihre berufliche Misere ausschlaggebend war, dann war es ohnehin nicht der richtige Arbeitgeber.

Dennoch klafft zwischen Wunsch und Wirklichkeit eine große Lücke: Schätzungen zufolge wagen nur etwa vier Prozent aller Arbeitnehmer tatsächlich den Schritt ins Sabbatjahr, der Rest träumt weiter. Aber das muss nicht sein – wenn Sie sich richtig vorbereiten.

1. Ziele setzen



So banal es auch klingt, aber zunächst sollten Sie sich Ihre Ziele verdeutlichen. Wollen Sie in der Sonne fläzen und endlich das lang ersehnte Around-the-World-Ticket buchen? Dagegen ist erst mal nichts einzuwenden. Das Problem ist bloß: Niemand hat einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical. Daher sind Sie auf das Wohlwollen Ihres Vorgesetzten angewiesen. Und klar ist auch: Er wird umso eher zustimmen, wenn Sie ihm klar machen, was er von Ihrer Auszeit hat – und vor allem: die Firma.

Deshalb klingt es immer besser, wenn Sie die Auszeit für ein berufliches Projekt nutzen – oder wenn dieses Projekt in Zusammenhang mit Ihrem Job steht. Also: ein Buch, eine Dissertation, eine Weiterbildung oder ehrenamtliche Arbeit.

Nicht zuletzt helfen diese Ziele auch Ihnen selbst. Denn vor allem in den ersten Wochen werden Sie sich bisweilen seltsam vorkommen, ohne die gewohnten Besprechungen und Konferenzen, E-Mails und Telefonate, gemeinsamen Mittagessen und Kaffeepausen. Konkrete Ziele helfen Ihnen dabei, das unproduktive Loch zu umgehen und die Zeit sinnvoll zu nutzen.

2. Modell wählen

Am weitesten verbreitet sind drei Modelle:

  • Sie sparen Überstunden beziehungsweise Urlaubstage auf einem eigenen Arbeitszeitkonto – und lassen sich diese als Freizeit auszahlen. 
  • Sie verzichten vorab auf einen Teil Ihres Gehalts und finanzieren damit das Sabbatical. 
  • Sie machen unbezahlten Urlaub.

Aber Vorsicht: Die Varianten beeinflussen auch den Versicherungsschutz während des Sabbaticals. Umso zufriedener war ich mit der Variante, die mir mein Arbeitgeber anbot. In den ersten sechs Monaten bezog ich 50 Prozent meines Gehalts – ohne anwesend zu sein. Dafür erhielt ich nach meiner Rückkehr sechs Monate lang ebenfalls nur das halbe Gehalt.

3. Versicherungen prüfen

Der Charme der ersten beiden Modelle ist klar: Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Unfallversicherung laufen weiter – falls Sie die Freistellung schriftlich vereinbart haben. Netter Nebeneffekt: Wer zwölf Monate nur das halbe Gehalt bekommt, weiß hinterher sein volles Gehalt umso mehr zu schätzen. Haben Sie jedoch mehr als einen Monat unbezahlten Urlaub genommen, müssen Sie sich um Ihre Sozialversicherungen selber kümmern. Wollen Sie auf Weltreise gehen, müssen Sie außerdem den Umfang des Versicherungsschutzes klären.

4. Aufgaben übergeben

Bevor Sie sich verabschieden, sollten Sie Ihre wichtigsten Ansprechpartner einweihen. Wenn möglich, bringen Sie sie mit Ihren Vorgesetzten und Kollegen zusammen. Denn wenn Ihr Chef sich während Ihrer Auszeit auch noch mit Ihren Aufgaben rumärgern muss, wird das seine Freude auf Ihre Rückkehr deutlich abschwächen. Vergessen Sie außerdem die Abwesenheitsnotiz nicht. Und: Gehen Sie mit Ihrer Vorfreude nicht allzu sehr im Kollegenkreis hausieren – das zieht schlimmstenfalls nur Neider an.

5. Rückkehr organisieren

Arbeitsrechtler raten dringend dazu, einen Sabbatical-Vertrag abzuschließen. Dort sollte vor allem geklärt werden, ob Sie während Ihrer Freistellung weiterhin Einkommen beziehen. Der Vorteil: Sie haben wenigstens etwas Geld, müssen sich nicht selbst krankenversichern und zahlen weiter in die Altersvorsorge ein. Außerdem sollte der Vertrag die Modalitäten Ihrer Rückkehr klären. Ganz konkret: Es sollte festgeschrieben sein, ob Ihr unbefristeter Vertrag danach sofort weiterläuft.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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