Rückkehr ins Ungewisse

Wer für längere Zeit ins Ausland geht, plant den Aufenthalt normalerweise sehr genau: Arbeitssuche, Wohnung, Familie, Versicherungen - alles muss bedacht sein. Doch über die Zeit nach der Rückkehr machen sich die so genannten Expats (Expatriates) keine Gedanken.

Barbara Weise | , aktualisiert

Wer für längere Zeit ins Ausland geht, plant den Aufenthalt normalerweise sehr genau: Arbeitssuche, Wohnung, Familie, Versicherungen - alles muss bedacht sein. Doch über die Zeit nach der Rückkehr machen sich die so genannten Expats (Expatriates) keine Gedanken. Nach einer im Juli 2003 veröffentlichten Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young klagten 60 Prozent der Rückkehrer, dass ihre Reintegration in Deutschland "schlecht" oder "sehr schlecht" gewesen sei. Viele von ihnen sind der Meinung, dass es sich dabei weniger um eine Rückkehr, sondern eher um einen zweiten Neuanfang gehandelt habe.

Während es für die Zeit im Ausland zahlreiche Möglichkeiten gibt, sich zu informieren, und Unternehmen viel Geld in die Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes stecken, wird die Rückreise von allen als selbstverständlich angesehen - doch nach mehreren Jahren im Ausland hat sich auch zu Hause eine Menge verändert.

Zurück in die alte Firma?

Viele, die als so genannte "Expats" (Expatriates) von einem Unternehmen ins Ausland geschickt werden, haben bei der Rückkehr in die alte Firma unerwartete Probleme. So arbeiten sie nicht gerne in der selben Position wie vorher, berichtet Andreas Bittner, Geschäftsführer vom Institut für Interkulturelles Management (IFIM) und Leiter von Seminaren für Rückkehrer. Oft hatten die Expats im Ausland verantwortungsvollere Aufgaben. "Im Ausland, wo die Niederlassungen sehr viel kleiner sind, war der Mitarbeiter ein großer Fisch im kleinen Aquarium, in Deutschland ist er wieder einer unter Tausenden." Die Auslandserfahrung, die dem einzelnen persönlich viel gebracht hat, wird im eigenen Unternehmen kaum geschätzt. "Je höher die Position im Ausland war, desto schwieriger ist die Wiedereingliederung ins Unternehmen", weiß Bittner. Hier können Rückkehrer-Seminare helfen. Wichtig ist jedoch, dass die Seminare im engen Kontakt mit Führungskräften des eigenen Unternehmens stattfinden. Es geht nicht nur darum, dass der Rückkehrer persönliche Unterstützung bekommt, sondern auch darum, dass das Unternehmen zeigt, dass es die Erfahrungen der Mitarbeiter nutzen will. Was die vertraglichen Regelungen betrifft, so sollte man schon vor der Ausreise klare Absprachen über die Wiedereingliederung treffen. Der Expat kann mit seinem Arbeitgeber einen so genannten Ruhensvertrag abschließen, der das inländische Arbeitsverhältnis für die Dauer des Auslandsaufenthaltes außer Kraft setzt. Eine Rückkehrklausel regelt, wie der Arbeitnehmer wieder in das Unternehmen eingegliedert wird. Hierbei gibt es drei Varianten: Die Rückkehr zu den Bedingungen der bisherigen Position, die Wiedereingliederung unter Berücksichtigung der gesammelten Erfahrungen während des Auslandsaufenthaltes (mit anderen Worten ein gewisser Aufstieg auf der Karriereleiter) oder die Rückkehr mit ganz konkreten Positionszusagen.

Einige Unternehmen kümmern sich selbst um die Wiedereingliederung der Mitarbeiter. Bei BMW etwa erarbeitet ein Personalreferent mit dem Expat schon vor dem Auslandsaufenthalt verschiedene Reintegrations-Szenarien, berichtet Joachim Ritter, Leiter der internationalen Personalabteilung von BMW. Außerdem bekommt eine Führungskraft im Inland die Rolle des Mentors, der den Kontakt zu dem Expat aufrecht hält und sich rechtzeitig vor dessen Rückkehr nach einer passenden Stelle im Unternehmen umsieht. So gelingt es in den meisten Fällen, den Rückkehrer erfolgreich in den Betrieb zu integrieren. Falls sich gar keine Stelle findet, muss er auf die unbeliebte Rückfallposition zurück in seinen Stammbereich. BMW befragt seine Expats in einer jährlichen Studie nach ihrer Zufriedenheit. Im Jahr 2002 gaben immerhin 70 Prozent der Rückkehrer an, dass sie "zufrieden", "sehr zufrieden" oder "äußerst zufrieden" mit ihrer Wiedereingliederung waren.

Das Unternehmen Bosch kümmert sich "vollkasko-mäßig" um seine Rückkehrer, meint Philip Tannheimer, der selbst Mitarbeiter bei Bosch ist und für zweieinhalb Jahre in den USA gearbeitet hat. "Mit Hilfe meines Mentors hatte ich keine Schwierigkeiten bei meiner Rückkehr. Nach meinem Aufenthalt in den USA habe ich in Deutschland einen wichtigen Karrieresprung gemacht."

Neuanfang in Deutschland

Wer auf eigene Faust ins Ausland gegangen ist und deshalb keinen Rückhalt von einem Unternehmen hat, muss zurück in Deutschland noch ganz andere Probleme bewältigen: Welches Arbeitsamt ist zuständig, wenn ich nicht sofort einen Job finde? Wo bin ich jetzt rentenversichert und welche Krankenkasse kümmert sich um mich?

Für das Arbeitslosengeld gilt: Der Anspruch richtet sich grundsätzlich nach der letzten Arbeitsstelle des Arbeitnehmers. Wird ein deutscher Arbeitnehmer im EU-Ausland arbeitslos, hat er nach den dort geltenden Regeln Anspruch auf Arbeitslosengeld. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland steht ihm diese finanzielle Unterstützung jedoch nur drei Monate zu. In Deutschland bekommt der Betreffende erst dann wieder Geld vom Arbeitsamt, wenn er in Deutschland versicherungspflichtig beschäftigt war. Dies gilt auch dann, wenn der Job nur von kurzer Dauer war, denn die auswärtigen Beschäftigungszeiten werden angerechnet. Wer vor dem Auslandsaufenthalt als Arbeitnehmer in einer gesetzlichen Krankenversicherung war, kann sich innerhalb der ersten beiden Monate in Deutschland bei der gleichen Kasse freiwillig versichern.

In die deutsche Rentenkasse zahlt der Arbeitnehmer wieder ab seiner ersten Anstellung ein. Die Ansprüche aus dem EU-Ausland gehen dabei aber nicht verloren, denn die deutschen und ausländischen Versicherungszeiten werden am Schluss zusammengerechnet. Jedes Land bezahlt den entsprechenden Teil der Rente.

Das Raphaels-Werk, eine Beratungsstelle des deutschen Caritasverbands, hilft Rückkehrern bei ihrer Wiedereingliederung. Mit der Broschüre "Rückkehr nach Deutschland" informiert es über die wichtigsten Bestimmungen und gibt Tipps zu Arbeitssuche, Arbeitsrecht, Versicherungen, Steuern, Familienhilfe und Bildungswesen.

Das Arbeitsamt hat eine Koordinierungsstelle für Rückkehrer aus dem Ausland (http://www.arbeitsamt.de/hst/international/arbde/deutscherueckkehrer/) eingerichtet. Arbeitsuchende Rückkehrer können sich aus dem Internet einen Bewerbungsbogen herunterladen und diesen ausgefüllt an die Zentralstelle senden. Das Koordinierungsbüro leitet die Bewerbung dann an das zuständige Arbeitsamt weiter. Die Bewerbungsunterlagen sollte man jedoch wegen der schlechten Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt möglichst sechs Monate vor der Rückreise einreichen, rät das Raphaels-Werk in seiner Broschüre.

Jeder Rückkehrer braucht eine Weile, um sich in Deutschland wieder heimisch zu fühlen. "Bei mir war es besonders einfach, weil meine Familie, Freunde und Bekannte fast alle noch am gleichen Ort waren", berichtet Bosch-Mitarbeiter Tannheimer. Wer in Deutschland nach seiner Rückkehr in eine fremde Stadt geht, hat sicherlich größere Schwierigkeiten. Doch nach etwa einem halben Jahr sind die allermeisten dann "zu Hause angekommen", erzählt Bittner von seinen Erfahrungen mit Rückkehrern.

Die Beratungsadressen im Überblick:

http://www.raphaels-werk.de
Beratungsstelle des Deutschen Caritasverband

http://www.bdae.de
Bund Deutscher Auslanderwerbstätigen e.V.

http://www.arbeitsamt.de/hst/international/arbde/deutscherueckkehrer/
Koordinierungsstelle des Arbeitsamtes für Rückkehrer aus dem Ausland

http://www.ifim.de bzw.
http://www.germanexpats.com/service/index.htm
Institut für Interkulturelles Managements

http://www.ecr-service.com/index_website.php?F=2
Expatriates Consult & Relocation Service

http://www.goingglobal.de/
Online-Beratung für Expatriates

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