Risikomanagement Unternehmen in Gefahr

Der Mittelstand lebt gern gefährlich: Krisen und steigende Preise können die Bilanz schädigen. Trotzdem haben nur 57 Prozent der Unternehmen ein Risikomanagement. "Katastrophe" sagt die Deutsche Bank. "Gar nicht schlecht", findet das Institut für Mittelstandsforschung.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert


Foto: Gerd Altmann/AllSilhouettes.com / Pixelio

Eurokrise verschärft die Situation

Die Deutsche Bank hat sich beim Mittelstand umgehört und herausgefunden, dass fast die Hälfte der Unternehmen dem Risiko keine große Bedeutung beimisst. Dabei sind die Mittelständler in Süddeutschland noch laxer als die Kollegen im Osten oder dem Norden.

Und das, obwohl die Risiken für Unternehmer – gerade in Zeiten der Eurokrise – vielfältig sind: Rohstoff- und Energiepreise sind volatil, die Nachfrage aus den Schuldenstaaten ist gering, auch Amerika muss sein Geld zusammen halten.

"Unternehmen müssen heute stärker als in der Vergangenheit Marktrisiken in ihre Planung einbeziehen, um flexibel auf Schwankungen der Märkte reagieren zu können", sagt Ulrich Schürenkrämer von der Deutschen Bank.

Preisschwankungen am höchsten bewertet

Konkret sehen Unternehmer in Preisschwankungen bei Rohstoffen das größte Risiko (59 Prozent), gefolgt von schwankenden Energiepreisen (45 Prozent). Nahezu jedes dritte Unternehmen hält Währungsrisiken für das Geschäft für gefährlich.

Nur was die Liquiditätsrisiken abgeht, werden die Manager entspannter. Noch 2009 hielten 47 Prozent dies für kritisch, im vergangenen Jahr waren es nur noch 40 Prozent.


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Alle sorgen sich, nur die Hälfte beugt vor

Sie machen sich also allesamt Sorgen um Geld, schwankende Preise und Energie. Der eine mehr, der andere weniger. Da kann es verwundern, dass insgesamt nur 57 Prozent der befragten 400 Unternehmen ein Risikomanagement haben. 

68 Prozent halten ein solches System aber für wichtig oder sehr wichtig. 2009 waren es noch 82 Prozent.

"Der Eindruck der Finanzmarktkrise verblasst eben ein bisschen", sagt Ljuba Haunschild vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. Es gebe derzeit keine emotionale Wahrnehmung einer Krise. Zwar spreche alles von der Rezession, mit der deutschen Wirtschaft gehe es aber dennoch bergauf. Wenn auch nur in kleinen Schritten.

Kleine Unternehmen mit Nachholbedarf

Schürenkrämer hält dagegen. Für ihn ist "ein professionelles Risikomanagement in jeder Marktsituation ein Muss." Auch wenn man gut durch die Krise gekommen sei.

"57 Prozent sind gar nicht schlecht. Das ist sogar erstaunlich viel", sagt Haunschild. Immerhin müsse man bedenken, dass ein professionelles Risikomanagement – also eines, das über die übliche Planung hinausgeht, noch nicht als allgemeines Instrument wahrgenommen werde, "Das ist nicht alltäglich", sagt sie. "Gerade bei kleinen Unternehmen nicht."


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Ein System, das sich auszahlt

So ist es wenig überraschend, dass größere Unternehmen dem Managen von Risiken mehr Bedeutung zumessen als die kleinen. Schließlich käme beim kleinen Unternehmer alles aus einer Hand, wogegen komplex strukturierte Betriebe – die vielleicht auch eine Berichtspflicht haben – sich auf mehreren Ebenen rechtfertigen müssen.

Ähnlichen Faktoren mag es auch geschuldet sein, dass das Risikobewusstsein der mittelständischen Unternehmer regional unterschiedlich ist. So maßen in Süddeutschland im letzten Jahr nur 58 Prozent diesen Sicherungssystemen eine hohe Bedeutung bei, im Osten waren es 73 und im Norden 77 Prozent.

Aber immerhin schwören diejenigen, die ein professionelles Risikomanagement haben, auf dessen Erfolg: 77 Prozent sagen, dass sich das System gerade in der Wirtschaftskrise ausgezahlt habe. 57 Prozent sind der Meinung, dass ihr Risikomanagement schon so manche Krise im Unternehmen verhindert habe.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Und diejenigen, die noch keins haben – oder nicht darüber nachdenken? "Viele denken über so was nur nach, wenn ein Anlass da ist", sagt Haunschild. Unternehmen, die das Institut für Mittelstandsforschung in einem Panel nach wichtigen Plänen für die nächsten zwei Jahre befragte, hätten auch nicht immer alles umgesetzt, was noch bei der Befragung relativ weit oben auf der Prioritätenliste stand.

Wenn es nicht dringend ist, gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn. Das ist nicht unbedingt clever. "Aber menschlich", sagt Haunschild. "Damit ist es wie mit den Neujahrsvorsätzen." Würden 57 Prozent der Deutschen ihre Pläne für das neue Jahr umsetzen, wäre das auch eine ganze Menge.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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