Richtige Vorbereitung Hürden überwinden: Der Weg zum Praktikum

Wer ein Praktikum plant, sollte sich bestens vorbereiten. Die besten Tipps für die Suche, die Bewerbung und das Vorstellungsgespräch.

Nils Hille | , aktualisiert

Hürden überwinden: Der Weg zum Praktikum

Foto: Pete Saloutos/Fotolia.com

"Sie haben bereits erste praktische Erfahrungen gesammelt" – diese oder eine ähnlich harmlos klingende Formulierung findet sich in allen Stellenofferten, die sich an Hochschulabsolventen richten. Doch die Formel hat es in sich. Übersetzt heißt sie nämlich so viel wie:

Wer keine Praktika während des Studiums gemacht hat, braucht sich gar nicht erst bei uns zu bewerben. Doch irgendeine Hospitanz bei irgendeinem Unternehmen bringt Studenten in Sachen sinnvolle Vorleistung vor dem Antritt des ersten Jobs nicht weiter, sondern spendiert dem persönlichen Lebenslauf allenfalls ein, zwei Zeilen Beliebigkeit.

Um sich dagegen ein überzeugendes Entree beim zukünftigen Chef zu verschaffen, sollten sie schon Praktika als Möglichkeit zum gezielten Erwerb von Wissen und Erfahrung strategisch planen und so einen roten Faden in der Vita erkennen lassen. Eine perfekte Vorbereitung der einzelnen Etappen auf dem Weg zum Praktikum – von der Recherche, über die Bewerbung bis hin zum Vorstellungsgespräch – ist daher das A und O.

Karrierecoach Jörn Tschirne aus Stuttgart empfiehlt, dass sich Studenten "zuallererst klar machen, was sie mit ihrem Praktikum erreichen wollen". Dazu ist es besonders nützlich, zu analysieren, was potenzielle Arbeitgeber von jungen Mitarbeitern eigentlich erwarten. Wer sich einmal die Mühe macht, rund 30 Online-Annoncen aus dem eigenen Fachbereich zu vergleichen, der bekommt ein umfassendes Bild, welche konkreten Bedingungen er zum Ende seines Studiums erfüllen sollte.

Der anschließende selbstkritische Vergleich offenbart schnell Kenntnislücken, die sich mit einem passenden Praktikum schließen lassen. Eine geeignete Praktikumsstelle zu finden, ist oft gar nicht so schwer wie gedacht. Das Kontaktnetzwerk an der Hochschule hilft dabei schon häufig viel weiter als erwartet, wie der Kölner Karriereberater Jürgen Zech weiß: "Die Dozenten haben meist gute Kontakte zu den Unternehmen der Branche. Studenten sollten sich nicht scheuen, einfach mal bei ihnen nachzufragen."

Auch die älteren Semester sind eine gute Informationsquelle dafür, welche Unternehmen besonders viele wertvolle Erfahrungen ermöglichen. Nützlich ist zudem eine konkrete Anfrage in Bewerbungsforen wie dem auf karriere.de. Dort tauschen sich Studenten und Absolventen detailliert über ihre Erfahrungen aus. Hier finden sich auch die Profile von über 1500 Unternehmen, die sich der Initiative Fair Company angeschlossen haben und sich somit verpflichten, Praktikanten nicht auszunutzen.

Erstkontakt per Telefon

Ist die persönliche Auswahl der Wunschfirmen für ein Praktikum getroffen, ist die Vorarbeit auch schon fast geschafft. Für die perfekte Bewerbung gilt es nun noch den richtigen Ansprechpartner in der Personalabteilung zu ermitteln. "Wenn auf der Internetseite einer Firma diese Informationen fehlen, können Businessnetzwerke und Suchmaschinen dabei helfen, Name, E-Mail-Adresse und Durchwahl des Betreffenden herauszufinden", sagt Zech.

Wozu brauche ich denn eine Telefonnummer für eine schriftliche Bewerbung, mögen sich Praktikumsaspiranten fragen. Berater Tschirne rät dennoch dringend: "Rufen Sie immer vorher an, bevor sie etwas zuschicken." Viele Bewerber denken, das würde jeder machen und deshalb nichts bringen – doch sie scheinen sich zu irren. "Tatsächlich sind es gerade mal zehn bis 15 Prozent, die zum Hörer greifen, und davon nur ganz wenige, die ein solches Telefongespräch auch professionell angehen", sagt der Experte.

Zu einem gelungenen Telefonat gehört es, zunächst den Grund für den Anruf zu nennen und sich zu erkundigen, ob der Gesprächspartner ein paar Minuten Zeit hat. Ist dies der Fall, sollte der Bewerber sich selbst sowie seinen Studiengang mit Schwerpunkten kurz vorstellen und erklären, in welche Bereiche des Unternehmens er gern Einblick erhalten möchte. Zudem sollte er es nicht versäumen zu erklären, wieso er dem Unternehmen von Nutzen sein kann.

"Wenn er das alles gut macht, bleibt er in Erinnerung und hat schon einmal deutlich bessere Chancen auf einen Praktikumsplatz als alle, die nur eine Mappe oder eine Mail schicken", sagt der Karrierecoach.

Referenzen gehören dazu. Obenauf liegt ein individuell formuliertes Anschreiben, das als zweiter entscheidender Schritt auf dem Weg zum Praktikum gilt. "Die meisten Bewerber arbeiten hier nur mit Floskeln. Werden Sie lieber ganz konkret in den Formulierungen über das, was Sie bereits können und was Sie erlernen wollen", empfiehlt Tschirne.

Dabei erweist sich die ganz zu Anfang erstellte Anforderungsliste als besonders nützlich. Im Idealfall stellt sich der Personalentscheider, während er das Anschreiben liest, den Kandidaten schon bildhaft bei der Arbeit in seinem Unternehmen vor. "Bleiben Sie in dem Text aber immer sachlich und seriös, nur kleine sprachliche 'Farbtupfer' wie das Aufgreifen eines Slogans machen Sinn", sagt Zech.

Verschickt der Kandidat seine Bewerbung online, sollte er das Anschreiben nicht direkt in die E-Mail setzen, sondern an den Anfang des PDF-Dokuments im Anhang.

Lebenslauf, Zeugnisse und Referenzen gehören ebenfalls in diese Datei, denn wer mehr als zwei PDFs anhängt, vermittelt dem Personaler wenig Bemühen. In die E-Mail selbst, deren Größe insgesamt vier Megabyte keinesfalls überschreiten sollte, gehört nur ein kleiner Hinweis, woraus der Anhang im Einzelnen besteht.

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Eine gute Vorbereitung ist auch für den nächsten und entscheidenden Schritt des Bewerbungsprozesses um ein Praktikum unerlässlich: das Vorstellungsgespräch. Wer eine Einladung dazu erhält, sollte sie immer telefonisch bestätigen. Dieser Weg bietet auch die Möglichkeit nachzufragen, welche Unternehmensvertreter an diesem Termin teilnehmen werden. "Am Ende des Telefonats sollte der Bewerber erklären, dass er die Verabredung noch einmal per E-Mail bestätigt. Diese wird meist intern weitergeleitet, so dass sein Name schon einmal bekannt ist", rät Tschirne.

"Erzählen Sie doch mal etwas von sich" – Vorstellungsgespräche beginnen immer noch gerne mit dieser Aufforderung. "Der Personaler versteht, dass der Bewerber nervös ist. Trotzdem fordert er eine gewisse Souveränität", sagt Tschirne. Diese zu vermitteln fällt dem Kandidaten leichter, wenn er vorab geübt hat, sich in drei bis fünf Minuten kurz selbst zu präsentieren und Antworten auf Standardfragen parat zu haben.

Wer bei: "Warum wollen Sie gerade bei uns ein Praktikum machen?" lange überlegen muss, präsentiert sich alles andere als begeistert. Stellt der Personalverantwortliche unerwartete Fragen, kann der Bewerber durch seine umfassende Vorbereitung meist trotzdem passende Antworten formulieren. "Das Aufeinandertreffen ist eine Art Blind Date, das nicht wie ein Verhör, sondern als Gespräch ablaufen sollte", erklärt Zech.

Er teilt damit auch dem Bewerber eine aktive, fragende Rolle zu. Angehende Praktikanten dürften ruhig Erwartungen formulieren, die Aufgaben während des Praktikums besprechen und einen passenden zeitlichen Rahmen abstimmen.

"Bekommt er blumige, unklare Aussagen, heißt es vorsichtig zu sein. Oft bedeutet diese Reaktion, dass später nicht alles so klappen wird wie eigentlich gewünscht", erklärt Zech. Zum Schluss des Gesprächs sollte der Bewerber immer nachfragen, wann er mit einer Entscheidung rechnen kann. So erfährt er, zu welchem Zeitpunkt er nachhaken muss, wenn er noch nichts gehört hat. Auch hier erweist sich die gute Vorbereitung bis hin zur Rufnummer des zuständigen Personalmanagers wieder als sinnvoll.

Nach der  Verabschiedung hilft dann nur noch eins: Daumen drücken, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hat.

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Dieser Artikel wurde aktualisiert am 10.02.2013.

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