Richtig wählen Auf die Plätze, fertig, los!

Sich für ein Studium zu entscheiden ist das eine, einen Platz an der Wunschhochschule zu ergattern, das andere. Karriere Abi beantwortet die wichtigsten Fragen zum Bewerbungsprozedere.

Ulrike Heitze | , aktualisiert

Auf die Plätze, fertig, los!

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Foto: Sergey-Nivens/Fotolia.com

Wie finde ich überhaupt einen passenden Studiengang?

Wer sich schon für eine Fachrichtung entschieden hat, muss im Anschluss herausfinden, welche Hochschule und welches Studienfach ihm konkret das bietet, was er erlernen möchte. Für den ersten Überblick helfen die Datenbanken von Hochschulkompass oder vom Zeit-Verlag weiter. Hat man dort eine Liste möglicher Studiengänge und Unis zusammengestellt, sollte man sich die Inhalte der einzelnen Angebote genauer ansehen. Denn trotz gleicher Titel unterscheiden sich Studiengänge mitunter deutlich voneinander. Jede Hochschule setzt eigene Schwerpunkte. Die konkreten Infos dazu finden sich auf den Webseiten der Hochschulen und der jeweiligen Lehrstühle. Dort steht auch, über welches Verfahren die Studienplätze vergeben und welche Anforderungen gestellt werden.


Wie werden Studienplätze vergeben?

In Deutschland gibt es grundsätzlich drei Typen von Studiengängen:

  1. Allgemeinmedizin, Pharmazie, Zahn- und Tiermedizin sind Fächer

    mit bundesweiter Zulassungsbeschränkung

    . Die Studienplätze sind begrenzt, alle Bewerbungen laufen zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH), bei der sich Interessenten bewerben müssen. Die SfH verteilt 40 Prozent der Plätze vorweg nach Noten und Wartezeit der Bewerber. Die restlichen Bewerbungen gehen anschließend über das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) an die einzelnen Unis, die dann in Eigenregie die Restplätze vergeben. Oft zählen dabei aber auch wieder nur die Noten.

  2. Bei Studiengängen

    mit örtlicher Zulassungsbeschränkung

    sind die Plätze ebenfalls begrenzt und längst nicht jeder Bewerber kommt zum Zug. Die Hürden, die ein Abiturient nehmen muss, legt die jeweilige Hochschule individuell fest. Die Bewerbungen gehen meist direkt an die Uni. Knapp 50 Hochschulen nehmen aber auch schon mit rund 180 Studiengängen am sogenannten dialogorientierten Verfahren teil. Dann werden die Bewerbungen zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung – aber weiterhin nach Vorgaben der jeweiligen Hochschule – abgewickelt.

  3. Für viele Studiengänge in Deutschland gibt es nach wie vor gar

    keine Zulassungsbeschränkung

    . Das bedeutet grundsätzlich: Jeder Interessierte kann einen Platz bekommen, der zur Immatrikulationszeit mit seinen Unterlagen zur Hochschule kommt und sich einschreibt. Aber Achtung: Keine Zulassungsbeschränkung bedeutet nicht automatisch, dass keine Anforderungen gestellt werden. Manche Hochschulen haben schlechte Erfahrungen mit überforderten Erstsemestern gemacht und verlangen einen zusätzlichen Eignungsnachweis. Das kann heißen, dass man bestimmte Einzelnoten in relevanten Schulfächern erzielt haben, zu einem Vorstellungsgespräch antreten oder einen Orientierungstest ablegen muss.

Egal, ob zulassungsbeschränktes oder freies Fach: In der Regel werden Studienplatzbewerbungen online abgewickelt. Oft müssen aber noch Unterlagen per Post nachgereicht werden. Was wo und in welcher Form noch vorzulegen ist, erfährt man im Rahmen der Online-Registrierung.

Nach welchen Kriterien werden Studienplätze vergeben?

Das unterscheidet sich von Studiengang zu Studiengang, aber grundsätzlich gilt: Bei zu­lassungsbeschränkten Fächern gibt der Abi-Notendurchschnitt den größten Ausschlag. Dabei legt die Hochschule ihr Studienplatzkontingent fest und beginnt beim besten Bewerber mit der Vergabe und arbeitet sich dann herunter. Der sogenannte Numerus clausus (NC) ist also die Note, mit der der letzte neue Erstsemester-Student noch reinrutscht. Der NC für ein Fach kann je nach Notenniveau der Bewerber in jedem Jahr unterschiedlich hoch ausfallen.

In kleinerem Umfang fließen auch noch andere Kriterien in die Vergabe mit ein. So werden bestimmte Studienplatz-Kontingente nach Wartezeit der Bewerber vergeben, oder es werden Sprachkenntnisse, eine Lehre, soziales Engagement oder Einzelnoten berücksichtigt. Tipp: Unbedingt prüfen, ob noch andere Vorgaben wie etwa bestimmte Sprachkenntnisse, Tests oder Pflichtpraktika erfüllt sein müssen.


Meine Noten sind mies. Wie erhöhe ich die Chance auf einen Studienplatz?

Bei einem Teil der Plätze für zulassungsbeschränkte Fächer werden Wartezeiten positiv berücksichtigt. Das sind die Semester nach dem Abitur, in denen man nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben ist. Zusätzlich gibt es an manchen Unis auch Pluspunkte für anderweitiges Engagement wie freiwillige Jahre im sozialen oder Umweltbereich oder den Bundesfreiwilligendienst, aber auch für abgeschlossene Ausbildungen oder fachlich relevante Praktika.

Viele Unis haben zudem Sonderkontingente für Interessenten, die aus schwierigen Lebensumständen kommen. Angehende Mediziner, deren Noten nicht für den NC reichen, können ihre Chancen für einige Unis und einzelne Bundesländer erhöhen, indem sie im Vorfeld an einem Auf­nahmetest teilnehmen.


Soll ich mich bei mehreren Unis bewerben?

Ja, unbedingt. Falls es an der einen Hochschule nicht klappt, hat man parallel noch weitere Eisen im Feuer. Praktisch: Bei Bewerbungen über www.hochschulstart.de im Rahmen des dialogorientierten Verfahrens kann man sich in einem Rutsch für mehrere Studiengänge bewerben und diese dann priorisieren.

Aber bitte: Wer irgendwo einen Platz angenommen hat, sagt fairerweise die anderen Studienplatz-Angebote ab, damit auch Nachrücker zügig mit dem Studium beginnen können.

Meine Uni möchte ein Motivationsschreiben. Was muss ich abliefern?

Neben Zeugnissen und dem Lebenslauf wollen tatsächlich viele Hochschulen ein Motivationsschreiben sehen. Das ist meist zwischen einer halben und bis zwei Seiten lang und darin soll der Bewerber – wie der Name schon sagt – seine Motivation erklären:

  • Wo kommt die Leidenschaft fürs Fach her?
  • Warum soll es gerade diese Hochschule als Studienort sein?
  • Was macht mich als Menschen aus?

Idealerweise kann man seine Leidenschaft für das jeweilige Fachgebeit anhand von persönlichen Erlebnissen oder Erfahrungen schildern. Ebenfalls hilfreich: Besonderes Engagement erwähnen:

  • Ist man eine Sportskanone, war man Klassen- oder Schulsprecher?
  • Hat der Bewerber vielleicht demente Angehörige betreut oder setzt er sich für den Tierschutz ein?

Aber Achtung:

Auch wenn es hier ganz stark um Werbung in eigener Sache geht, unbedingt realistisch und glaubwürdig bleiben.


Was erwartet mich bei einem Auswahlgespräch der Uni?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Abiturienten zu einem persönlichen Gespräch oder einer mündlichen Prüfung an eine Uni eingeladen werden, ist gering. Das Webportal Studis Online hat ausgerechnet, dass es zum Beispiel im Jahr 2010 nur jeden 20. Studienplatzbewerber traf. Wer vor dem Auswahlgremium – bestehend meist aus Vertretern des Lehrstuhls sowie der Studentenschaft – auftritt, sollte erläutern können, warum es ihn gerade an diese Hochschule und zu diesem speziellen Studienfach zieht und welche wertvollen persönlichen Eigenschaften er oder sie mitbringt.

Tipp: Ein solches Vorstellungsgespräch sorgfältig vorbereiten, der eigenen Motivation auf den Grund gehen und auch die Nachrichtenlage rund ums angepeilte Studienfach verfolgen.

Ich bin an meiner Wunschuni leer ausgegangen. Welche Alternativen habe ich?

Eine Absage ist keine Katastrophe. Wer nicht auf Anhieb einen Studienplatz abbekommt, hat noch diverse Optionen – etwa die Bewerbung bei weiteren Hochschulen. Möglicherweise gibt es anderswo zulassungsfreie Studiengänge, die ähnliche Inhalte bieten wie die zunächst angepeilte Adresse.

Tipp: Bei kleineren Hochschulen fernab der Großstädte herrscht oft weniger Andrang.

Weitere Möglichkeiten: Aufs Nachrückverfahren hoffen oder eine Hochschule im Ausland erwägen.

Fruchtet das alles nicht, könnte man zumindest als Gasthörer schon mal die Vorlesungen besuchen und auf einen späteren Studienplatz hoffen. Die Chancen sollte man aber vorher mit der Studienberatung durchsprechen. Alternativ kann eine Warteschleife mit Praktika zur Berufsorientierung, einem freiwilligen sozialen Jahr oder mit einem Sprachkurs gefüllt werden. Das gibt inhaltlich Pluspunkte, erhöht die Wartezeit und damit die Chancen, in der nächsten Auswahlrunde zum Zuge zu kommen. Wer Medizin & Co. – also eines der bundesweit zulassungsbeschränkten Fächer – studieren möchte und deshalb fachlich nicht ausweichen kann, kann es mit Einklagen versuchen.


Wie funktioniert das Nachrückverfahren?

Durch Mehrfachbewerbungen bei unterschiedlichen Unis um einen Studienplatz erhalten einige Abiturienten oftmals auch mehrere Zusagen – antreten können Erstsemester in der Regel allerdings nur einen Studienplatz. Sobald an den anderen Hochschulen klar ist, dass vorgesehene Kandidaten nicht kommen, gehen die frei gewordenen Plätze zurück in den Pool. Meist werden sie von den Unis dann verlost, die Noten werden somit unbedeutend. Oft gibt es sogar mehrere Nachrückrunden hintereinander, so dass mitunter das Semester schon läuft, bevor der allerletzte Platz vergeben ist.

Positiv: Für die Nachrückrunden im dialogorientierten Verfahren auf hochschulstart.de – die sogenannten Clearingverfahren – können sich auch Bewerber registrieren, die sich in der ersten Runde nicht über diesen Weg, sondern vielleicht direkt an einer Uni um einen Studienplatz beworben haben.

Kann ich auch im Ausland studieren?

Aber klar. Gut jeder dritte Student verbringt schon eine gewisse Zeit zum Lernen im Ausland oder absolviert sogar sein komplettes Studium dort. Die beliebtesten Länder sind Österreich, die Niederlande, Großbritannien, die Schweiz und die USA. In einigen Ländern, wie etwa in Österreich und den Niederlanden, bestehen für viele Fächer kaum Zulassungsbeschränkungen. So kann ein Auslandsstudium auch eine Option für hierzulande abgelehnte Bewerber sein. Österreich war deshalb lange Zeit das Eldorado für Nachwuchsmediziner. Mittlerweile hat der Alpenstaat aber für begehrte Fächer wie Medizin und Architektur mehrstufige Aufnahmeverfahren oder eine zentrale Studienplatzvergabe eingeführt.

Tipp: Wer in der EU oder der Schweiz studiert, kann deutsches Auslandsbafög erhalten – auch wenn er komplett im Ausland studiert. Ein Studium außerhalb der EU und der Schweiz wird dagegen nur gesponsert, wenn dies auf ein hiesiges Studium angerechnet wird, man also einen deutschen Abschluss macht.


Ich soll eine Mappe anfertigen. Was muss ich machen?

Mappen mit Zeichnungen, Bildern und Fotos oder andere Eignungstests kommen hauptsächlich in den musischen und sportlichen Fächern vor. Die Hochschule möchte feststellen, auf welchem Leistungsniveau sich Kandidaten befinden und wie intensiv er oder sie sich mit dem Studienfach schon beschäftigt hat. Hier gilt es unbedingt, Qualität abzuliefern. Mal eben etwas zusammenzuzimmern oder untrainiert beim Sporttest anzutreten ist sinnlos. Deshalb früh genug mit der Vorbereitung anfangen. Infos zu den formalen Anforderungen etwa an eine Mappe erhält man am Lehrstuhl, es lohnt aber auch, sich bei höheren Semestern umzuhören. Zudem gibt es Dienstleister, die Mappenkurse anbieten oder auf den Sporteignungstest vorbereiten.


Kann mir eine Klage zu einem Studienplatz verhelfen?

Der Erfolg einer Klage ist immer stark vom Einzelfall abhängig. Wer zum Beispiel statt an der Wunschuni nur an der zweit- oder drittliebsten Hochschule gelandet ist, wird wenig meckern können. Hier hilft eher ein Studienplatztausch. Ein möglicher Weg, sich einzuklagen, geht über die "außerkapazitäre Zulassung". Dabei muss die ablehnende Hochschule nachweisen, dass sie alle ihre Kontingente ausgeschöpft hat und partout kein Platz mehr für den Bewerber übrig ist.

Aussicht auf eine erfolgreiche Klage könnte es dann zum Beispiel geben, wenn auch nach den Nachrückverfahren noch Plätze frei geblieben sind.

Tipp: Bei der Studentenvertretung der angepeilten Hochschule nachhaken, wie die Erfahrungen mit solchen Klagen sind. Auf jeden Fall sollte man einplanen, dass so etwas wegen der Anwaltskosten teuer werden kann.

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