Richtig bewerben Wollen Sie sich fest binden?

Aus der Selbstständigkeit in eine Festanstellung? Wer das plant, muss gut argumentieren. Listen Sie in Ihrer Bewerbung Ihre Projekte genau auf und besorgen Sie sich Referenzen, rät Bewerbungsberater Gerhard Winkler.

Gerhard Winkler | , aktualisiert

Ein regelmäßiges Einkommen, das Ende des Studiums, die Sehnsucht nach einem ruhigeren Leben oder eine schlechte Geschäftslage - es gibt viele Gründe, aus der Selbstständigkeit oder Freiberuflichkeit in eine Festanstellung zu wechseln. Wer einmal Unternehmer war, kann bei seiner Bewerbung trumpfen. Ein Gewerbe zu betreiben, sich in einem freien Beruf zu versuchen, als selbstständiger Dienstleister den Markt zu testen: Jeder Personaler erkennt an, dass dies eine spezielle Mischung aus umsichtiger Planung und engagiertem Machen verlangt.

Spannende Bewerberstory

Studierende aller Fächer suchen nebenbei Arbeit. Studentische Unternehmer suchen etwas mehr: mehr Erfolg, mehr Verdienst, mehr Unabhängigkeit, mehr Renommee. Sie sehen geschäftliche Gelegenheiten. Sie haben das Selbstvertrauen, Auftraggeber zufrieden zu stellen und Kunden gut zu bedienen. Wer beispielsweise während seines Studiums Porsche 912 aus den USA eingeführt und an Oldtimerfans verscherbelt hat, hat damit nicht nur seine Studierkasse aufgefüllt, sondern auch sein Händlergeschick bewiesen und Entrepreneurgeist gezeigt. Jetzt liefert er als Absolvent, sobald er sein Nebengeschäft aufgibt und sich auf den Karriereweg durch die Unternehmen begibt, eine spannende Bewerberstory.

Es ist kein Eingeständnis einer Niederlage, wenn Sie mit dem Ende des Studiums Ihre bisherigen geschäftlichen Aktivitäten einstellen. Mit Sportflitzern zu dealen war spaßig, aber schließlich haben Sie Medizin studiert oder Internationales Marketing oder Biochemie und Ihr Beruf soll jetzt Ihren ganzen Kopf, Ihr ganzes Können in Anspruch nehmen und Ihnen bessere Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Selbst wenn Sie als selbstständiger Programmierer, als freiberuflicher Dozent oder Berater eigentlich ganz gut im Geschäft sind, werden Sie nach dem Studium einen Schnitt machen und dort anfangen wollen, wo Sie in Teams eingebettet werden, wo man Sie lernen und wachsen lässt.

Beschreiben Sie Ihre Leistungen 

In den meisten Fällen versteht sich der Wunsch nach einem Einstieg in eine Organisation von selbst. Selbst wenn Sie sich nach dem Studienabschluss wegen eines schlechten Jobmarkts oder Ihrer guten Auftragslage weiter selbst beschäftigt haben, brauchen Sie sich für einen gut klingenden Bewerbungsgrund nicht den Kopf zu zerbrechen. Je stärker ein Bewerber, desto weniger fragt man nach, warum er sich bewirbt.

Konzentrieren Sie sich lieber darauf, genau zu beschreiben, was Ihre bisherigen Leistungen ausmacht. Notieren Sie, was Sie unternommen haben und welche Kernbereiche Sie abgedeckt haben, sei es Marktanalyse, Entwicklung, geschäftliche Planung, Finanzierung, Vermarktung, Kundengewinnung, Beratung, Verkauf, Rekrutierung, Betriebsführung. Ein Eintrag im Lebenslauf könnte so aussehen:

- 04.2005 - 03.2007 Gründerin und Geschäftsführerin, b-concept24 GbR, Witten 
- Ausarbeitung Businesspläne, Internet Solutions, Corporate Design; Consulting für Existenzgründer und Kleinunternehmen Kunden: uli-ludwig.de (Frankfurt), Ilonas Wellness-Oase (Bad Soden), Asian Business Club (Praunheim) u.a.
- bis 03.2007 studienbegleitende Tätigkeit

Untermauern Sie die Lebenslauffakten durch Angaben über Projekte, Kunden, Auftraggeber. Legen Sie eine Liste von Referenzpersonen bei oder besorgen Sie sich schriftliche Danksagungen und Empfehlungsschreiben. Sammeln Sie Projekte, Kunden und Erfolge. Vor allem positive Zahlen machen Ihre Bewerbung stark.

Freuen Sie sich auf Fragen 

Haben Sie keine Angst vor Fragen im Jobinterview, sondern freuen Sie sich, dass man Ihnen die Chance gibt zu glänzen: "Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Was war Ihr Anteil bei Gründung und Geschäftsführung? Was haben Sie da genau angeboten und geleistet? Wer waren Ihre Auftraggeber und Kunden? Was haben Sie gut gemacht? Was ist schief gelaufen?" Und vor allem: "Was bewegt Sie dazu, die Selbstständigkeit aufzugeben?" Vielleicht wird man Ihnen auch die alten Submissionsfragen stellen: "Können Sie sich noch unterordnen? Können Sie Vorgaben getreu umsetzen, ohne zu Eigenmächtigkeiten zu neigen? Passen Sie noch in das Korsett der festen Arbeitszeiten und Regelungen?"

Für alle Fragen gilt: Antworten Sie authentisch. Blasen Sie Ihre Aktivitäten und Leistungen nicht auf. Akzentuieren Sie Ihre Erfolge, Ihr Geschick, Ihr geschäftliches Glück. Man kann Ihre Leistung weder verstehen noch würdigen, wenn Sie sich nicht dazu bekennen. Falls man anmerkt, wie herrlich frei und ungebunden Sie doch waren, dann kontern Sie mit Ihrer Selbstdisziplin und dem Zwang, konstante Leistung zu bringen.

Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite www.jova-nova.com

Was Personaler nervt

"Seit Mitte 2006 haben sich 1.000 Leute bei uns beworben. Mit 700 Kandidaten haben wir ein erstes Gespräch geführt. 55 haben bei uns angefangen. Fast die Hälfte der Bewerber für den IT-Bereich sind Selbstständige. Im Marketing sind es 40 Prozent, im Vertrieb 20 Prozent. Selbstständige legen in ihrer Bewerbung oft den Fokus auf fachliche Qualifikation und kümmern sich zu wenig um formelle Kriterien. In ihrem Lebenslauf beschreiben viele haarklein ihre Projekte, vergessen aber ihren Werdegang. Ich habe auch schon den umgekehrten Fall erlebt: Ein Kandidat beschrieb sein Studium ausführlich, um dann seine gesamte Berufserfahrung mit der Notiz "1997 bis 2007 Freiberufliche Tätigkeit" zusammenzufassen. Das war zu wenig. Viele Freiberufler schicken keine Zeugnisse mit. Dabei überprüfe ich damit die Angaben im Lebenslauf. Manche Selbstständige schicken gar kein Anschreiben. Ein Satz wie "Anbei finden Sie meine Bewerbung" steht keiner Bewerbung gut zu Gesicht. Ich möchte nachvollziehen, warum jemand aus der Selbstständigkeit in das Angestelltenverhältnis wechseln will. Wer diese Veränderung mit einer schlechten Auftragslage begründet, ist nicht an einer langen Festanstellung interessiert. Ein Bewerber darf nie den Eindruck erwecken, dass sie für ihn ein Notnagel wäre."

Maria Nevado ist Recruiting Manager bei StepStone.

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