Richtig bewerben Nicht lang schnacken - Praktikum packen!

Studenten müssen sich nicht aufplustern, wenn sie in ein Unternehmen hineinschnuppern wollen. Verzichten Sie auf akademisches Geschwurbel und werden Sie greifbar, sagt Bewerbungsberater Gerhard Winkler.

Gerhard Winkler | , aktualisiert

Studierende auf Praktikumssuche senden typische Küken-Signale. Küken auf dem Jobmarkt wollen größer wirken, als sie sind. Weil sie noch nicht allzu viel vorzuweisen haben, plustern sie sich auf und formulieren ein wenig geschwollen. Beim Balance-Akt zwischen Jobanfrage und Selbstpräsentation fallen sie dann ab und zu von der Stange. Unternehmen, die Praktikumsplätze vermarkten wie Mondlandemissionen, verstärken noch den Pluster-Effekt im Bewerbungsschreiben. Doch es geht auch anders. Und viel besser.

Machen Sie's spannend

Vergessen Sie das Momentane. Geben Sie Ihrer Einleitung ein Momentum. Wenn Sie 110 wählen und verkünden, dass Sie gerade auf einer Eisscholle den Rhein runtertreiben, steckt in Ihrem Redebeginn ein echter Aufwecker. Ein gelungener Start im Anschreiben hat ebenfalls sein Momentum. Eine Einleitung wie "... ich studiere derzeit im Diplomstudiengang Versicherungsmanagement in Wiesbaden mit den Schwerpunkten Risikomanagement, Versicherungslehre" reißt keinen vom Hocker. Geben Sie Ihrer Präsentation von Anfang an Drive. Für ein Praktikum qualifiziert Sie am besten eine bereits erwiesene Praxistauglichkeit. Also führen Sie nach der Anrede sofort schlagende Argumente ins Feld: "... in der ertragsorientierten Analyse von Bestandskunden und im Research von Zielkunden habe ich mich in einem ersten praktischen Einsatz für die Da Cool KG bewährt."

Klar - nicht jeder kann beim ersten Praktikum schon mit Praxiserfolgen wuchern. Meist übertrumpfen die bisherigen Studien- und Lernleistungen die ersten Joberfahrungen. In dem Fall platzieren Sie die an den Briefanfang: "... als Stipendiatin der Studienstiftung absolviere ich meine internationale Ausbildung in Betriebswirtschaft überdurchschnittlich schnell und erfolgreich." Oder, wenn Sie keine Begabtenförderung genießen, überzeugen Sie durch Engagement: "... gute Lernleistungen und erfolgreiche Projektteilnahmen in meinen Schwerpunkten Risikomanagement, Versicherungs- und Bankwirtschaft zeichnen meine Ausbildung zum Diplom-Kaufmann an der FH Köln aus."

Schreiben Sie haptisch

Die Fähigkeit zu verallgemeinern ist beim Bewerben keine Fähigkeit, sondern ein Versagen vor den Fakten: "Ausgezeichnet hat mich bisher die Fähigkeit, mich auch in sachfremde Gebiete fundiert einzuarbeiten und bereits erworbene Kenntnisse auszubauen." Das lässt sich nicht anfassen. Darum ist es auch kein Argument. Lassen Sie sich herab auf die Faktenebene: "Als studentische Mitarbeiterin für die IHK Vilnius habe ich meine Sprach- und Kulturkenntnisse erfolgreich erprobt und selbstständig Vermarktungskonzepte ausgearbeitet und realisiert."

Schmieden Sie kein Blech

Das akademische Milieu tut sich bekanntlich schwer, Komplexes einfach auszudrücken. Einfaches einfach zu sagen, ist anscheinend völlig unmöglich: "Durch mein kreatives Mitspiel im Orchestra of Ideas möchte ich zu vollkommenen Inszenierungen im Sinne von Fleece Waterhose Kuppers und natürlich dessen Kunden beitragen." Aha. Schwätzen Sie nicht wie am Sonntag, wenn sie einen Job von Montag bis Freitag anpeilen. Für Ihre Selbstvermarktung gilt: Große Worte, Lobhudelei, Absichtserklärungen und Ego-Statements überlassen Sie besser den Consultants, die dafür bezahlt werden. Konkrete Sachverhalte drücken Sie aus wie sie sind: schlicht und überzeugend. Blättern Sie in Ihrer Bewerbung auf, was Sie wann und wo geleistet, gelernt und erreicht haben. Schwelgen Sie in Namen, Orten, anschaulichen Details. Auch das studienbegleitende Wenden von Frühstücksrollen beim schnellen Thai ist ein Pro-Argument - jeder bisherige Mini-Job ehrt Sie.

Bleiben Sie glaubwürdig

Sprechen Sie nicht von langjährigen Aktivitäten, wenn Sie erst 23 sind. Untermauern Sie Ihre Argumentation mit schulischen oder extracurricularen Lernleistungen, mit Engagement, mit Sprach- und PC-Kenntnissen. Nennen Sie erst am Briefende den gewünschten Praktikumszeitraum. Schließen Sie mit einer probaten Handlungsaufforderung: "Von meiner beruflichen Neugier, meinem sicheren und zuvorkommenden Auftreten und meiner auch unter Termindruck sorgfältigen und effizienten Arbeitsweise überzeuge ich Sie sehr gern im direkten Gespräch. Ich freue mich über Ihren Anruf."  Ihr Lebenslauf unterstützt den Claim, den Sie im Anschreiben aufbauen. Auf ein Interview für ein Praktikum bereiten Sie sich vor wie auf ein richtiges Jobinterview. Als Jungbewerber kann man nicht vorbereitet genug sein. Nutzen Sie Ihr Studium, um nebenbei das Geschäft des Bewerbens halbwegs schmerzfrei zu lernen. Denn das Praktikum ist und bleibt ein Job zum Lernen.

Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite www.jova-nova.com

Was Personaler nervt

"Pro Jahr bewerben sich am Standort Stuttgart 17.000 Studenten auf ein Praktikum. 1.600 haben wir im vergangenen Jahr eingestellt, bundesweit waren es ungefähr 4.700. Wir nehmen nur noch Online-Bewerbungen an. Leider machen viele Kandidaten den Fehler, die Pflichtfelder schnell auszufüllen und das Ganze ohne Lebenslauf und Zeugnisse im Anhang schnell wegzuschicken. Wer noch kein Vordiplom hat, sollte unbedingt einen Notenspiegel beilegen. Es ist wichtig, dass auch eine Bewerbung um einen Praktikumsplatz eine individuelle Note bekommt und ich nach dem Lesen weiß, was der Bewerber persönlich mit DaimlerChrysler verbindet. Ein Kandidat hat beispielsweise geschrieben: "Meine erstes Wort war Mercedes - noch bevor ich Mama sagen konnte" - solche Sätze merkt man sich."

Verena Koch arbeitet für das Job & Karriere Center bei DaimlerChrysler.

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