Richtig bewerben Legen Sie der Bewerbung Arbeitsproben bei

Machen Sie dem Jobanbieter Appetit auf mehr. Legen Sie Arbeitsproben bei, aber plustern Sie Ihre Unterlagen nicht unnötig auf, rät Bewerbungsberater Gerhard Winkler.

G. Winkler | , aktualisiert

Ihre wichtigste und erste Arbeitsprobe ist die schriftliche Bewerbung. Denn sie belegt, dass Sie es verstehen, Menschen anzusprechen, einen attraktiven Vorschlag zu unterbreiten, eine besondere Eignung zu vermitteln, eine Zielperson zu beeindrucken, zu überzeugen und zu gewinnen.

Besonders dort, wo arbeiten "zuarbeiten" bedeutet - und das bedeutet es eigentlich immer -, legt der Jobkandidat mit Lebenslauf und Anschreiben eine Probe seines Könnens vor. Die gesamte Korrespondenz, vom Anschreiben bis zur Dankesmail nach dem Jobinterview, belegt Ihre Schreib- und Präsentationskompetenz und Ihr Vermarktergeschick.
Bauen Sie Ihre Bewerbung nicht als Kochrezept auf, wenn Sie sich um eine Volontärsstelle im Magazin "Backen für Anfänger" bewerben. Bringen Sie einen selbstgebackenen Kuchen, legen Sie ein paar gut angerührte Artikel dazu. Liefern Sie sichtbare Belege aus Ihrer Arbeit, Ihrer Ausbildung, Ihrem Engagement. Aber müllen Sie den Personaler nicht zu.

Das Leben ist kein Flash-Movie

Um zu beweisen, dass man angesagte Darbietungsformen beherrscht, transponieren einige Jobsuchende ihre persönlichen Daten in ein anderes Medium. Bekannt sind die Homepage, die PowerPoint-Präsentation, der Flash-Movie, der Video-Clip, das Poster, der Flyer.
Der eigene Werdegang degeneriert dabei oft leider zu Dummy-Daten. Zeigen Sie lieber, dass Sie eine Technik und die dazugehörigen Tools beherrschen, um Ihre Leistungen in Szene zu setzen, und nicht nur bunte Bildchen anfertigen können.

All das, was Sie produziert oder mit erarbeitet haben und was bereits im Web steht, kann als Arbeitsprobe fungieren: Wissenschaftliche Texte oder Dokumente aus der Kommunikation von Unternehmen, Organisationen, Vereinen und Gruppen. In Online-Publikationen oder im eigenen Blog Veröffentlichtes. Fotos, Videos, die Ihre Projekte dokumentieren. Natürlich auch die Ergebnisse Ihrer Entwickler- oder Designerfähigkeiten. Als Sammel- und erste Anlaufstelle können Sie eine eigene Homepage aufbauen und von dort aus verlinken.
Stilisieren Sie sich auf Ihrer privaten Webseite jedoch nie als stellensuchende Person. Auf der eigenen Webseite darf sich bekanntlich jeder permanent selber darstellen - aber kein Mensch sucht ständig einen Job.

Digital oder auf Papier 

Was ins Web gestellt werden kann, lässt sich auch auf Scheiben brennen oder auf Papier bannen. Legen Sie Ihre Arbeitsproben direkt bei, wenn sie Ihre bisherigen Leistungen, Ihre Kompetenz und Ihr Potenzial belegen. Wählen Sie jedoch nur dann ein digitales Format, wenn Sie sicher sind, dass der Adressat es auch zu öffnen weiß, dass keine internen Regeln das Nutzen fremder Datenträger verbieten und vor allem, dass Sie den Computer des Empfängers nicht lahm legen. Für Ausdrucke gilt: Papier ist geduldig. Rekrutierer sind es nicht.
Sofern die Ergebnisse Ihrer Arbeit vorzeigbar, hörbar, benutzbar sind, stellen Sie die Resultate möglichst direkt vor oder dokumentieren Sie sie wenigstens.

Vorzeigbar sind Skizzen, Entwürfe, Modelle, Fotos, Grafiken, Präsentationen, sofern die Bestimmungen eines Werk- oder Arbeitsvertrags dem nicht entgegenstehen. Der angehende Entwicklungsingenieur kann Funktionsweisen manchmal am einfachsten mittels Video-Clip demonstrieren. Hörbar sind zum Beispiel Podcasts, Mitschnitte von Vorträgen oder Präsentationen. Benutzbar sind Prototypen, funktionstüchtige Modelle, Programme oder Anwendungen.

Lass Dritte sprechen 

Wenn Sie schon Proben Ihrer Fertigkeiten vorweisen - warum nicht gleich auch die ausgewählten positiven Rückmeldungen Dritter auf einem Extrablatt versammeln? Im Leben zählt Leistung, aber auch das Lob der Leistung. Und Arbeitsproben sind schließlich Proben der Arbeit, die Sie für andere erfolgreich erledigt haben, und nicht Bravourstücke der Mühe, die Sie sich mit sich selber gemacht haben.

Falls Sie in einem Berufsfeld tätig sind, wo sich die Ergebnisse Ihres Talents und Ihrer Schaffenskraft nicht dokumentieren lassen, seien Sie getröstet: Ihre Bewerbung ist Ihre Arbeitsprobe. Beim Bewerben steht man Rede und Antwort über das, was man selber tun kann. Später im Job hat man sich täglich zu verständigen über das, was zu tun war, gerade besorgt wird oder noch zu tun ist. Mit Jobkandidaten, die bereits den eigenen Anspruch klar und deutlich kommunizieren, lässt sich nicht nur leichter verhandeln, sondern auch besser arbeiten.

Vergessen Sie nicht: Auch Bewerben bedeutet zuarbeiten. Richten Sie keinen Blattsalat an. Plustern Sie die Unterlagen nicht unnötig auf. Probieren Sie keine pseudo-kreativen Bewerbungsstile aus: Die sprachliche Form sollte allein der Idee einer Kurzeinweisung in Ihr Leistungsvermögen folgen. Und Ihre Gestaltungsbemühungen unterwerfen sich der simplen Vorgabe, dass jeder Bearbeiter schnell mit Ihren Unterlagen durch sein möchte.

Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite www.jova-nova.com

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...