Richtig bewerben Die Fallen der Personaler im Vorstellungsgespräch

Mit Fangfragen fühlen Personaler einem Bewerber auf den Zahn. Sie wollen wissen, wie souverän der Kandidat reagiert, wie loyal er ist oder was ihn davon abhalten könnte, im neuen Job erfolgreich zu sein. Karriere.de zeigt die zehn wichtigsten Typen von Fangfragen, erklärt was dahinter steckt und verrät die cleversten Antworten.

Claudia Obmann | , aktualisiert

Lara Mengens erstes Gespräch nach ihrer Initiativbewerbung bei der Privatbank war bestens gelaufen. Schon drei Tage nach dem zwanglosen Treffen rief der potenzielle neue Vorgesetzte an und sagte: „Unser Geschäftsführer möchte Sie auch gern mal kennen lernen“. „Ich war begeistert von der netten Art und optimistisch, dass ich gute Chancen auf meinen Traumjob habe“, sagt Mengen.

Umso überraschter war die junge Bankerin, als sie beim nächsten Treffen eine dritte Tasse auf dem Konferenztisch entdeckte: Unangekündigt nahm auch der Personalmanager des Kölner Finanzinstituts am vermeintlich harmlosen Kennenlern-Gespräch teil. Und der wollte es dann plötzlich genau wissen: „Warum wollen Sie ihren bisherigen Arbeitgeber verlassen“, fragte er die Bewerberin. Und erbat gleich darauf Mengens Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1 - 10. „Besonders unangenehm war mir aber seine unverblümte Frage nach meiner Gehaltsvorstellung. Darauf war ich noch gar nicht vorbereitet“, sagt die 30-Jährige.

Genau das bezwecken Personaler. Mit Überrumpelungstaktik und Fangfragen versuchen sie das herauszufinden, was nicht in den Bewerbungsunterlagen steht: Sie wollen sehen, ob ein Kandidat außerhalb der Routine ins Straucheln gerät. Es geht ihnen aber auch um Motive und Motivation, um persönliche Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, Integrität und analytische Fähigkeiten. Darüber hinaus wollen sie soziale Kompetenzen wie Engagement, Disziplin, Integrationsfähigkeit und Loyalität abklopfen. Kurz, Sie wollen alles aufspüren, was verhindern könnte, dass ein neuer Mitarbeiter erfolgreich für ihre Firma tätig wird.

Aus diesem Grund interessiert den künftigen Arbeitgeber natürlich auch die Familiensituation oder der Gesundheitszustand eines Bewerbers. Auch wenn direkte Fragen nach privaten Plänen wie Heirat oder Kinderwunsch, Krankheit oder Behinderung, Beruf des Lebenspartners oder Vereins-, Partei- oder Religionszugehörigkeit verboten sind, versuchen mache Personalprofis sozusagen durch das Hintertürchen, den Stand der Dinge auszuloten. Das hat Helge Henersdorf auch schon erlebt. „Ich hoffe, Ihre Partnerin hat keine Einwände, wenn Sie regelmäßig einige Wochen auf Geschäftsreise sind?“ wollte der Personalleiter des Chemieriesen vom Biologen wissen.

Die Fangfragen im Überblick

Um hinter die Bewerber-Fassade zu blicken, inszenieren Personalmanager von Unternehmen in seltenen Fällen sogar das gefürchtete Stressinterview - das sonst nur bei der Einstellung von Nachwuchskräften bei Polizei und Justizvollzug Standard ist: Durch unangenehme, unverständliche oder sogar sinnlose Fragen und Wiederholungen werden die Frustrationstoleranz und die Stressresistenz des Bewerbers auf die Probe gestellt. Durch Provokationen oder gezielte Unterbrechungen schaffen sie ein Klima, das das Selbstbewusstsein des Bewerbers und seine Bereitschaft zur sachlichen Gesprächsführung herausfordern.

So könnte der Personalverantwortliche zum Beispiel den Bewerber reihenweise mit Unterstellungen oder Gerüchten bombardieren wie „Wir haben aus Ihren Unterlagen den Eindruck gewonnen, dass Sie sich aus Verlegenheit bei uns bewerben. Was sagen Sie dazu?“ oder „In Ihrer letzten Stellung wurde Ihnen ja nahe gelegt zu gehen. Warum?“ Um dann noch einen drauf zu setzen: “Es erstaunt uns, dass Sie sich trotz Ihrer mangelnden Qualifikation bei uns bewerben. Wie sind Sie nur auf diese Idee gekommen?“ Wer hier die Nerven verliert und beleidigt oder gar aggressiv reagiert, hat verloren.

Reine Stressinterviews sind glücklicherweise selten. Dafür kann es aber vorkommen, dass im gemischten Interview einzelne stressige Fragen eingestreut werden. „Vor allem, wenn Sie sich für einen Job mit enormen Leistungsdruck wie zum Beispiel im Vertrieb bewerben, sollten Sie darauf vorbereitet sein, sich berufstypischen Stressfragen stellen zu müssen“, sagt Mathias Kesting, Psychologe und Geschäftsführer von PDI, einem der großen Recruiting-Dienstleister für Personalmanager.

Um nicht ins Schwitzen zu geraten, sondern im Gegenteil, als Punktsieger aus dem Rededuell hervorzugehen, müssen Bewerber analysieren, wie die Frage hinter der Frage des Personalmanagers lautet und clever antworten.

Die Fangfragen im Überblick

Hier kommen die besten Antworten auf die 10 wichtigsten Typen von Fangfragen, mit denen sich der Wissensdurst nach Motiven der Bewerber, zur Leistungsmotivation, zum beruflichen Werdegang sowie zum persönlichen, familiären und sozialen Hintergrund, souverän stillen läßt:

1. Alternative Frage: Warum möchten Sie sich beruflich verändern? Entspricht das jetzige Gehalt nicht Ihren Vorstellungen? Oder reizt Sie bei uns das internationale Umfeld?

Darum geht´s: Der Personaler will Ihre Überzeugungen aufspüren - und er sucht keinen Mitarbeiter, der nur durch ein hohes Gehalt zu motivieren ist. Aber: Weder die eine noch die andere dargebotene Antwortvariante muss die Sachlage tatsächlich treffen. Vermutlich gibt es noch zig weitere Gründe für einen Arbeitgeberwechsel. Nennen Sie lieber einen, der sich mit dem Bedarf des neuen Arbeitgebers deckt.

Clevere Antwort: Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden auf meiner jetzigen Stelle. Mein Einsatz bei der Firma x hat gezeigt, dass ich Mitarbeiter gut motivieren kann. Der Krankenstand ist in meinem Team um 15 Prozent gesunken und die Fluktuation hat sich bei 3 Prozent eingependelt. Ich suche nach einer Herausforderung, bei der ich mich in ähnlicher Weise engagieren kann, und wünsche mir ein Umfeld, in dem ich mich selbst auch noch weiterentwickeln kann.

2. Suggestivfrage: Sie arbeiten doch lieber im Team, wie die meisten anderen auch, oder?

Darum geht´s: Diese Frageart ist eine getarnte Vermutung und scheint praktischerweise die Antwort gleich mitzuliefern. Doch Vorsicht, all zu leicht ist man in die Mainstream-Falle getappt. Erst prüfen, welche Arbeitsweise die jeweilige Stelle erfordert. 

Clevere Antwort: Das hängt ganz von der Aufgabenstellung ab. Manche Ziele lassen sich wie beim Sport nur in einer gemeinsamen Anstrengung erreichen, in dem man sich gegenseitig den Ball zuwirft. Dann wiederum gibt es Aufgaben, die man schneller und besser allein bewältigt. Das ist eine Frage der Selbstmotivation und Disziplin.

3. Triadische Fragen: Mit welchen Worten würde Ihr Lebenspartner Ihre größte Schwäche beschreiben?

Darum geht´s: Hier werden nicht anwesende Dritte wie Partner, Freunde, Kollegen oder Vorgesetzte in das Gespräch einbezogen, um weitere Charaktermerkmale wie die Fähigkeit zu Selbstkritik zu Tage zu fördern und nebenbei noch die Beziehungsfähigkeit zu ergründen.

Clevere Antwort: Das ist eine gute Frage. Mein Partner würde wahrscheinlich sagen, dass ich manchmal sehr direkt sein kann. Das stimmt auch, denn ich bringe die Dinge gern auf den Punkt. Ich habe mir aber angewöhnt, mehr zu hinterfragen und anderen mehr Zeit zu geben.

4. Provokative Frage: Man munkelt, dass Ihr derzeitiger Arbeitgeber wirtschaftliche Schwierigkeiten hat, Sie wollen also schnellstens das sinkende Schiff verlassen?

Darum geht´s: Der Personaler möchte Sie aus der Reserve locken, um Ihre Frustrationstoleranz und Ihre Loyalität zu prüfen. Wer beleidigt oder aggressiv reagiert, hat verloren!

Clevere Antwort: Sie wissen ja, dass gern über Wettbewerber geredet wird… Ich persönlich kann nichts Schlechtes über meinen Arbeitgeber sagen. Und mal ehrlich: Würde ich das tun, würde mich das aus charakterlichen Gründen für die Aufgabe in Ihrem Haus disqualifizieren.

5. Hypothetische Frage: Welchen alternativen Lebensplan können Sie sich für sich vorstellen?

Darum geht´s: Der Personaler checkt, ob der Job für Sie womöglich nur eine Übergangslösung ist.

Clevere Antwort: Ich bin in einer äußerst spannenden Branche tätig und mir sicher, dass ich auf einer Position mit persönlicher Entwicklungsperspektive wie Sie sie bieten, langfristig sehr viel positiv bewegen und somit zum Unternehmenserfolg beitragen kann. Ein alternativer Lebensplan ist daher in meinen Augen unnötig.

6. Mehrfachfragen: Als Außendienstmitarbeiter leiden Sie ja sicher nicht unter Flugangst, oder? Wie Sie wissen, legen wir besonderen Wert auf Flexibilität. Sehen Sie Probleme, auch die nordischen Länder zu betreuen? Oder würden Sie aufgrund Ihrer Sprachkenntnisse lieber die Betreuung unserer südamerikanischen Kunden übernehmen?

Darum geht´s: Uff. Nicht verwirren lassen. Diese Fragen erfordern von Ihnen hohe Konzentration und stellen Ihre Merkfähigkeit auf die Probe.

Clevere Antwort: Auf die Beantwortung von Teilfragen beschränken und zum Beispiel nur auf den Aspekt eingehen, auf den Sie am besten vorbereitet sind.

7. Situative Fragen: Beschreiben Sie eine Situation, in der Ihre Arbeit oder eine Ihrer Ideen kritisiert wurde.

Darum geht´s: Der Personalmanager will Ihre Erfahrung und Ihre Kritikfähigkeit ausloten. Auf gar keinen Fall schlechte Arbeit schildern, lieber eine schlechte Idee ankedotenhaft beschreiben.

Clevere Antwort: „Es schien damals eine gute Idee zu sein…“ und zum Schluß erläutern Sie, wie Sie die Kritik aufnahmen. Sie könnten sagen: „Ich hörte den Einwänden meines Chefs aufmerksam zu, stellte noch einige nachfassende Fragen. Gemeinsam spielten wir einige Ansätze durch und ich kam später zurück und unterbreitete meine Idee in einer praxisnäheren Form. Die Kritik meines Vorgesetzten war sehr nützlich für das Projekt.

8. Selbsteinschätzungsfragen: Bewerten Sie sich selber auf einer Skala von eins bis zehn.

Darum geht´s: Der Personaler will, dass der Bewerber sein Selbstbewußtsein und seine Selbstachtung unter Beweis stellt. Achtung: Sagen Sie zehn, werden Sie als unerträglich eingestuft, bleiben Sie unter sieben, können Sie sich auch verabschieden.

Clevere Antwort: Am besten mit acht oder neun einstufen und hinzufügen: „Es gibt immer Raum für Verbesserungen. Daher arbeite ich kontinuierlich an der Erweiterung meiner Fähigkeiten.“ Günstige Gelegenheit auf die aktuellste Fortbildung zu verweisen.

9. Spiegelfragen: Ich habe den Eindruck, dass es neben Ihrem Wunsch nach einem internationalen Umfeld zwischenmenschliche Gründe gibt, die Sie zu einem Jobwechsel veranlassen. Habe ich Recht? 

Darum geht´s: Der Personaler spiegelt  den Eindruck, den er von Ihnen gewonnen hat und erhofft sich eine Bestätigung oder Widerlegung. Aber Obacht, einen notorischen Nörgler oder Nestbeschmutzer will er nicht ins Unternehmen holen. 

Clevere Antwort: Verbessern lässt sich immer etwas, das gilt natürlich auch für zwischenmenschliche Beziehungen. Ich denke, das Wichtigste ist jedoch, dass man auf sachlicher Ebene gemeinsam daran arbeitet, gesteckte Ziele zu erreichen.

10. Unterschiedsfragen: Was unterscheidet Sie von anderen Bewerbern?

Darum geht´s: Der Personaler will wissen, wie hoch Ihre Auffassungsgabe ist und ob Sie über ein realistisches Bild vom neuen Job verfügen. Hier  dem Gesprächspartner unbedingt eine für ihn wertvolle Eigenschaft wie zum Beispiel die stark ausgeprägte Kommunikationseigenschaft servieren.

Clevere Antwort: Ich halte meine Kommunikationsfähigkeit für überdurchschnittlich ausgeprägt. Und ich kann Menschen begeistern. Das ist für den Job des von Ihnen gesuchten Vertriebsingenieurs von enormen Vorteil. Denn ich begegne potenziellen Kunden nicht nur fachlich auf Augenhöhe, ich schaffe es auch, überdurchschnittliche Geschäftsabschlüsse zu erzielen, was sich für das Unternehmen sofort in barer Münze bemerkbar macht.

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