Recruiting IT-Branche Aussicht auf Weiterbildung lockt Entwickler

Deutsche Unternehmen tun sich schwer bei der Suche nach Entwicklern. Mehr als 40 Prozent können ihre offenen Stellen nicht besetzen.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Aussicht auf Weiterbildung lockt Entwickler

Entwickler 2

Foto: REDPIXEL / Fotolia.com

In den IT-Abteilungen der deutschen Unternehmen bleiben viele Schreibtische verwaist. Mehr als 40 Prozent aller Unternehmen suchen nach Entwicklern jeglicher Couleur – finden aber keine. Das ist das Ergebnis des aktuellen IT-Recruiter-Reports von Stack Overflow, einer Plattform für Entwickler und Programmierer mit rund 50 Millionen Mitgliedern.

Demnach suchen Unternehmen in Deutschland – unabhängig von der Branche – vor allem Full-Stack-Webentwickler Java: 47,1 Prozent der Firmen brauchen diese eierlegenden Wollmilchsäue, die nicht nur Back-, sondern auch Frontend perfekt programmieren können. Also das, was der Kunde vorne sieht, zum Beispiel die Website, und das, was der Mitarbeiter des Unternehmens mit Inhalten füllt.

Spezialisten gesucht

Doch auch die Einzelspezialisten sind gefragt: Wer schon keinen findet, der beides beherrscht, braucht eben zwei Profis – einen fürs Backend (43,87 Prozent suchen Webentwickler Backend) und einen fürs Frontend (37,42 Prozent).

Auch Cloud-Experten sind bei gut einem Viertel der Betriebe gefragt. Schließlich will jeder seine eigene, kleine, sichere Wolke. Die gute Nachricht: 64 Prozent der Entwickler in Deutschland bezeichnen sich als Webentwickler. Nur: Auf Jobsuche sind davon lediglich neun Prozent.

"Es ist eine Herausforderung, die richtigen Entwickler schnell zu finden und zu binden – unsere Projektlast ist hoch und wir würden gern noch viel mehr einstellen", bestätigt Romy Stolz. Sie ist für das Recruiting bei der PSI Software AG zuständig und eine der von Stack Overflow befragten IT-Recruitern und HR-Profis.

Für den Report standen Personalexperten wie Stolz Rede und Antwort, wie sie nach den heißbegehrten Entwicklern suchen und auf welchen Wegen sie dabei Erfolg haben. Gleichzeitig wurden die Entwickler, die sich auf der Plattform tummeln, befragt, worauf sie bei einem Arbeitgeber Wert legen und mit welchen Methoden Recruiter bei ihnen Erfolg haben – oder auch nicht. Aus den Antworten beider Parteien lässt sich ableiten, was Unternehmen tun müssen, um erfolgreich nach Kandidaten für ihre Vakanzen zu suchen.

Spezielle IT-Recruiter wissen worauf geachtet werden muss

Jobbörsen sind jedenfalls nicht sonderlich effektiv, wie der Report belegt. Nur 14 Prozent der Entwickler haben ihren derzeitigen Job über Jobbörsen gefunden. Und noch etwas entmutigendes für Unternehmen auf der Suche: Laut Stack Overflow-CEO Joel Spolsky haben sich die besten Entwickler der Welt in ihrem ganzen Leben nur viermal auf einen Job beworben. Sich zurückzulehnen und zu warten, bis Bewerbungen auf die Stellenanzeige im Netz eingehen, kann sich also niemand leisten – auch Unternehmen mit einem tollen Image nicht.

Grundsätzlich sollten diejenigen, die nach IT-Spezialisten suchen, auch spezielle IT-Recruiter sein. Sonst laufen Betriebe Gefahr, dass Personaler stur nach Lebenslauf gehen und entscheiden: "Gesucht war ein Full-Stack-Webentwickler Java, also genügt ein Full-Stack-Webentwickler nicht den Anforderungen."

Tatsächlich setzen mittlerweile über die Hälfte aller befragten Unternehmen spezielle IT-Recruiter ein, die sich ausschließlich mit der Suche von Entwicklern befassen. So sagt auch Edda Rettinger, Head of Active Sourcing & Partner Management, bei der Swisscom AG: "Bei Swisscom ist jeder und jede Talent Acquisition Manager auch IT-Recruiter beziehungsweise Recruiterin."

Aber auch wenn die Personaler genau wissen, wen sie suchen und interessante Kandidaten nicht wegen eines Tippfehlers in der Bewerbung aussortieren, gibt es Fettnäpfchen. Nämlich bei der Kontaktaufnahme zu den IT-Profis, die wie gesagt, nicht auf Jobsuche sind. Gefragt danach, wie sie angesprochen und umworben werden möchten, sagten die Entwickler gegenüber Stack Overflow, dass sie am liebsten per E-Mail (53 Prozent) angesprochen werden. Karriereportale wie Xing oder LinkedIn halten nur 24 beziehungsweise 17 Prozent für einen guten Weg der Kontaktaufnahme.

Und nur 13 Prozent werden gerne von Headhuntern angerufen. 53 Prozent sagen sogar, dass sie diese Art der Kontaktaufnahme hassen. Wenn Personaler aktiv auf mögliche Kandidaten zugehen wollen, dann also am besten nicht per Telefon.

66,3 Prozent der befragten Entwickler gaben an, sich unterbezahlt zu fühlen. Im Zweifelsfall können Unternehmen einzelne Kandidaten also mit einem fürstlichen Gehalt von sich überzeugen. Denjenigen, die sich das nicht leisten können, sei aber gesagt: das Gehalt steht auf der Prioritätenliste der meisten Entwickler erst auf Platz vier.

Gefragt danach, worauf sie bei der Bewertung einer Stelle achten, sagten die Entwickler:

1. fachliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten

2. Programmiersprachen, Frameworks und Technologien, mit denen sie arbeiten werden

3. das Büro, von dem aus sie arbeiten würden

4. das Gehalt und die Zusatzleistungen

5. der Projektmanagementstil des Unternehmens

Internationale Ausrichtung

Wer in all diesen Punkten überzeugen kann, muss eigentlich nur noch eines tun: darüber reden. Doch beim Arbeitgeberimage tun sich die Unternehmen schwer, wie der Report zeigt. 96 Prozent der Entwickler sagen, ein gutes Arbeitgeberimage ist ihnen wichtig, 76 Prozent davon sagten sogar, es sei ihnen sehr wichtig. "Employer Branding – das bedeutet schlicht und einfach: zunächst mal ein guter Arbeitgeber für Entwickler werden – und dann möglichst viel darüber reden. Gerade weil Entwickler ein Überangebot an Jobs erhalten ist es wichtig, seine Arbeitgebermarke herauszustellen und im Wettbewerb zu überzeugen", bestätigt Stefan Schwarzgruber, der bei Stack Overflow für den deutschsprachigen Raum zuständig ist.

Und: wer im Wettbewerb als Arbeitgeber herausstechen möchte, sollte nicht nur auf der schwäbischen Alb nach Entwicklern suchen, sondern international. Tatsächlich suchen jedoch nur 14 Prozent der Unternehmen EU-weit und nur 24 Prozent international. Außerhalb Deutschlands sind besonders die kleinen Unternehmen mit unter 250 Mitarbeitern auf Suche. Und sind nicht-deutschsprachigen Kandidaten gegenüber offener als in größeren Betrieben. 26 Prozent der größeren Unternehmen haben Englisch als Teamsprache, um für Entwickler aus der ganzen Welt attraktiv zu sein. Dagegen heißt es bei 44 Prozent der kleineren Unternehmen "We speak English".


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de




Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...