Recruiting Headhunter: Jagdfieber wecken

Wer nicht länger auf den Anruf eines Headhunters warten will, kann sich selbst ins Spiel bringen. Der Einsatz lohnt sich – vorausgesetzt, die Wechselwilligen machen alles richtig.

Massimo Bognanni | , aktualisiert

Headhunter: Jagdfieber wecken

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Es geht zu, wie bei einer Kuppelshow: Da ist der Konzern, der Single. Er ist auf Brautschau, sucht eine passende Arbeitskraft. Natürlich sucht er nicht irgendeine. Kompetent soll sie sein und Berufserfahrung haben. Leider hat er keine Zeit, um sich selbst um die Idealbesetzung zu kümmern. Hier kommt der Headhunter ins Spiel. Er sucht nach passenden Kandidaten fürs feste Verhältnis.

Auf die inneren Werte kommt es an

Doch was, wenn der Kuppler nicht auf einen aufmerksam wird? Dann sollte man sich bei ihm bewerben. Äußerlichkeiten zählen dabei nicht, auf die inneren Werte kommt es an. Um im Bild zu bleiben: Ein Mauerblümchen ist Sophie Möller (Name von der Redaktion geändert) nicht. Schon zwei Mal ist ihr gelungen, worauf viele ihr Berufsleben lang warten: Sie wurde von Headhuntern in attraktive Jobs vermittelt. Allerdings überließ sie diesen Erfolg nicht dem Zufall: Mit ihrer Initiativbewerbung brachte sie sich selbst geschickt bei Personalberatern ins Spiel: Nach ihrem Wirtschaftsstudium stieg Möller zunächst bei einem US-Konzern ein, sammelte Berufserfahrung und erwarb nebenbei den MBA. Ihre Abschlussarbeit hatte die Arbeitsweise von Headhuntern zum Thema. Dazu befragte Möller zahlreiche Personalberater persönlich. Anschließend nutzte sie die günstige Gelegenheit: „Ich ließ ihnen außer den Studienergebnissen auch meinen Lebenslauf zukommen.“

 



Persönliche Kontakte zahlen sich aus


Diese persönlichen Kontakte zahlten sich prompt aus: Nach nur wenigen Wochen klingelte bei Möller das Telefon, und eine Headhunterin von einer der Top-10-Personalberatungen bot ihr eine Führungsposition bei einer Filmproduktionsgesellschaft an. Drei Jahre später ergab sich für Möller, wiederum über einen Personalberater, erneut die Chance, eine Sprosse höher auf der Karriereleiter zu klettern: Sie übernahm die Leitung eines Geschäftsbereichs einer Aktiengesellschaft. Heute ist die 38-Jährige Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens der Bekleidungsindustrie.

Im Visier der Jäger

Wie Möller wollen viele ambitionierte Kräfte nicht warten, bis sich ein Headhunter bei ihnen meldet – sie rücken sich selbst ins Visier der Jäger. So gehen beim Branchenprimus Kienbaum Executive Consultans jedes Jahr unaufgefordert 5 000 Bewerbungen ein, schätzt Vice President Wolfgang Lichius. Die Gummersbacher Berater bearbeiten jedes Dokument – egal, ob angefordert oder nicht.

Bei kleinen Beratungsunternehmen spielen Initiativbewerbungen ebenfalls eine wichtige Rolle. Die auf Banken spezialisierten Berater von Indigo Headhunters zum Beispiel fischen jede Woche 20 unaufgeforderte Bewerbungsmappen aus ihrem Briefkasten, bei der sich auf PR-Profis konzentrierenden GK Personalberatung sind es 100.

Die Initiativbewerbungen sind bei den Headhuntern insgesamt gern gesehen, denn das Geschäft der Personalberater brummt wie schon seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. „Für 2007 rechnen wir mit über 60 000 Vermittlungen“, sagt Klaus Reiners. Er ist Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). Im Jahr 2006 waren es nur 58 000 Stellen, die von Headhuntern mit neuen Kräften besetzt wurden. weiter...


Wegen der steigenden Nachfrage gestaltet es sich für die Vermittler teilweise schwierig, ihren Auftraggebern geeignete Kandidaten zu präsentieren. Da freuen sich die Berater über jeden geeigneten Bewerber, der ihnen vor die Flinte gerät. Schließlich geht’s für sie ums Geld. „2006 verfehlten die Personalberater mit einem Umsatz von 1,15 Milliarden Euro nur knapp den Rekord der Jahrtausendwende. In 2007 sind die Umsätze nochmals deutlich gestiegen“, sagt Reiners.

Vom Vermittlungsboom profitieren

Um vom Vermittlungsboom bei den Headhuntern zu profitieren, brauchen Bewerber zwei bis drei Jahre Berufserfahrung und eine gefragte berufliche Spezialisierung. „Momentan sind Ingenieure und Systeminformatiker besonders gefragt“, sagt Kienbaum-Manager Wolfgang Lichius. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Mitarbeiter mit Vertriebs- und Marketingqualitäten. Auf diesen Berufszweig entfallen etwa ein Drittel der Suchaufträge. Die Aufträge für die Suche nach Unternehmensleitern machen etwa 20 Prozent der Auftragseingänge aus. Stark gefragt sind zudem Finanzspezialisten.

 





Trotz der guten Auftragslage haben Einsteiger, die direkt von der Uni kommen, schlechtere Karten bei den Personalberatern. „Absolventen sollten sich in der Arbeitswelt zunächst Sporen verdienen, bevor sie sich für höhere Positionen bewerben. Bei 40 bis 45 Berufsjahren ist diese Zeit gut investiert“, sagt Thomas Rübel, Karriereberater beim Berliner Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader.

Auf Kundenwunsch auch für Einsteiger

Natürlich gebe es auch Ausnahmen, etwa Absolventen mit besonderen Auslandsaufenthalten und Sprachkenntnissen oder überzeugenden Doktorarbeiten. Vor allem bei kleineren Headhuntern haben solche Berufseinsteiger durchaus Chancen auf Vermittlung. „Auf Kundenwunsch vermitteln wir auch Einsteiger, diese sollten jedoch interessante Praktika oder branchenspezifische Weiterbildungen absolviert haben“, sagt Tim Zühlke, Partner von Indigo Headhunters.

Wer an die Jobs in der Headhunter-Datenbank gelangen will, sollte zunächst selbst auf die Suche gehen – und zwar nach dem richtigen Personalvermittler. In Deutschland gibt es rund 1 900 Personalberatungsunternehmen. Die Bandbreite reicht vom Einzelkämpfer bis hin zum Consultingkonzern. Um erfolgreich auf sich aufmerksam zu machen, sollte der Bewerber nicht nach dem Gießkannenprinzip verfahren. „Bewerber, die ungezielt zahlreiche Headhunter anschreiben, gehen fahrlässig mit ihrer eigenen und der Zeit des Beraters um. Das macht keinen guten Eindruck“, sagt Karriereberater Rübel. Der Experte empfiehlt Jobsuchenden, sich zunächst telefonisch beim Personalberater ihrer Wahl vorzustellen. „Auf diese Weise kann der Bewerber sich vergewissern, dass der Headhunter seinen Bedürfnissen entspricht“, sagt Rübel. Außerdem erhalten er und sein Vermittler in spe einen ersten – möglichst positiven – Eindruck voneinander.

Seriösität prüfen

Bevor er seine Mappe versendet, sollte ein Bewerber auf alle Fälle die Seriosität eines Beratungsunternehmens prüfen. Denn „auf dem Markt tummeln sich auch schwarze Schafe: Nicht jeder Berater geht gewissenhaft mit vertraulichen Daten um“, berichtet Sophie Möller, die sich vor ihrer Initiativbewerbung eingehend über den Beratermarkt informiert hat. Wird eine Bewerbung zu früh öffentlich, könnte das einen Wechselwilligen die Reputation, im schlimmsten Fall sogar seinen aktuellen Job kosten – wenn nämlich der eigene Arbeitgeber der Auftraggeber des Headhunters ist.

Ein Indiz für die Seriosität eines Beraters bietet die Mitgliederliste des BDU, an der sich auch Möller orientiert hat. Die hier gelisteten 80 Unternehmen sind mindestens fünf Jahre am Markt tätig. „Bevor wir ein Unternehmen in unseren Verband aufnehmen, holen wir Kundenreferenzen ein, lassen uns Projektbeispiele zeigen und interviewen die Berater“, sagt Klaus Reiners vom BDU. Jedes Mitgliedunternehmen verpflichtet sich, nach den BDU-Berufsgrundätzen zu arbeiten. Hierzu zählt auch der sorgsame Umgang mit vertraulichen Bewerberdaten. weiter...

Über die Informationen des Berufsverbandes hinaus, gibt es im Internet kommerzielle Headhunter-Portale, wie www.placement24.com, www.executivebase.com oder www.consultants.de. Die Nutzung solcher Portale ist für Jobsuchende kostenpflichtig. So bietet consultans.de 150 Headhunter-Adressen für 50 Euro, das Premiumangebot von executivebase.com kostet 90 Euro im Jahr. „Bei diesen Anbietern im Web ist Vorsicht geboten“, warnt Verbandssprecher Reiners naturgemäß. „Diese Portale nehmen jeden Berater auf, der bezahlt. Spezielle Aufnahmekriterien gibt es dort nicht“, so der BDU-Sprecher.

 





Headhunter unter Zeitdruck

Auf dem Weg zum Traumjob ist die Wahl des richtigen Personalberaters nur die erste Hürde. Auch die Bewerbung muss stimmen. Anders als bei einer direkten Bewerbung beim Unternehmen fallen Formalitäten wie Bewerbungsmappe und Layout beim Headhunter nicht so stark ins Gewicht, erklärt Karriereberater Thomas Rübel. „Headhunter stehen oft unter Zeitdruck. Sie wollen in einem kurzen Anschreiben möglichst unkompliziert die beruflichen Qualifikationen des Bewerbers erfahren“, weiß der Experte. Das Anschreiben und ein kurzer Lebenslauf reichten deshalb fürs Erste – Arbeitszeugnisse könnten auf Anfrage nachgereicht werden. Auch eine anschauliche Beschreibung der bisherigen Tätigkeiten kann den Bewerber einen Schritt näher Richtung Traumjob bringen. „Der Berater sollte mit dem Bewerber Bilder assoziieren, die er im Kopf schon einmal seinen Auftraggebern zuordnen kann“, meint Rübel.

Nicht nur der Blick zurück, auch eine anschaulich dargestellte Zukunftsperspektive ist von sehr großer Bedeutung. „Es sollte schnell erkennbar sein, welchen Job der Bewerber im Auge hat und warum er für die angestrebte Position geeignet ist“, rät Kienbaum-Partner Wolfgang Lichius. Im Bewerbungsschreiben bevorzugt er einen sachlichen Stil, mehr als zwei Seiten seien nicht erforderlich. Zu häufige Jobwechsel und schlechte Englischkenntnisse sind für Lichius hingegen klare K.o.-Kriterien, solche Bewerber haben keine Chance.

Auf die Blindbewerbung folgt das Warten

Jobsuchende müssen meist Geduld mitbringen, bis sich eine passende Stelle findet. Dabei sollten sie nicht vergessen, dass nicht sie der Kunde des Personalberaters sind, sondern die Unternehmen, die ihn engagieren. Ständige Nachfragen beim Vermittler bringen daher nichts, sie verärgern den Berater eher, anstatt ihn zu überzeugen.

Die Erfolgsaussichten der Initiativbewerbungen beim Headhunter hängen von den Qualifikationen des Bewerbers, aber auch von der Branche, ab. Bei dem Frankfurter Personalberater für Unternehmenskommunikation, GK Personalberatung, wird jeder Dritte unaufgeforderte Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Häufig mit Erfolg: So hat sich bei dem Unternehmen eine Journalistin blind beworben, die perfekt auf eine vakante Stelle passte. Sie wurde Pressechefin eines internationalen Unternehmens. Bei Kienbaum Executive Consultans ist die Erfolgsquote der Initiativbewerber hingegen „sehr gering“, sagt Wolfgang Lichius. Dies liege vor allem daran, dass der Anteil derer, die zum Jobwechsel gezwungen seien, unter den Initiativbewerbern höher liege.

Sophie Möller hat ihre Chance jedenfalls geschickt genutzt. Durch ihre Eigeninitiative hat sie sich für die Job-Kuppler attraktiv gemacht. Dabei hat die erfolgreich vermittelte Managerin Gefallen an der Headhunter-Branche gefunden – und kann sich sogar vorstellen, die Seiten zu wechseln. „Heiratsvermittlerin zwischen Unternehmen und Bewerbern sein? Warum eigentlich nicht.“ So bewerben Sie sich beim Headhunter...

So bewerben Sie sich beim Headhunter



Umfang:
Vielen Personalberatern genügt eine Bewerbung mit Anschreiben und Kurzlebenslauf plus Foto. Andere möchten eine vollständige Mappe inklusive Zeugnissen oder erwarten, dass Kandidaten ein Online-Formular ausfüllen. Welche dieser Varianten erwünscht ist, am besten telefonisch abklären.

Ansprechpartner:
Erfragen Sie zunächst, welcher Personalberater eines Hauses für Ihre Branche zuständig ist. Beginnen Sie Ihr Anschreiben dann mit einer persönlichen Ansprache und nicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren“.

Betreff:
Sie wollen sich selbst ins Spiel bringen? Dann gehört das schon in die Betreffzeile: „Initiativbewerbung als Marketingleiter“. Eigenwerbung: In das Anschreiben gehört hinein, in welcher Branche und Position Sie gerne unterkommen möchten, etwa als Vertriebsingenieur oder IT-Berater. Dazu Werbung in eigener Sache: Was qualifiziert Sie für die Position? Welche Erfolge haben Sie erzielt?

Gehaltsvorstellung:
Eine Gehaltsangabe wird erwartet. Allerdings: Pokern Sie zu hoch, sind Sie aus dem Rennen. Verlangen Sie zu wenig, signalisiert das geringes Selbstvertrauen. Am besten Gehaltsspanne nennen.

Kündigungsfrist:
Oft muss eine Stelle schnell neu besetzt werden. Deshalb gehört die Kündigungsfrist mit ins Anschreiben, etwa so: „Meine Kündigungsfrist beträgt sechs Monate. Erfahrungsgemäß lässt mein Arbeitgeber jedoch mit sich handeln.“

(22.5.2008)

 





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