Recht Die erste gemeinsame Wohnung

Die erste gemeinsame Wohnung - das bringt auch neue Rechte und Pflichten mit sich. Zwar sind Verträge nicht der Gipfel der Romantik, aber häufig notwendig. Versicherungen, Erbschaften, Möbel: Wir erklären Ihnen, wie sich Paare absichern sollten.

Ulrike Heitze | , aktualisiert

Zu dir oder zu mir? Was am Anfang einer Beziehung noch prickelnde Abwechslung verspricht, kann einem nach ein paar Monaten oder sogar Jahren Pendelei ziemlich auf den Keks gehen. Viele Pärchen wagen sich deshalb, sobald das Studium und der Jobstart gut abgehakt sind, an das Experiment der ersten gemeinsamen Wohnung. Junge Karriere hat mal zusammengestellt, welche Rechte und Pflichten sich - auch ohne Trauschein - durchs Zusammenziehen ergeben, wo sich sparen lässt und wann Pärchen besser Vereinbarungen treffen sollten, damit das gemeinsame Leben gut läuft.

Verträge mit dem Partner zu schließen ist zwar sicher nicht der Gipfel der Romantik. Da einem als unverheiratetes Paar aber der regulierende Rahmen des Eherechts fehlt, kann es sinnvoll sein, die eine oder andere Absprache zu treffen. Sinnvoll per Vertrag festzuzurren sind so schwergewichtige Themen wie Krankheit, Alter, Tod, gemeinsame Anschaffungen, Schulden und der Nachwuchs. Verträge mit dem Partner benötigen in der Regel keine besondere Form. Schwarz auf weiß mit zwei Unterschriften sollte es aber schon sein, so lässt sich die Vereinbarung später besser nachweisen. Nur wenn es um Immobilien oder testamentarische Regelungen geht, ist ein Notar hilfreich, teilweise sogar nötig.

Gegenseitige Vollmachten können den Alltag einfacher machen. Denn trotz des gemeinsamen Lebens ist man, rein rechtlich, nicht verbandelt und darf manche Geschäfte nicht füreinander erledigen. Eine Postvollmacht etwa hilft bei gewissen Einschreiben, eine Bankvollmacht bei den Konten.

Beim Finanzamt haben Paare ohne Trauschein ganz schlechte Karten: Sie werden trotz gemeinsamer Bleibe behandelt wie Singles, landen in der teuren Steuerklasse I und profitieren nicht von so praktischen Erfindungen wie Ehegattensplitting oder doppelten Freibeträgen. Pech gehabt.

Im Krankenhaus hat der Partner grundsätzlich keinen Anspruch auf Infos oder irgendeine Entscheidungsgewalt, wenn der andere behandelt werden muss. Das wird zwar nicht mehr so streng gehandhabt wie früher, aber weitreichende Entscheidungen wird man so ohne weiteres nicht treffen dürfen. Deshalb sind gegenseitige Vollmachten für den Krankheitsfall, Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten gerade für unverheiratete Paare eine gute Idee.

Als Bedarfsgemeinschaft gilt ein Paar, sobald es unter einem Dach lebt. Wenn ein Partner auf einkommens- oder vermögensabhängige Leistungen vom Staat wie HartzIV oder Sozialhilfe angewiesen ist, werden ab dann auch die finanziellen Möglichkeiten des anderen unter die Lupe genommen. Hat der genug Gehalt oder Vermögen, kann er dazu verpflichtet werden, den anderen mit durchzufüttern, inklusive Krankenversicherung. Als kleine Wiedergutmachung darf der unterstützende Partner seine Ausgaben teilweise als außergewöhnliche Belastung absetzen.

Zieht ein Partner beim anderen ein, so muss der Vermieter zwar informiert werden, er darf den Zuwachs aber nicht ablehnen, solange nicht gravierende Gründe dagegen sprechen. Einen Anspruch, dass er dann als Mieter in den Mietvertrag aufgenommen wird, hat der Zugezogene allerdings nicht, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. "Darauf müssen sich alle Beteiligten erst einigen." Der Vorteil gemeinsamer Mietverträge ist, dass beide Partner die gleichen Rechte an der Wohnung und gegenüber dem Vermieter haben. Der Vermieter kann gesamtschuldnerisch von jedem die gesamte Miete verlangen. "Sollte ein Partner mal im Streit ausziehen, so kann ihn der Vermieter trotzdem noch komplett zur Kasse bitten, falls der Verbleibende nicht zahlt", erklärt Ropertz. Steht nur ein Partner als Mieter im Vertrag, so hält auch nur er gegenüber dem Vermieter den Kopf für alles hin. Der andere ist fein raus, hat aber wenig zu sagen und ist abhängig von seinem Kompagnon. Regelt ein Paar in diesem Fall die Details zum Zusammenleben in einem Untermietvertrag, ist von vornherein klar, wer ausziehen muss, wenn es kracht.

Die Möbel, die jeder beim Zusammenziehen mitbringt, bleiben Eigentum des ursprünglichen Besitzers. Platzt die Beziehung, kann er oder sie also alle Möbelstücke ohne weiteres mitnehmen. Um Streitereien zu verhindern, hilft es auch hier, eine Liste anzufertigen über die Dinge, die beide Seiten beim Einzug mitbringen. Gemeinsam angeschaffte Geräte und Möbel gehören grundsätzlich beiden zu gleichen Teilen. Geht man auseinander, muss man sich einigen, wer was mitnehmen darf. Oder bei jeder Anschaffung die erstellte Liste erweitern.

Um die Altersvorsorge muss sich jeder Partner selbst kümmern, gegenseitige gesetzliche Rentenansprüche gibt's nur mit dem Trauschein. Für zwei berufstätige, finanziell ebenbürtige Partner ist das meistens kein Problem. Probleme können auftauchen, wenn ein Partner ganz oder zeitweise mit dem Job aussetzt, um zum Beispiel den Nachwuchs zu betreuen, und sich in dieser Phase nicht selbst vorsorgen kann. Dann hilft ein Partnerschaftsvertrag. Der regelt, wie das Paar die Vorsorgelücke zum Beispiel über eine private Rentenversicherung oder einen Fondssparplan auffangen will.

Bei Erbschaften gelten unverheiratete Paare als das, was sie rechtlich sind: Singles. Der Partner taucht weder in der gesetzlichen Erbfolge auf, noch hat er Anspruch auf Pflichtteile. Paare ohne Trauschein können sich nur per Testament oder Erbvertrag etwas hinterlassen. Der Haken: Sie gelten bei der Steuerklasse und den Freibeträgen wie jeder x-beliebige Nichtverwandte und zahlen je nach Hinterlassenschaft 30 bis 50 Prozent Steuern (Eheleute: sieben bis 30 Prozent) und haben nur einen winzigen Freibetrag von 20000 Euro. Zum Vergleich: Bei Ehepaaren sind es 500000 Euro.

Versicherungen nach dem Umzug zusammenzulegen kann viel Geld sparen. Das geht nicht bei allen Policen. Absicherungen gegen Berufsunfähigkeit oder fürs Alter bleiben Sache des Einzelnen. "Aber bei Haftpflicht, Hausrat oder Rechtschutz reicht eine Police für beide", sagt Versicherungsexperte Helge Kühl. Um auf eine gemeinsame Versicherung umzustellen, müssen aber beide Partner unter derselben Adresse gemeldet sein. Beim Zusammenlegen bleibt immer die ältere Police bestehen, so das Übereinkommen der Versicherungsunternehmen, während die jüngere auf Kulanz abgewickelt wird.

Bei einer Haftpflichtversicherung muss ein Paar nach dem Zusammenziehen beachten, dass wegen der neuen häuslichen Gemeinschaft gegenseitige Personen- oder Sachschäden in der Regel nicht mehr übernommen werden. Diese Lücke lässt sich zumindest für Personenschäden über die Zusatzklausel "Regressansprüche" ein bisschen kitten. Sie wird allerdings nur von wenigen Versicherungen angeboten

Bei der Hausratversicherung muss man sich nach dem Umzug auch dann melden, wenn beide Versicherungen bestehen bleiben sollen. Sie müssen auf das Zusammenleben, die neue Adresse und Wohnungsgröße umgestellt werden. Macht man das nicht, gibt es im Schadensfall nur einen Bruchteil oder gar nichts.

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