Ratgeber Was erwartet mich im Assessment-Center?

Kaum ein Auswahlverfahren ist so gefürchtet wie das Assessment-Center. Doch wie läuft der Test ab? Welche Aufgaben werden den Bewerbern gestellt? Und was gilt es bei der Vorbereitung zu beachten?

Tina Groll / Zeit.de | , aktualisiert

Assessment-Center sind sehr verbreitet. Jedes zweite große Unternehmen veranstaltet sie, um künftige Trainees oder ambitionierte Einsteiger für Akademikerstellen zu rekrutieren. Zumeist laufen die Tests nach einem gängigen Schema ab – kein Wunder, dass es vor Ratgeberliteratur und Beratern wimmelt, die sich nur auf die Vorbereitung für die sogenannten ACs spezialisiert haben. Wer an dem Job wirklich interessiert ist, kommt um eine gründliche Vorbereitung nicht herum. Übertriebenes Engagement kann aber auch schaden, ebenso Schauspielerei und unglaubwürdige Selbstdarstellung, wie viele Personaler großer Unternehmen bestätigen.

Wer es schafft, zum AC eingeladen zu werden, kann schon stolz auf sich sein. Die Tests sind in der Regel sehr zeit- und kostenintensiv, sodass die Firmen nur einige ausgewählte Bewerber einladen. ACs können einige Tausend Euro kosten. Grund genug, sehr motiviert zu sein: Für die Teilnehmer an einem AC ist der Job schon ein Stückchen näher gerückt.

Gute Vorbereitung

Vor der Anreise zum Test sollte eine gründliche Recherche über das Unternehmen stehen. Die Bewerber sollten Bescheid wissen über die Geschichte des Unternehmens, über maßgebliche Personen, wichtige Produkte und die strategischen Ziele der Firma. Marktposition, Mitbewerber, Kundenstruktur, Auslandsmärkte, Wachstumsfelder, Aktienkurse, Leitbild und Firmenphilosophie gehören ebenso mit dazu. Diese Informationen finden sich auf der Firmenwebsite, in den Imagebroschüren und bei Verbänden der Branche.

Hilfreich ist es auch, mit Mitarbeitern aus dem Unternehmen zu sprechen. Einsteiger haben vielleicht Kommilitonen, die bereits an einem AC teilgenommen haben und Informationen über die Aufgaben geben können. Fündig wird man natürlich auch in Internetforen.

Es ist erlaubt, in der Personalabteilung nachzufragen. Manche Unternehmen teilen dies den ausgewählten Kandidaten in der Einladung mit und einige nennen sogar Übungsaufgaben, andere sind zurückhaltender. Für den Tag des Eignungstests gilt prinzipiell alles, was auch für ein normales Vorstellungsgespräch zutrifft. Die Kleidung und das Auftreten sollten dem Anlass und der Position, um die man sich bewirbt, angemessen sein. Aufregung ist ganz normal und gehört dazu – übergroße Angst schadet aber, ebenso wie demonstrative Lockerheit. Ansonsten gilt: natürlich bleiben. Über den Zeitraum von mehreren Stunden oder sogar Tagen schaffen es sowieso nur die wenigsten, sich komplett zu verstellen.

Mehrere Beobachter

Durchschnittlich acht bis zwölf Bewerber nehmen an einem Eignungstest teil. Oft geht es dabei um mehrere offene Stellen. Von der Unternehmensseite aus gibt es häufig mehrere Beobachter, Mitarbeiter der Personalabteilung sowie Verantwortliche aus dem Unternehmen, die in dem Bereich eine Führungsposition inne haben, für den es offene Stellen gibt. In seltenen Fällen haben die Firmen auch einen internen oder externen Psychologen oder Coach mit dabei, der das AC moderiert.

Ziel des Tests ist es, die einzelnen Bewerber in solchen Situationen zu erleben, die relevant für die Position sind – und unter den stressigen Laborbedingungen, die im AC herrschen. Darum gibt es eine Reihe konkreter Aufgaben, die der Arbeitssituation im Alltag entsprechen. Auch Fachwissen wird abgefragt. Die Bewerber sollten in der Lage sein, zu erkennen, was Ziel der jeweiligen Aufgabe ist. Und sie müssen sich bewusst sein, dass ihr Verhalten von den Personalern auch auf die Fragen interpretiert wird: Passt der Bewerber zur Firma, ist er oder sie konfliktfähig, arbeitet er oder sie effizient und stressresistent?

Je nach individueller Leistung können die Kandidaten untereinander verglichen werden. Wird sogar ein neues Team zusammengestellt, kann in dem AC geprüft werden, wie gut die einzelnen Bewerber zusammenarbeiten. Auch zeigt sich, wer ein guter Teamplayer ist, wer eher Einzelkämpfer ist, wer Verantwortung übernimmt oder eine ausgleichende Rolle in der Gruppe einnimmt. Dabei ist den Personalern bewusst, dass während des Tests auf den Bewerbern ein immenser Druck liegt.

Kommunikationsfähigkeit wird geprüft

Die Kriterien, nach denen beurteilt wird, hängen von der zu besetzenden Stelle und der Schwerpunktsetzung des Unternehmens ab. Die Bewerber werden häufig auf ihre Fähigkeiten im Service- oder Kommunikationsbereich getestet, je nach Branche auch auf ihre Verkaufsstrategien. Eventuell gehen die Recruiter noch einmal auf das fachliche Profil des Jobanwärters ein.

Der Klassiker unter den AC-Aufgaben ist die Postkorb-Übung. Der Kandidat erhält eine Liste mit Aufgaben sowie eine Einschätzung, wie lange jede Aufgabe dauern wird – und ein "Zeit-Budget". Nun sollen diese Aufgaben nach Wichtigkeit geordnet werden. Der Zeitrahmen ist so gesetzt, dass nicht alles geschafft werden kann. Manchmal stehen auch private Verpflichtungen in den Aufgaben. Es muss also sehr gut priorisiert werden. Anhand der Übung zeigen die Kandidaten, wie sie sich und ihren Workflow organisieren und strukturieren – und auch, wie realitätsnah sie sind. Kniffelig sind hier Aufgaben wie "Kind abholen" und "Meeting mit dem Chef".

Kurze Vorstellung

Ein weiterer Klassiker ist die Selbstpräsentation. Bei dieser Aufgabe hat der Bewerber meist ein Kurzreferat über sich selbst zu halten. Meist bekommt der Kandidat zehn Minuten Zeit, in denen er über sich selbst sprechen soll, seine Stärken und Schwächen skizziert. Wer über jobrelevante Erfahrungen spricht, die eigenen Stärken angemessen betont und ein wenig aus der eigenen Biografie erzählt, ist auf der sicheren Seite. Wichtiger als der Inhalt ist zumeist die Art und Weise der Präsentation: Ist das Erzählte strukturiert, wie ist die Mimik und Gestik, wie die Rhetorik des Bewerbers? Steht ein Flipchart oder ein Projektor bereit, sollten diese auch verwendet werden.

Neben Einzelaufgaben gibt es auch Gruppenarbeiten, zum Beispiel Rollenspiele. Die Bewerber werden beispielsweise in die Rolle eines Personalverantwortlichen hineinversetzt, der einem Mitarbeiter eine Verwarnung oder Kündigung mitteilt. Oder sie spielen einen Vertriebsmitarbeiter, der einen schwierigen Kunden überzeugen muss. Für die Rollen gibt es zumeist nur eine sehr kurze Vorbereitungszeit, dann werden die Situationen gemeinsam mit einem Mitbewerber durchgespielt.

Verhalten im Team

Wichtig dabei ist, nicht in Stereotypen wie "strenger Chef", "mitfühlender Chef" oder auch "Büromonster", zu verfallen, sondern so zu agieren, wie es dem eigenen Charakter entspricht.
Zur Gruppenarbeit gehören auch Gruppendiskussionen zu einem bestimmten Thema. Auch bei dieser Aufgabe zeigt sich das Verhalten der Bewerber im Team. Wer versucht, durch eine große Anzahl logischer Argumente zu überzeugen, wer hört zu und versucht, Harmonie herzustellen, wer schlägt Kompromisse vor und wer agiert als Diskussionsleiter?

Wichtig zu berücksichtigen ist: Keine Rolle gilt als besonders "gut". Jemand, der ausgleichend argumentiert, ist genauso fähig wie jemand, der in der Gruppenaufgabe die Führungsrolle übernimmt. Am Ende entscheiden die Personaler entsprechend der zu besetzenden Stelle. Wer sich im AC als Führungspersönlichkeit darstellt, könnte schlechtere Karten auf eine Einsteigerposition haben als der smarte Kandidat mit hoher Sozialkompetenz und effizienter Arbeitsweise.

Am Ende entscheidet das gewisse Quäntchen Glück. Wer bereits mehrere ACs mitgemacht hat, wird zudem feststellen, dass Routine einkehrt. Auch dafür lohnt sich der Stresstest.

(Zuerst erschienen auf ZEIT ONLINE)

Lesen Sie weiter zur Vorbereitung auf das Assessment Center:

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...