Ratgeber Riskante Dienstreisen

Begibt man sich geschäftlich auf Reise, braucht man besonderen Versicherungsschutz. Viele Versicherungspolicen für Dienstreisen haben Tücken. Wer wann zahlt und worauf Geschäftsreisende achten sollten.

Kirsten Krumrey / handelsblatt.com | , aktualisiert

Unterwegs auf Dienstreise: enger Zeitplan, der Chef wartet auf Ergebnisse. Weit weg von Heimat und Arbeitsplatz kommt Hektik auf, jetzt darf bloß nichts schief gehen. Doch das Gegenteil passiert: eine Krankheit, ein Unfall mit dem Mietwagen, die Papiere gestohlen, das Gepäck verloren oder den Flug verpasst.

Immer öfter führen Unternehmenskontakte ins Ausland. Für die einen eine Bereicherung, für die anderen zusätzliches Risiko. Unglücke während einer Geschäftsreise sind ärgerlich. Und oft ziehen sie erhebliche Kosten nach sich, für Behandlung, Ersatz von Gestohlenem, Dolmetscher und sonstige Hilfe jeder Art.

Einfach losreisen sollten Arbeitnehmer daher nicht. „Die Otto-Normal-Version von Versicherungen reicht bei Dienstreisen meist nicht aus“, warnt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Auf der sicheren Seite ist, wer vorher prüft: Was ist bereits abgesichert, welche privaten Policen gelten und welcher Schutz fehlt noch.

Grundsätzlich müssen Arbeitgeber vorher über Risiken informieren und hinterher die Kosten übernehmen. Viele, vor allem größere Firmen mit vielen Dienstreisenden schließen daher einen pauschalen Rundum-Schutz ab. Unfall, Krankheit, Haftpflicht, Entführung und Diebstahl sind sozusagen für alle Mitarbeiter all inclusive.

Komplettpakete gehen am Bedarf vorbei

„Allerdings enthalten die Komplettpakete oft Produkte, die man nicht braucht“, sagt Bianca Boss. „Wichtig ist, dass man sich gegen die größten Risiken, also Krankheit, Rücktransport und Unfall, absichert.“ Umgekehrt seien in manchen Paketen zwar viele Policen versammelt, aber mit zu geringen Haftungen oder Ausschlüssen. Reisen in Kriegs- oder Krisengebiete, bestimmte Berufsgruppen sowie Lösegeldforderungen decken sie nicht ab.

Nicht immer muss es so schlimm kommen. Für kleinere Unfälle und Unglücke kommt die Haftpflichtversicherung auf. Auch auf Geschäftsreisen gilt dabei: Für Unfälle im privaten Bereich, also während einer Stadttour oder beim abendlichen Restaurantbesuch, haftet jeder selbst. Geht während der Arbeitszeit z.B. bei den Geschäftspartnern etwas zu Bruch, ist wieder der Arbeitgeber verantwortlich.

Bei einem Sturz auf der Baustelle oder einem anderen Unfall helfen Kranken- und Unfallversicherung. Bei direkter Ausübung der Tätigkeit kann auch die Berufs-Genossenschaft eintreten.

Versicherungsexperten raten alleerdings allen Berufstätigen, die nicht gegen Berufsunfähigkeit abgesichert sind, zu privaten Unfallversicherungen. Gerade bei Paket-Policen seien Unfall und Tod oft mit zu niedrigen Summen abgesichert, meint Versicherungsexpertin Boss. Sinnvoller sei eine private Absicherung mit weltweiter Gültigkeit und einer Grundsumme von mindestens 200.000 Euro mit Progression. Denn: „Bei der eigenen Gesundheit sollte man unbedingt selbst vorsorgen“, sagt Boss.

Kostentreiber Krankheit und Arztbesuch

Auch Krankheit und Arztbesuch können im Ausland teuer werden. Die gesetzliche Krankenversicherung greift nur in Ländern, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht – und auch dort nicht immer in voller Höhe. Besuche bei Privatärzten oder ein Rücktransport nach Deutschland sind meist nicht komplett eingeschlossen. Private Auslandreisekrankenversicherungen gelten oft nur für Privaturlaube, es gibt aber auch Anbieter, die Dienstreisen mitversichern.

Dienstreise-Versicherer decken oft auch Verspätungen ab, sei es für das Gepäck oder für den Reisenden. Sie buchen dann neue Anschlussflüge oder kommen für einen neuen Anzug auf. Fällt der Mitarbeiter vor Ort aus, „fliegen wir einen Ersatzmitarbeiter ein“, sagt Florian Jandrey von der Europäischen Reiseversicherung. Die Tochter der Ergo-Versicherung wirbt außerdem mit Beratung und Hilfe rund um die Uhr –Versicherung mit eingebautem Reisebüro.

Wer per Mietwagen unterwegs ist, muss ebenfalls prüfen. Mietwagen haben meist schon eine Haftpflichtversicherung, doch die Höhe variiert je nach Land. Für eine ausreichend hohe Schadenssumme empfehlen sich dann die so genannte Mallorca- oder Traveller-Police, die das Unternehmen abschließen sollte.

Automobilclubs helfen ebenfalls weiter. „Dem Verbraucher ist es egal, ob er privat oder dienstlich in Not gerät“, sagt Josef Halbig, Vorstand der ADAC-Schutzbrief Versicherungs-AG. Hilfe gibt es nicht nur bei Pannen. Versicherungen für Unfall, Krankheit und Rücktransport, die über den ADAC laufen, greifen auch auf Dienstreisen. Ausgeschlossen ist nur die Reiserücktrittsversicherung, da dafür der Arbeitgeber verantwortlich ist.

Versicherungen über Kreditkarten können auf Geschäftsreisen helfen, vor allem dann, wenn die Reise über die Kreditkarte gebucht ist. Die Modalitäten variieren nach Anbieter und Status allerdings stark. Die Bank und die dahinter stehende Versicherung legen die genaue Haftung fest, sagt Thorsten Klein vom Anbieter Mastercard. Mancher Schutz gilt sogar dann, wenn die Reise nicht mit dieser Karte gebucht wurde. Gerade hier sollten sich Reisende vorher genau informieren.

Tückische Gepäckversicherung

„Reisegepäckversicherungen sind oft problematisch“, warnt Bianca Boss vor der Situation wenn das Gepäck abhanden kommt. Es sei schwierig, alle Kriterien zu erfüllen. Wer erstmal weiterreist, um den Termin nicht zu verpassen, habe oft schon schlechte Chancen. Bei Einbruch ins Hotelzimmer oder Raubüberfall greift immerhin die private Hausratversicherung. Bei kleineren Diebstählen unterwegs hilft sie hingegen nicht. „Im Zweifelsfall gut aufpassen“, rät Boss aufgrund der komplizierten Versicherungslage.

Nicht ganz alltäglich, aber trotzdem für viele relevant sind Entführungen oder Erpressungen. Hier kommen Reiseversicherer maximal für Beraterkosten auf. Lösegeldversicherungen gibt es dann bei Spezialanbietern, sagt Jandrey. Allerdings gibt es dieses Nischenprodukt nicht für jede Region, in manchen Ländern ist das Risiko zu hoch.

Gerade in gefährlicheren Regionen haben pauschale Dienstreise-Versicherungen ihre Grenzen. „Man muss genau prüfen, ob das Land und der konkrete Beruf wirklich eingeschlossen sind“, sagt Bianca Boss. Bei Reisen in Krisen- und Kriegsgebiete haften viele Policen nicht. Ausgeschlossen seien zudem vor allem gefährdete Berufsgruppen wie Akrobaten, Personenschützer, Bewachungspersonal, Munitionsexperten, Kriegsberichterstatter, die Besatzung von Ölplattformen oder Mitarbeiter der Rüstungsindustrie.

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