Ratgeber Nach Bologna – So erkennen Sie eine gute Hochschule

19. Juni 1999 – 44 Grad 30‘ N, 11 Grad 21‘ O – 54m über der mittleren Meereshöhe – Bildungsvertreter 30 europäischer Staaten unterzeichnen die Bologna-Erklärung.

Elke Neuhard | , aktualisiert


Bild: Birgit Winter / PIXELIO 
Gedacht, einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen, wirkte der Minister-Beschluss wie eine tektonische Verwerfung auf die Strukturen der deutschen Hochschulen. Seitdem wurde an den Bildungseinrichtungen viel Energie darauf verwandt, „Bologna“-kompatible Angebote zu entwickeln – Stichwort: Bachelor- und Masterabschlüsse.

Auch wenn die drei Hauptziele – Förderung von Mobilität, internationale Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit – noch nicht endgültig erreicht sind, ist es schon jetzt viel einfacher, zwischendurch im Ausland zu studieren oder mit einem europaweit vergleichbaren Abschluss dort einen Job zu finden.

Unsere Informationen dienen als Einstiegshilfe und liefern wertvolle Tipps zur Orientierung in der veränderungsreichen Hochschullandschaft.


Bild: Michael Berger / PIXELIO 

Akkreditierung – Geprüfte Qualität


Akkreditierung

- Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich das Verfahren zur Schaffung europaweit vergleichbarer hoher Qualitätsstandards von Forschung und Lehre an den Hochschulen. Ein Produktionstechniker mit einem Abschluss der Mailänder Uni soll die gleichen Erwartungen erfüllen, wie einer aus Köln – ganz im Sinne der Bologna-Erklärung.
Hier kommt der Akkreditierungsrat – mit dem Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes NRW als zuständiger Aufsichtsbehörde – ins Spiel:
Er legt die Grundanforderungen an das Akkreditierungsverfahren fest, mit dem Bachelor- und Masterstudiengänge an den Hochschulen eingerichtet werden. Er sorgt dafür, dass die Anwendung auf der Grundlage verlässlicher, transparenter und international anerkannter Kriterien erfolgt. Für die praktische Umsetzung des Verfahrens an den Hochschulen bestimmt der Rat zertifizierte Agenturen.

Zertifizierte Agenturen zertifizieren
Die Agenturen begleiten die Hochschulen bei der Neueinrichtung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Außerdem gehört die regelmäßige Erfolgskontrolle der eingerichteten Qualitätsstandards zu ihren Aufgaben. Die Hochschulen müssen am Ball bleiben, wollen sie ihre zertifizierten Studiengänge erhalten, denn das Gütesiegel wird immer nur zeitlich befristet vergeben.
Ziel ist es, die Qualität der Studiengänge zu sichern und zu dokumentieren und dadurch die Anerkennung deutscher Studiengänge im In- und Ausland zu erhöhen.

Was bringt das den Studenten?
Bei der Entscheidung über eine Akkreditierung überprüfen unabhängige Gutachter, ob die Studienangebote zu den angestrebten Studienzielen und Lernergebnissen passen – ob mit diesem Angebot das Studienziel überhaupt sinnvoll erreicht werden kann. Bewertet werden die Lehrveranstaltungen z. B. aus den Bereichen „Wissen und Verstehen“, „Analyse und Methodik“, „Recherche und Bewertung“, „Entwickeln und Probleme lösen“, „Transfer und Anwendung“ und „Soziale Kompetenzen“.
Die Gutachtereinschätzung liefert auch wichtige Hinweise auf die Studienorganisation vor Ort, z. B. die Begleitung der Studenten bei Suche nach Praktika oder Auslandsstudienplätzen.

Hat ein Studiengang den Check bestanden, kann er in die zentrale Datenbank des Hochschulkompass‘, dem Internetangebot der Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz, eingetragen werden. Alle dort aufgeführten Studiengänge haben also ein Akkreditierungsverfahren durchlaufen und sind berechtigt, das Qualitätssiegel des Akkreditierungsrates zu tragen.

Datenbank liefert Qualität
Auf der Homepage des Akkreditierungsrats finden Sie den Link zur zentralen Datenbank des Hochschulkompass‘ aller akkreditierten Studiengänge. Die Suche nach dem Studiengang führt zu einer aufschlussreichen Ergebnisliste.
Sie umfasst neben den allgemeinen Angaben zu Abschlussgrad und Hochschuladresse, Akkreditierungshinweise und detaillierte Informationen zum Profil des Studiengangs und die Bewertung der namentlich aufgeführten Gutachtergruppe.


Bild: Stefan / PIXELIO 

Dipl. / Bachelor / Master – Abschlüsse mit Niveau


In Deutschland

legen die Landeshochschulgesetze fest, dass die neuen Studiengänge mit den Titeln „Bachelor“ und „Master“ enden. Für Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen gelten Ausnahmeregelungen.

Ein Zusatz zum Titel kann einen Hinweis auf die jeweilige Fachrichtung geben, in der der Titel erworben wurde. In den Wirtschaftsfächern stehen „Art“ und „Science“ zur Auswahl, in den Ingenieurfächern „Engineering“ oder „Science“, in Jura nur „Laws“. „Arts“ soll für eine eher geisteswissenschaftliche, „Science“ für eine eher naturwissenschaftliche Ausrichtung stehen. Allerdings gibt es keine verbindliche Richtlinie, wie die Zusatzvergabe zu handhaben ist.
Die Hochschulen nutzen diese Lücke zur Profilbildung und damit zur Selbstvermarktung. Um zu wissen, was die Studenten wirklich gelernt haben, lohnt ein Blick in das Diploma-Supplement, denn hier sind die tatsächlich belegten und geprüften Kurse aufgelistet.

Die Titelvielfalt komplett macht die Tatsache, dass Mecklenburg-Vorpommern 2010 den Diplom-Abschluss wieder eingeführt und andere Bundesländer damit auf den Geschmack gebracht hat. In Deutschland durfte bisher nur in Sachsen das Diplom verliehen werden. In Mecklenburg-Vorpommern können Masterstudenten auf Antrag den Abschluss in ein Diplom tauschen. Das gilt auch für Bachelor an Fachhochschulen, wenn sie mindestens acht Semester studiert haben.

Die Titel-Diskussionen werden wohl auch die Kultusminister erneut beschäftigen, und die Hochschulrektorenkonferenz warnt vor einem „Verwirrspiel“; wohingegen der Hochschulverband den Ansatz „Titel zur Profilbildung“ begrüßt.
Tatsächlich müssen Studierenden davon ausgehen, dass es auch auf diesem Feld weitere Veränderungen geben wird. Bleiben Sie also am Ball und informieren Sie sich!

Interessante Diskussionsbeiträge liefern folgende Artikel auf karriere.de

Die Diplom-Diskussion geht weiter (10.01.2011 von Stefani Hergert)
Mecklenburg-Vorpommern hat den Diplom-Abschluss wieder eingeführt und andere Bundesländer damit auf den Geschmack gebracht. Bachelor, Master oder Diplom – die Hochschulrektorenkonferenz warnt vor einem „Verwirrspiel“. […]

Titelchaos und kein Ende (17.11.2010 von Stefani Herget)
Die Mehrheit der Manager durchblickt die vielen Spezialisierungen in den neuen Studiengängen und die Abschlussflut an den Hochschulen nicht mehr. Obwohl viele Firmenlenker am Altbewährten hängen, kontern sie mit eigenen Studiengängen. […]

Initiative: Zurück zum Dipl.-Ing. (17.11.2010 von Stefani Herget)
Bologna zum Trotz – der Diplom-Ingenieur wird 111. Zu diesem Jubiläum wird ihm eine Festschrift gewidmet, und es mehren sich die Stimmen, die den alten Titel erhalten wollen. […]



Bild: M. E. / PIXELIO 

Rankings – Drängeln auf der Rangliste


Menschen erstellen alle Arten von Ranglisten: von der „Meine-liebsten-Sänger-der-letzten-zwei-Jahre“-Liste bis zur Rangfolge der beliebtesten Fußballspieler des Jahres 2010. Alles in allem haftet ihnen grundsätzlich etwas Subjektives an.

Wollen Sie Hochschul-Ranking zur Entscheidungsfindung nutzen, müssen Sie bei jedem Ranking ganz genau hinschauen:
 
• Wer hat die Untersuchung veranlasst?
• Wer wurde mit der Durchführung betraut?
• Welche Zielgruppe wurde erfasst?
• Welche Kriterien wurden abgefragt?
 
Vertiefende Links zum Thema Ranking auf karriere.de

Unis für Immobilienwirtschaft im Vergleich (30.06.2010 karriere.de)
Studenten immobilienwirtschaftlicher Studiengänge haben ihre Hochschulen bewertet. Als Gesamtsieger ging dabei die Bergische Universität Wuppertal hervor, doch in einzelnen Bereichen führen auch Hochschulen an anderen Standorten. […]

Ranglisten ohne Logik (10.12.2010 Stefani Hergert)
Die britische Financial Times hat jüngst die besten Wirtschaftshochschulen Europas gekürt. Was die Sieger mit Stolz erfüllt, ist indes für Bewerber wenig hilfreich. Denn das Ranking lässt einige Fragen offen. […]

Mieser Ruf schreckt Bewerber nicht ab (27.05.2010 Gero Brandenburg)
Die Ölpest im Golf von Mexiko hat BP viele negative Schlagzeilen gebracht. Dessen ungeachtet ist der Energiekonzern als Arbeitgeber weiterhin attraktiv. Nur wenige Bewerber lassen sich von einem guten Job durch ein schlechtes Konzernimage abschrecken. […]

Die besten Hochschulen 2009 (01.05.2009 Britta Mersch, Carola Sonnet)
Welche Hochschule bietet die beste Ausbildung? Welche versagt? Das neue Ranking von Junge Karriere zeigt, dass die praxisnahen Universitäten und Fachhochschulen, die sich den neuen Herausforderungen stellen, vorne liegen. […]

Maßstäbe für deutsche Hochschulen (30.05.2008 A. Himmelrath, Britta Mersch)
Just Schürmann, Geschäftsführer der Boston Consulting Group, erklärt im Interview die Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Rankings - und sagt, worauf Studienanfänger bei der Wahl ihrer Hochschule achten sollten. […]

Das Hochschul-Ranking des CHE – Centrum für Hochschulentwicklung
Das CHE-Hochschul-Ranking stellt das umfassendste und detaillierteste Ranking deutscher Universitäten und Fachhochschulen dar. Es umfasst insgesamt 34 Fächer und spricht damit mehr als drei Viertel aller Studienanfänger an. Neben Fakten zu Studium, Lehre, Ausstattung und Forschung umfasst das Ranking Urteile von über 250.000 Studierenden über die Studienbedingungen an ihrer Hochschule sowie die Reputation der Fachbereiche unter den Professoren der einzelnen Fächer.


Bild: Dieter Schütz / PIXELIO 

Dualer Studiengang – Doppelter Abschluss


Seit mehreren Jahren bieten einige Hochschulen und Berufsakademien sogenannte Ausbildungsintegrierende Studiengänge an – eine Kombination aus parallelem Studium und betrieblicher Berufsausbildung. Als erfolgreicher Absolvent haben Sie nach etwa drei bis fünf Jahren nicht nur den Bachelor-, sondern auch einen Berufsabschluss (meist Kammerabschluss) in der Tasche.

Wer seine Ausbildung bereits abgeschlossen hat und nach einigen Berufsjahren feststellt, dass der Weg nach oben ohne eine höhere Qualifizierung nicht gelingt, für den kann ein berufsintegrierendes und berufsbegleitendes (Teilzeit)-Studium sinnvoll sein.

In beiden Fällen stellt das straff organisierte Ausbildungsprogramm – mit wechselnden Theorie- und Praxisphasen – hohe Anforderungen an die Motivation und Disziplin. Dafür winken hervorragende Karrierechancen! Beachtenswert: Viele Unternehmer unterstützen ihre Werkstudenten während der Ausbildungsdauer mit einer Ausbildungsvergütung.

Unsere vertiefenden Links helfen bei der Prüfung, ob Sie ein idealer Kandidat für ein Duales Studium sind:

Absolventen nach Maß (29.11.2010 Claudia Obmann)
Um qualifiziertes Personal zu erhalten, nehmen immer mehr Unternehmen das Zepter in die eigene Hand. Sie kooperieren mit Hochschulen und gestalten maßgeschneiderte Studiengänge. […]

Akademiker machen Karriere im Handwerk (15.04.2010 Gero Brandenburg, Stefan Wimmer)
Rund 200.000 Handwerksunternehmer werden in den nächsten Jahren in Rente gehen. Eine große Lücke, die sich da auftut, zumal die technischen Herausforderungen an die Betriebe steigen. Hochschulabsolventen sind daher sehr gefragt und haben gute Aufstiegschancen. […]

Duale Studiengänge für Handwerker (22.09.2009 Stefan Wimmer)
Das Abi in der Tasche – und was dann? Wer sich zwischen einem Studium und einer Lehre in einem Handwerksbetrieb nicht entscheiden kann, kann auch beides miteinander verbinden. Junge Karriere zeigt Ihnen, an welchen Hochschulen duale Studiengänge angeboten werden. […]

Unternehmen machen Jagd auf Ingenieure (01.07.2008 Kirstin von Elm)
Bewerbungen schreiben war gestern. Jung, technisch und kommunikativ begabt – Elektro-Ingenieure, die diesem Beuteschema entsprechen, werden von Arbeitgebern neuerdings schon vom Hörsaal weg verpflichtet. […]

Der Extra-Tipp:
Das IHK-Praktikumsportal Praktikant24 bietet eine umfangreiche Informationsseite zum Dualen Studium: Anbieter, Abschlüsse, Finanzierung, Stellenbörse.
Auf der Seite AusbildungPlus finden Sie einen bundesweiten Überblick über mehr als 41.000 Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikation und duale Studiengänge sowie Informationen rund um die Berufsausbildung.



Bild: Robert Emmerich / PIXELIO 

Weblinks


Das gemeinnützige Centrum für Hochschulentwicklung, 1994 von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz gegründet, versteht sich als eine Reformwerkstatt für das deutsche Hochschulwesen.
Es bietet u.a. das differenzierteste Hochschulranking in Deutschland an. Es arbeitet an neuen Ideen und Konzepten für das deutsche und europäische Hochschulsystem und vermittelt diese auch in Schulungen und Veranstaltungen.
http://che.de

Für Rat suchende Jugendliche hat das Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB zahlreiche Informationsquellen rund um Ausbildung und Beruf geprüft. Eine kommentierte Tabelle verschafft einen schnellen Überblick über die Qualität der Angebote.
http://www.bibb.de

Zentrale Datenbank der akkreditierten Studiengänge: Suchmaske: Grundständiges Studium / Weiterführendes Studium – Fach/Sachgebiet/Studiengang – Hochschulort – Hochschultyp (Universität, Fachhochschule, Kunst-Musikhochschule) – Bundesland – Besondere Studienform (duales System, Fernstudium, inklusive Praxissemester, internationaler Studiengang, Teilzeitstudium)
http://www.hs-kompass2.de/kompass/xml/akkr/maske.html

Informationen zu allen staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland sowie den dort angebotenen grundständigen und weiterführenden Studienmöglichkeiten erhalten Sie im HRK-Hochschulkompass.
http://www.hochschulkompass.de/

Hochschulstart.de ist das Bewerbungsportal der Stiftung für Hochschulzulassung, der Nachfolgeeinrichtung der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS), und unterstützt bei der Bewerbung für das Studienfach.
http://www.hochschulstart.de/

Informationen rund um Bologna:
http://www.bmbf.de/de/3336.php

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