Psychologie Placebo-Effekt für das Gehirn

Gehirndoping leicht gemacht. Wer an seine Fähigkeiten glaubt, kann Wissen besser abrufen, belegen neurologische Untersuchungen.

Ferdinand Knauß | wiwo.de | , aktualisiert

Placebo-Effekt für das Gehirn

Foto: Andreas-F./Fotolia.com

Vielleicht hat die Bibel doch recht. Der Glaube kann Berge versetzen, verspricht Jesus im Matthäus-Evangelium.

Ein psychologisches Experiment an der Universität Witten/Herdecke zeigt nun, dass der Glaube an die eigenen Fähigkeiten tatsächlich etwas bewegt. Zwar nicht unbedingt Berge versetzt, aber zumindest eine positive Wirkung auf die tatsächlichen Fähigkeiten hat.

Wer Angst vor Prüfungen hat, schneidet schlecht ab – wer glaubt, gut vorbereitet zu sein, schneidet besser ab. Auf diese kurze Form kann man die Ergebnisse einer Studie von Ulrich Weger von der Universität Witten/Herdecke bringen.

Folge der Intuition!

Der Psychologe hat 40 Versuchspersonen einem Allgemeinwissenstest unterzogen. Die eine Hälfte der Kandidaten ging völlig unvorbereitet in den Test. Die anderen Probanden wurden die Lösungsworte erst langsam auf einem Bildschirm vorgespielt und dann immer schneller, bis die Worte nicht mehr zu erkennen waren.

Einer der Wissenschaftler behauptete währenddessen gegenüber den Probanden, dass diese Prozedur wirke. Es gehe deswegen einfach nur darum, der eigenen Intuition zu folgen.

"Wir wollten den Probanden das Gefühl von Unterstützung geben. Tatsächlich haben wir in der eigentlichen Testphase völlig zufällige Worte über den Bildschirm huschen lassen.

Aber die Testpersonen hatten eben das Gefühl, im Unterbewusstsein doch die Lösung vom Bildschirm ablesen zu können", erklärt Weger den Versuchsaufbau.

Weger vergleicht diese Pseudo-Vorbereitung mit dem aus der Medizin bekannten Placebo-Effekt: "Wir haben nicht eine scheinbare Pille verabreicht, wir haben vielmehr die Überzeugung von der eigenen Leistungsfähigkeit unserer Probanden angesprochen."

Positiver Effekt der Pseudo-Vorbereitung

Der erwartete Effekt war bei den Versuchspersonen tatsächlich zu beobachten: Die scheinbar vorbereitete Experimentalgruppe schnitt besser im Wissenstest ab, als die unvorbereitete Kontrollgruppe. Sie lösten im Durchschnitt 9,9 Antworten.

Versuchspersonen der Kontrollgruppe dagegen im Durchschnitt nur 8,4 Antworten : "Wir haben ja nicht das Wissen verbessert.
Aber das Gefühl der Unterstützung und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wurden gestärkt."

Mentale Reserven

Weger vermutet, "dass sich diese Personen dann zum Beispiel mehr angestrengt haben, besser ihre eigenen Ängste überwinden konnten, systematischer überlegt haben. Sie konnten schlichtweg das vorhandene Wissen besser abrufen und dadurch hat sich die Leistung dann tatsächlich verbessert."

Viele Menschen haben offensichtlich nicht nur körperliche Reserven, die oft ungenutzt bleiben, sondern auch mentale. Sie nutzen zu können, dürfte nicht nur bei harmlosen Wissenstests deutliche Vorteile über jene verschaffen, die sie ungenutzt lassen.

Fragt sich nur, wie man sich selbst ein mentales Placebo verabreichen könnte. Denn die Wirkung eines Placebos ist natürlich davon abhängig, dass der Einnehmende nicht weiß, dass es sich um ein wirkstofffreies Placebo handelt. Dieser Frage werden sich Weger und seine Kollegen in der Zukunft widmen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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