Psychologie Namen machen Leute

Dass Cajus Julius Caesar in den Bundestag einzieht, mag amüsant sein - erstaunlich ist es nicht. Der Name passt schließlich. Doch Studien zeigen, dass auch weniger einprägsame Namen Einfluss auf die Karriere nehmen. Sowohl guten als auch schlechten.

Jochen Mai / wiwo.de | , aktualisiert

Mal ehrlich: An wen denken Sie bei dem Namen Kevin? An den Chef eines globalen Konzerns oder eher an einen Sachbearbeiter? Und wie steht es mit Justin, Maximilian oder Felix? Und was ist bei Elisabeth, Chantal und Jaqueline? Ich weiß, die Begriffe „Unterschicht" oder „Klassengesellschaft" sind politisch verpönt. Und doch ist es so, dass viele das soziale Milieu, aus dem jemand stammt, schon beim ersten Klang seines Vornamens assoziieren. Nennen wir das Kind beim Namen: Vornamen sind alles andere als Schall und Rauch – sie sind enorm klischeebeladen, mehr aber noch sind sie imagebildend, womöglich sogar eine Art selbsterfüllende Prophezeihung. Ganz häufig transportieren sie nicht nur die Identität einer Person, sondern eben auch deren vermeintliche Attraktivität, Intelligenz und deren Alter.

Das ist jedenfalls das Fazit einer Studie des Psychologen Udo Rudolph von der TU Chemnitz. Dabei sollten 149 Probanden anhand eines Fragebogens 60 männliche und weibliche Vornamen hinsichtlich des vermuteten Alters, ihrer Attraktivität, Intelligenz und Religiosität beurteilen. Das Resultat wurde zudem noch mit den Namenranglisten vergangener Jahrgänge verglichen – etwa, um zu unterscheiden, ob es sich dabei um moderne, zeitlose oder eher altertümliche Namen handelt. Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher.

Wer einen modernen Vornamen besitzt, wurde von den Versuchsteilnehmern prompt als jünger eingeschätzt. Mehr noch: Wer als vermeintlich jünger galt, wurde ebenso mit den Attributen "attraktiv" und ab und an auch "intelligent" versehen. Oder kurz: Je moderner der Name, desto jünger, desto attraktiver desto intelligenter wird der Träger geschätzt. "Das wahrgenommene Alter ist somit die zentrale Information im Vornamen", sagt der Forschungsleiter Rudolph. Seine Empfehlung an Eltern lautete deshalb, möglichst zeitlose Vornamen wie Alexander, Michael, Anna oder Claudia an die Sprösslinge zu vergeben, denn "die Kevins, Lauras und Leons von heute werden vermutlich in 50 Jahren als altmodisch und wenig attraktiv assoziiert".

Eine Reihe weiterer Forschungsarbeiten bestätigt die prädestinierende Wirkung von Vornamen:

(Artikel zuerst erschienen auf WirtschaftsWoche Online wiwo.de)

Zugegeben, in manchen Fällen ist die Geburtsurkunde auch nichts anderes als ein Mittel zur Selbstinszenierung der Eltern. Diesen Erzeugern reicht dann nicht nur einfach ein Vorname – es müssen schon mindestens drei sein und die möglichst extraordinär. Bestes Beispiel: der nordrhein-westfälische CDU-Politiker Cajus Julius Caesar, der neu in den Bundestag rückt, nachdem der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Leo Dautzenberg (CDU) zu Evonik wechselt.

Schon der Vater trug den kaiserlichen Namen und Caesar nannte auch seinen Sohn wieder Cajus Julius.

Klasse durch Masse, man gönnt sich ja sonst nichts. Hollywood macht es schließlich vor: Die vier Geschwister von River Phoenix etwa heißen Liberty, Rainbow, Summer und Leif – offenbar allesamt made in Woodstock. Flugzeug-Fan John Travolta wiederum benannte seinen Sohn direkt nach seiner Leidenschaft: „Jett" – das zweite T sicher um Verwechslungen auszuschließen.

Selbst wenn es sich bei all dem um eine Reihe haltloser Klischees handelt: Sie können das Urteil unserer Umwelt enorm beeinflussen und im schlimmsten Fall sogar negativ auf Auswahlverfahren wirken.

Um beim Eingangsbeispiel zu bleiben: So bekommen Kevins und Justins trotz gleicher Leistung schlechtere Noten als Lukas’ oder Maximilians. Das legt eine Untersuchung der Uni Oldenburg nahe. Genauer gesagt handelt es sich dabei um eine Masterarbeit, betreut von der Professorin Astrid Kaiser, für die 168 Benotungsbögen ausgewertet wurden. Fazit: Die Pädagogen verbinden mit manchen Vornamen starke Vorurteile und lassen diese auch in ihre Notengebung einfließen – bei Jungen allerdings stärker als bei Mädchen.

Die Autorin der Studie wollte allerdings nicht genannt werden – aus Sorge vor Anrufen und Beschimpfungen aufgebrachter Lehrer.

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