Profilstärke Der neue Ceibs-Chef setzt auf Forschung

Die chinesisch-europäische Hochschule ist in der Riege der besten Schulen der Welt angekommen. Doch bei den wissenschaftlichen Publikationen hinkt sie hinterher. Der neue Dekan will das ändern und mehr Professoren einstellen.

Stefani Hergert | , aktualisiert


John Quelch Foto: Ceibs
Mit westlicher Expertise

Dafür, dass John Quelch im Februar die Leitung der chinesischen Wirtschaftshochschule Ceibs in Shanghai übernommen hat, wirkt der Satz zunächst merkwürdig: „Ich bin kein China-Experte“, sagt der Brite, der zuvor mit einer kurzen Unterbrechung rund 30 Jahre an der renommierten US-Universität Harvard gewirkt hat. Er muss es auch nicht zwingend, die asiatischen Schulen brauchen westliche Expertise, um international aufzusteigen.
Deshalb ist es auch ein Trend, dass dort immer mehr Dekane aus der westlichen Welt kommen.

Die Ceibs, ausgeschrieben China Europe International Business School, ist in der Lehre international sehr gut platziert. Quelch muss die hohe Qualität in der Lehre halten aber gleichzeitig die Hochschule in der Forschung voranbringen. Da hat die Ceibs Defizite.

Sie ist zwar eine Wirtschaftshochschule mit Basis in Shanghai und hat heute auch einen Campus in Peking und Shenzhen, wurde aber 1994 als gemeinsames Projekt der Europäischen Kommission und der chinesischen Regierung gegründet und finanziert. Der europäische Einfluss ist daher nicht zu unterschätzen. „Keine internationale Schule ist so tief in China verwurzelt, keine chinesische Schule hat solch einen internationalen Fokus“, sagt Quelch. Kai Peters, der die britische Wirtschaftshochschule Ashridge leitet, sagt sogar: „Die Ceibs ist das Spiegelbild für die Politik Chinas.“

In der Riege der Top 30 MBA-Anbieter

In etwas mehr als 15 Jahren hat es die Hochschule geschafft, in die Riege der besten 30 MBA-Anbieter weltweit aufzusteigen. Quelch muss nun vor allem das Forschungsprofil stärken. Denn – das zeigen Rankings wie das der britischen Financial Times – in diesem Bereich liegt die Ceibs weit zurück. Quelch hat sich dies auch zur Hauptaufgabe gemacht. Dafür braucht der Marketingexperte Professoren, die in der Wissenschaft angesehen und publikationsstark sind. Da aber vor allem in Asien immer mehr neue Business Schools gegründet werden, steigt der Wettbewerb um gute Köpfe – und damit auch die Gehälter. Der 59-Jährige glaubt dennoch nicht, dass es schwer ist, neue Professoren zu verpflichten.

Einen renommierten Strategie-Experten hat er mit George Yip schon gewonnen. Yip leitete bis vor kurzem die niederländische Rotterdam School of Management, die auch zu den besten der Welt zählt. Er soll nun ein Forschungszentrum aufbauen, das sich der Frage widmet, wie chinesische Unternehmen Innovationen vorantreiben. „In diesem Feld gibt es noch so gut wie keine Ansätze“, sagt Yip.


John Quelch Foto: Ceibs
Die Gebühren steigen

Quelch wünscht sich mehr Fallstudien von seinen Professoren. Aber nicht mehr Studien zu einem Bereich wie Marketing oder Finanzierung, sondern komplexere Fälle, die die Realität besser widerspiegeln. Dies ist auch eine Reaktion auf die generelle Kritik an den Studien. Sie sollen die komplexe Wirtschaftswelt zu sehr vereinfachen.

Von den Ansätzen einiger Business Schools, die Zahl der Fallstudien zu reduzieren, hält Quelch allerdings nicht viel. „Dieser Trend führt in die Irre“, sagt er. Es gebe nichts Effektiveres, um den Studenten Einblick in den Managementalltag zu geben. Das sehen Professoren wie Martha Maznevski vom schweizerischen IMD differenzierter. Sie hat die Fallstudien zugunsten von Unternehmensprojekten etwas reduziert.

Quelch will nicht nur mehr Professoren einstellen, sondern auch mehr Studenten aufnehmen. „Wahrscheinlich werden wir im Westen Chinas einen vierten Standort aufmachen“, sagt er. Damit will er den Studiengang Executive MBA für erfahrene Führungskräfte vergrößern.

MBA als Aushängeschild

Beim MBA für Nachwuchskräfte gibt es keine Pläne für eine größere Klasse. „Ich spüre keinerlei Druck, die MBA-Klasse zu vergrößern“, sagt Quelch. Der MBA ist zwar das Aushängeschild, aber Geld verdienen die Hochschulen mit dem aufwendigen Studium nicht.

Quelch orientiert sich an den Top-Wirtschaftshochschulen der Welt – auch bei den Studiengebühren. Die Gebühren sind vor allem an den asiatischen Schulen massiv gestiegen – an der Ceibs allein zwischen 2008 und 2010 um mehr als 37 Prozent auf 48 000 Dollar im MBA. Das ist auf Niveau der Top-Schulen weltweit.

Weitere Erhöhungen kann Quelch nicht ausschließen. „Wir werden unsere Gebühren auch weiterhin an denen unserer Wettbewerber messen lassen“, sagt er. Das muss ihm bei der Forschung auch gelingen.

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