Private Hochschulen Bildung lohnt sich nicht

Die alte Weisheit, dass Bildung sich auszahlt, gilt offenbar nicht immer. Die finanziellen Probleme deutscher Privathochschulen zeigen: Mit Forschung und Lehre lässt sich kein Geld verdienen. Bestehen kann nur, wer einen großzügigen Spender hinter sich weiß.

Konrad Fischer, Stefani Hergert | , aktualisiert

Der Mann hat hohe Ziele, und kennt doch seine Grenzen. "Mit Sicherheit können wir eines Tages so erfolgreich sein wie Harvard", sagt Markus Baumanns, der Geschäftsführer der privaten Kühne Logistics University (KLU), die im Herbst in Hamburg ihre Pforten öffnet. Doch fügt er rasch hinzu: "Aber geben Sie uns bitte auch 350 Jahre."

Baumanns weiß, wovon er redet. Er hat schon einmal einer privaten Hochschule zum Erfolg verholfen, als Geschäftsführer der Bucerius Law School für Juristen. Diesmal weiß er den milliardenschweren Unternehmer Klaus-Michael Kühne hinter sich, der die neue Hochschule über seine Kühne-Stiftung initiiert hat und dafür 30 Mio. Euro bereitstellt.

Baumanns wird nicht dem großen Irrtum aufsitzen wie einige Betreiber von Privathochschulen in Deutschland vor ihm. Sie glaubten, dass man mit Lehre und Forschung Geld verdienen kann. "In Deutschland eine private Hochschule mit Gewinnabsicht zu betreiben, funktioniert nicht", sagt Michael Göring, Chef der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, die Finanzier der Bucerius Law School ist. Private Hochschulen sind nur dann erfolgreich, wenn sie ein gesellschaftliches Engagement sind. Man könnte auch sagen: Wenn sich Unternehmer wie Kühne einen Traum erfüllen.

Offenbar haben dieses Prinzip aber nicht alle verinnerlicht: 2009 rutschte die Private Hanseuniversität in Rostock, betrieben vom Unternehmen Educationtrend, ins Aus. Am Ende wollten an der privaten Hochschule nicht einmal eine Handvoll Studenten lernen. Nicht besser erging es der International University in Bruchsal und dem Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT). In beide Hochschulen steckten Investoren und Kommunen immer wieder Millionen, ehe sie es schließlich aufgaben.

Immer wieder hatten Betreiber gehofft, den Betrieb zum großen Teil aus Studiengebühren zu finanzieren. "Man kann als private Hochschule in Deutschland nur bestehen, wenn man die Finanzierung von den Studiengebühren abkoppelt. Mehr als ein Viertel des Haushalts wird eine private Hochschule nicht aus Studiengebühren bestreiten können", sagt hingegen Zeit-Stiftungs-Chef Göring. Und das, schiebt er hinterher, gelte selbst für Wirtschaftshochschulen.

Was die Betreiber vergessen: Eine Hochschule auf Universitätsniveau braucht die Forschung, um Studenten auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu unterrichten und um sich ein Renommee aufzubauen. Doch Forschung ist teuer, sie lässt sich rein über Studiengebühren nicht finanzieren.

Auch in den USA wird mit Studiengebühren kein Geld verdient
Da hätte die Pleitiers auch schon ein Blick in die USA eines besseren belehren können. Selbst im Mutterland der Privatuniversitäten wird trotz hoher Gebühren mit dem Studium kein Geld verdient, einen großen Teil des Haushalts bestreiten die Unis mit den Zinsen des oft milliardenschweren Kapitalstocks und Spenden. Studiengebühren machen nur einen Bruchteil aus. "Selbst an den besten amerikanischen Universitäten beträgt der Anteil nur ein Drittel. Da darf man sich nichts vormachen", sagt Göring.

Dank der Kühne-Stiftung dürfte der KLU das Schicksal der Pleitiers erspart bleiben. Ist sie doch bis dato das einzige Projekt des 73-jährigen kinderlosen Milliardärs Kühne. Zudem ist Baumanns Realist: "Wir gehen nicht davon aus, mit der grundständigen Bildung, also den Bachelor- und Masterprogrammen, jemals Geld zu verdienen."

Wer bestehen will, braucht wie Baumanns einen starken Finanzier, manchmal einen, ohne den es die Hochschule gar nicht mehr gäbe. Die frühere International University Bremen, heute mit 1 250 Studenten eine der größten privaten der Republik, kam nur durch eine dreistellige Millionengabe des Kaffeeunternehmers Klaus Jacobs wieder auf die Beine. Für seine Einlage bekam der mittlerweile verstorbene Unternehmer keine Rendite, er bekam etwas viel Besseres: ein Denkmal. Denn seither heißt die Hochschule Jacobs University.

Auch die WHU in Vallendar, eine der besten deutschen Wirtschaftshochschulen, stünde ohne MetroGründer Otto Beisheim nicht so solide da. Auch er spendete Millionen, auch ihm setzte man mit dem Namen ein Denkmal: WHU - Otto Beisheim School of Management.

Auch Zeit-Stiftung und der Zeppelin-Konzern sehen ihr Engagement bei der Bucerius Law School beziehungsweise der Zeppelin University als gesellschaftliches - und als Bildungsauftrag: Moderne Konzepte, neue Studiengänge, interdisziplinäre Ansätze. An der Bucerius-Hochschule spendiert die Zeit-Stiftung jährlich mehr als acht Mio. Euro des 15-Mio.-Euro-Etats.

Es könnte sein, dass die privaten Bildungsstätten bald noch mehr Konkurrenz bekommen. Zeit-Stiftungs-Chef Göring ist sich sicher: "Das Wirtschaftswunder hat eine ganze Menge wohlhabender Deutscher hervorgebracht, die sich immer mehr in der privaten Hochschulbildung engagieren."

Privat mit Staat
Ohne öffentliche Zuschüsse kommen viele Privathochschulen aber auch nicht aus. Die älteste deutsche Privatuniversität Witten/Herdecke bekommt jährlich 4,5 Mio. Euro von NRW, an die Wirtschaftshochschule Gisma überweisen niedersächsische Ministerien 1,2 Mio. Euro im Jahr. Für Neubauten oder als Anschubfinanzierung haben einige Private Geld erhalten. 25 Mio. Euro spendieren öffentliche Geldgeber etwa für den Campus der neuen European Business School in Wiesbaden. Die Diskussionen um Zuschüsse halten an.

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