Private Banking Attraktiver Arbeitgeber: Die Schweizer Bank Credite Suisse

Credit Suisse ist eines der ganz großen Geldhäuser im Geschäft mit Millionären. Wie aber ist der Private-Banking-Gigant aus der Schweiz als Arbeitgeber in Deutschland?

Christoph Mohr | , aktualisiert

Manchmal muss man schon etwas genauer hinschauen. Die deutschen oder japanischen Touristen, die am Zürcher Paradeplatz die ratternde Tram aufs Foto bannen, übersehen leicht, dass in dem imposant-unauffälligen Gebäude hinter ihnen einer der ganz großen Namen im internationalen Finanzgeschäft beheimatet ist: die Credit Suisse S.A. So etwa eine Billion Euro, 1000 Milliarden, an Kundengeldern verwaltet die Schweizer Bank weltweit - wie viel Geld und Gold in den Bankschließfächern in Zürich schlummert, ist Bankgeheimnis.

Auch dem hoch gewachsenen, etwas schlacksigen Zwei-Meter-Mann Timo Antons sieht man auf den ersten Blick nicht an, dass er tagtäglich Umgang mit Millionären hat. Nur wer die Manschette mit dem eingestickten Monogramm unter dem Jackettärmel wahrnimmt, der ahnt, dass der 28-jährige Credit-Suisse-Kundenberater aus Braunschweig doch in einer anderen Liga spielt.
Seit einigen Jahren nämlich expandieren die Schweizer auch in Deutschland. Längst nämlich reicht es nicht mehr, darauf zu warten, dass die Reichen dieser Welt ihr mehr oder minder legal und steuerehrlich erworbenes Geld in die Schweiz bringen, wo es dann - vom Schweizer Bankgeheimnis geschützt - gehegt und gemehrt wird. So eröffneten die eidgenössischen Geldhäuser - allen voran die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse, aber auch einige Zürcher und Genfer Privatbanken wie Julius Bär, Pictet oder Sarasin in den letzten Jahren nicht nur Tochterfirmen in notorischen Steuerparadiesen, sondern auch Niederlassungen in Deutschland.

Onshore-Banking heißt das im Banker-Jargon, den Kunden dort abholen, wo er zu Hause ist. Nicht ganz falsch nennen sich die Vermögensberater neudeutsch auch Relationship Manager - auch das Geschäft mit den Reichen ist ein People's Business, in dem es auf die persönliche Beziehung und Nähe zum Kunden ankommt. Credit Suisse Deutschland, hierzulande mit nicht weniger als 13 Niederlassungen vertreten, macht das besonders gut. Natürlich behauptet jeder im Private-Banking-Geschäft, dass er Kunden individuell berät und ihm nicht nur als Vertriebsarm die bankeigenen Anlageprodukte wie Fonds, Zertifikate und Ähnliches aufschwatzt.

Die Bank verdient nicht gerade schlecht

Den vollen Service bekommt man allerdings erst ab 2,5 Millionen Euro Vermögen, woran die Bank auch nicht gerade schlecht verdient. Presseberichten zufolge nimmt Credit Suisse Deutschland zwischen ein bis 2,5 Prozent pro Jahr als Beratungsvergütung und 0,75 bis zwei Prozent an Verwaltungsvergütung. Rechnen Sie mal aus, wie viel das bei zehn Millionen sind. Für das Vermögensmanagement hat die Bank auch ein eigenes, "PALM" (Private Asset & Liability Management) genanntes, Analysetool entwickelt. Mit PALM lassen sich zum Beispiel auch Worst-Case-Szenarien durchspielen, etwa wie sich ein Aktienmarktcrash oder der Jobverlust auf das Vermögen auswirken.

Credit Suisse Deutschland kann für sich in Anspruch nehmen, dass ihre Qualitätsführerschaft auch unabhängigen Blindtests standhält. Auf den Rankings, die es auch im Bereich "Beratung für Millionäre" gibt, belegt die Bank seit ein paar Jahren Spitzenplätze. So zählt etwa der "Handelsblatt-Elite-Report 2008" Credit Suisse zur absoluten Spitzengruppe der Vermögensverwalter im deutschsprachigen Bereich, zu der insgesamt zwölf Anbieter gehören. Die einflussreichen "Fuchs-Briefe" ihrerseits kürten im November 2007 Credit Suisse Deutschland (nach der Berenberg Bank und der Avesco Financial Services AG) zum "besten Vermögensmanager".

"Gerade in der Beratung vermögender Privatkunden trennt sich im Vermögensmanagement die Spreu der Berater vom Weizen", sagt "Fuchs-Briefe"-Herausgeber Ralf Vielhaber. "Hier sind Persönlichkeiten mit hohem Fachwissen, Lebenserfahrung und sozialer Kompetenz gefordert. Sie müssen über Märkte ebenso Bescheid wissen wie über Golf und Segeln. Bei unseren jährlich durchgeführten Markttests, den so genannten Mystery Shoppings, haben wir bei der Credit Suisse Deutschland in den vergangenen Jahren durchgehend an den verschiedensten Standorten solche Top-Berater getroffen."

"Wir wollen aber weiter wachsen", sagt Andreas Brandt, seit 1998 bei Credit Suisse Deutschland und seit Anfang 2006 Vorstandsvorsitzender. "Dafür suchen wir allein in diesem Jahr 100 neue Mitarbeiter im Private Banking". Einer von ihnen ist bereits Timo Antons, 28, ein Mann mit hanseatischem Understatement, der von der Deutschen Bank zu Credit Suisse gewechselt ist. 30 bis 40 Kunden betreut so ein Relationship Manager, die er drei- bis viermal im Jahr persönlich sieht, in der Bank, oft aber auch zu Hause. "Zwei Drittel aller Gespräche finden beim Kunden statt." Und manchmal auch an ungewöhnlichen Orten: "In bin mit einem Kunden auch schon einmal zu einem Fußballspiel gegangen", sagt Antons, "einfach um ihn aus seiner gewohnten stressigen Umgebung herauszulösen."

Wie aber muss man sich die Kundenakquise vorstellen? "Ich sitze nicht über dem Telefonbuch und telefoniere alle "vons" und Personen mit Doktortitel ab", lacht Antons. "Vieles geschieht auf Empfehlung, entweder von zufriedenen Kunden oder auch von Steuerberatern und Rechtsanwälten." Ansonsten ist Präsenz auf allen möglichen Veranstaltungen gefragt. Bei der IHK, bei Verbänden und Vereinen, sogar im Kunstverein. "Es ist oft viel zufälliger als man denkt", sagt Antons.

"Kommunikationsfähigkeit und Kontaktfreude" sieht auch Daniel Sauerzapf als Gründe für seinen Erfolg als Vermögensberater. Wer den 28-Jährigen auf der Straße in Düsseldorf erblicken würde, würde kaum ahnen, dass seine Visitenkarte der Titel "Direktor, Leiter Private Banking" ziert. Sauerzapf, der soeben von der Citibank zu Credit Suisse gewechselt ist, ist zugleich blutjung und ein alter Hase im Geschäft. "Ich habe mit 16 Jahren angefangen, war schon mit 21 im Bereich vermögende Privatkunden tätig und hatte mit 25 erste Führungsverantwortung", beschreibt der Private Banker seine erstaunliche Karriere. "Ich war immer mit Abstand viel, viel jünger als meine Kollegen und schlagartig in der Erwachsenenwelt." Abgehoben hat er trotz dieser steilen Karriere anscheinend nicht. "Ich lerne gerne neue Leute kennen, habe auch immensen Respekt vor der Lebensleistung."

Mittelständler sind die neue Zielgruppe

Da trifft es sich gut, dass gestandene Mittelständler (mit einem Unternehmenswert über zehn und einem Privatvermögen über drei Millionen Euro) eine der neuen Zielgruppen von Credit Suisse Deutschland sind. Mit durchaus auch interessanten Jobperspektiven. "Die Grenzen zwischen Private Banking und Investment Banking verschwimmen hier", erklärt Deutschland-Chef Brandt. Für die Mittelständler macht Credit Suisse nicht nur die private Finanzplanung, sondern berät auch bei Unternehmensfragen. Klassisches Investmentbanking: M&A, alternative Finanzierung und Ähnliches. Hier kann Credit Suisse auch ihre globale Präsenz und Vernetzung ausspielen.

Wer zu Credit Suisse will, muss zweifellos "finanztechnisch" gut sein. Interessanterweise zählen aber die formalen Voraussetzungen, Diplome und Noten, weniger als anderswo. Nirgendwo ist von Prädikatsexamina die Rede, oder von CFA oder MBA. Deutschland-Chef Brandt selbst ist Absolvent der Bankakademie, Berater Timo Antons hat brufsbegleitend ein FH-Studium absolviert, Düsseldorf-Mann Daniel Sauerzapf hat nicht einmal Abitur. Was Credit Suisse von seinen Mitarbeitern erwartet, bringt dieser so auf den Punkt: "Letztlich ist es eine Frage der Grundeinstellung. Sozialkompetzenz, Elan, Leistungsbereitschaft, Fleiß - im Notfall müssen Sie sich für einen Kunden zerreißen." Wer von einer anderen Bank zu Credit Suisse wechseln will, von dem wird verlangt, dass er einen kompletten "Business Case" vorlegt. Die Bank will nicht nur wissen, was der Bewerber kann und mitbringt, sie will auch wissen, wie sie durch ihn Geld verdienen kann.

Für Hochschulabsolventen (und Banker mit ein paar Jahren Berufserfahrung) hat Credit Suisse ein eigenes, international durchgeführtes "Train to RM"-Programm entwickelt. Voraussetzung für die Teilnahme sind ein abgeschlossenes Studium (BWL, VWL, Jura, Mathematik) inklusive Praktika im Finanzbereich oder zwei bis drei Jahre Berufserfahrung im Finanzbereich mit dem Nachweis eigener Fortbildungsanstrengungen. "Bahamas, Braunschweig, Dubai, natürlich auch London und Zürich, das war die Spanne der Teilnehmer", sagt Antons, der das Programm im vergangenen Jahr als einziger Deutscher unter 20 Teilnehmern durchlaufen hat. "Train to RM" verbindet Online-Learning, Präsenzveranstaltungen und Mentoring durch einen Senior-Berater. Kein Zuckerschlecken: "Man muss ständig Tests bestehen", berichtet Antons. "Für die Vorbereitung habe ich manches Wochenende geopfert."

Credit Suisse schlägt hier gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Das firmeninterne Programm, das ein bisschen an ein CFATraining erinnert, hebt das Know-how der Teilnehmer auf ein europaweit einheitliches Qualitätsniveau, schwört die Teilnehmer aber zugleich auch auf die Firmenphilosophie ein und schafft bankinterne Netzwerke, die dann auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit erleichtern. "Ich bin nicht wegen des Geldes von der Citibank zu Credit Suisse gewechselt", sagt Sauerzapf. Was dann? "Langjährige Partnerschaft mit den Kunden und die Möglichkeit, den Kunden individuell und mit unternehmerischen Freiräumen beraten zu können." Das ist es, was alle Credit Suisse-Mitarbeiter sagen. Es ist die Firmenphilosophie, die allen eingeträufelt wird, eingefordert und gelebt, heruntergebetet wie ein Mantra. Wäre die Credit Suisse nicht eine Bank, müsste man sie fast für eine Sekte halten.

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