Privatbank Marcard, Stein & Co: Nur für Multimillionäre

Die Hamburger Privatbank Marcard, Stein & Co ist Spezialist für sehr große Vermögen. Auf Wunsch kauft und verkauft die Bank auch Immobilien - und das weltweit.

Christoph Mohr | , aktualisiert

Man könnte sie die Multimillionärsbank nennen. Marcard, Stein & Co, Privatbank mit Sitz an der vornehmen Hamburger Binnenalster, ist spezia lisiert auf die Reichen, oder besser gesagt auf die exklusive Klientel der Superreichen. Von 25 Millionen Euro an aufwärts kümmert sich die „Family-Office-Bank“ um die Belange sehr wohlhabender Familien, um Geld, aber auch ein bisschen mehr. „Wir machen nicht Private Banking im eigentlichen Sinne“, erklärt Thomas R. Fischer, Sprecher des Vorstands der Marcard, Stein & Co AG. „Wer 100 Millionen besitzt, dem geht es nicht um ein Prozent mehr oder weniger bei der Geldanlage, sondern um die langfristige Sicherung seines Vermögens, bis in die nächste Familiengeneration.“

„Die erste Aufgabe eines Family Office ist es, Ordnung und Transparenz in die komplexen Vermögensverhältnisse zu bringen“, sagt Peter Schaubach, Leiter des CFFO Center for Family Office an der European Business School (EBS), der wohl einzigen Hochschule, die sich gegenwärtig in Deutschland mit den Superreichen beschäftigt. „Da geht es nicht nur um liquide, irgendwo angelegte, Vermögensteile, sondern auch um Immobilien, Land- und Forstbesitz, Kunst und Schmuck, nicht zuletzt natürlich um die eigenen Firmen, die möglicherweise vererbt oder verkauft werden müssen.“ Controlling und Reporting sind denn auch die Schlüsselbegriffe in der „umfassenden Kundenbetreuung“, wie Fischer es ausdrückt.Mit Hilfe einer eigenen Reporting-Software ist die Bank jederzeit in der Lage, den Wert des Gesamtvermögens und einzelner Vermögensbestandteile anzugeben. Mehr noch: Die Bank übernimmt auch die gesamte  Steuerkalkulation bis zur Vorbereitung der Steuererklärung.

„Hüter des Vermögens“

Mindestens einmal im Monat präsentiert so beispielsweise Volker Pengel einem Mandanten einen „Vermögensstatusbericht“, der einen Überblick über das gesamte Vermögen und seine Entwicklung gibt. Man scheut sich den 32-jährigen Bankkaufmann und Diplom-Wirtschaftsjuristen einen Kundenbetreuer zu nennen; er selbst sieht sich als „Hüter des Vermögens“ eines Mandanten. Beim Gespräch in der Hamburger Bank oder am Wohnort des Mandanten bespricht Pengel dann die großen Anlagestrategien, etwa die Aufteilung des Vermögens in verschiedene Anlageklassen (zum Beispiel Aktien, Anleihen, Immobilien) und Einzelentscheidungen. „Wir empfehlen unseren Mandanten, ihr Vermögen auf allen fünf Kontinenten zu investieren – auch physisch", sagt Bankchef Fischer. Marcard, Stein & Co überwacht, wie etwa Investmentmanager in London, New York oder Hongkong mit den Kunden geldern umgehen. „Spannender sind natürlich Kunden, die aktiv sind, die fordern“, sagt Pengel. „Es gibt auch Kunden, die einmal in der Woche kommen.“ Aber: „Ich bin nicht Produktanbieter, ich bin Sparringspartner.“ Marcard, Stein & Co sieht sich als unabhängiger Sachwalter: „Wir verkaufen nicht wie andere Banken eigene Anlageprodukte, und wir bekommen auch keine Provisionen bei Transaktionen“, sagt Bankchef Fischer.

Der Mandant zahlt ein vorab ausgehandeltes  Honorar – und kann ruhig schlafen. „Unsere Unternehmensphilosophie ist es, einen Zugewinn an Lebensqualität bei unseren Mandanten herzustellen“, sagt Fischer. Zu dem Rundum-sorglos-Paket für Multimillionäre gehört auch ein vierköpfiges Team so genannter Convenience Officers. „Meine Aufgabe ist es, unseren Kunden Freiräume im Privaten zu schaffen“, sagt Denise Seisselberg. Zum Teil macht die gelernte Hotel fachfrau, das, was auch der Chef-Concierge in einem Luxushotel machen würde: Theater- oder Konzertkarten besorgen, Hotels in aller Welt reservieren oder Flugtickets buchen. „Ein bisschen wie ein privates Reisebüro“, lächelt die hübsche 27-Jährige. „Ein Flug nach Moskau“ vielleicht, „ein Wochenendtrip oder eine Weltreise“. Aber das ist das Normale, Alltägliche sozusagen. Convenience Managerin Seisselberg aber wird auch da aktiv, wo es um die ganz private Familienfeier geht, das Geschenk zum Muttertag, den Silvesterevent inklusive Feuerwerk, eine Wohnung in Hamburg für die Tochter eines Kunden suchen oder eine Landeerlaubnis für den Privatjet auf dem Hamburger Flughafen besorgen. Und dann sind da noch die „Anrufe zum Diktat“. Wer will, kann nämlich seine gesamte private Korrespondenz über die Bank abwickeln lassen, kann die  Anschrift der Bank auch als Adresse der Fami lienstiftung verwenden oder – subtile hanseatische Angabe – sogar auf seine Visitenkarte drucken.

Family Offices, die Königsklasse der Vermögensverwaltung, sind in Deutschland ein noch junges Phänomen. Als Bank, die ausschließlich das Family-Office-Geschäft betreibt, ist Marcard, Stein & Co hierzulande wohl einzigartig. „Und von der Mitarbeiterzahl (50) her, sind wir sicherlich auch einer der ganz Großen“, sagt Marcard-Chef Fischer. Zwischen 3000 und 5000 Vermögen über 25 Millionen Euro gibt es nach Schätzungen in Deutschland, vor allem von der Generation der mittelständischen Unternehmensgründer nach dem Zweiten Weltkrieg erarbeitetes Geld. Die oft zitierte Manager-Magazin-Liste der 300 reichsten Deutschen zeigt allein gut 100 Familien oder Einzelpersonen mit einem jeweiligen Gesamtvermögen von über einer Milliarde Euro, angeführt von den Gebrüdern Karl und Theo Albrecht (Aldi) mit 17,5, beziehungsweise 17 Milliarden Euro. Als 500-köpfiger Familienclan bringen es die Brenninkmeijers (C & A) auf 25 Milliarden – und unterhalten mit Anthos (in Deutschland unter dem Namen Cora) ein eigenes, sehr verschwiegenes Family Office. „Ein solches (single) Family Office, das leicht mit Kosten von jährlich einer Million Euro zu Buche schlagen kann, macht aber erst bei einem Vermögen von mehr als 150 bis 200 Millionen Euro Sinn“, erklärt Experte Schaubach. Die Lösung ist das Multi-Family-Office, wo ein Vermögensverwalter mehrere Familienvermögen unter seine Fittiche nimmt.

Das ist auch der Markt für die Bank Marcard, Stein & ihre Konkurrenten. Der Markt ist allerdings intransparent, weil kein Vermögensverwalter gezwungen ist, die Zahl der Mandate und das Gesamtvolumen der betreuten Vermögen zu veröffentlichen. Neben den Banken wie Berenberg Bank oder Lampe und banknahen Finanzinstituten wie die Deutsche Family Office GmbH tummeln sich hier auch Rechtsanwälte, Steuerberater und unabhängige Finanzberater. Große Player sind die Wilhelm von Finck AG, das ehemalige, 2005 von der Deutschen Bank übernommene Family Office der alten Bankerdynastie und UBS Sauerborn. Deutsche Bank und UBS haben versucht, sich durch diese Übernahmen in den Markt einzukaufen. Oft genannt werden auch die unabhängigen Vermögensverwalter Spudy & Co Family Office GmbH in Hamburg oder die Münster Stegmaier Rombach Family Office GmbH in Bad Waldsee (Oberschwaben).

Marcard, Stein & Co, mit einer Bilanzsumme (2006) von 193 Millionen Euro und einem Bilanzgewinn von zwei Millionen, ist fast einzigartig, weil es als Bank ausschließlich im Family-Office-Geschäft aktiv ist. Wie viele Mandanten Marcard, Stein & Co hat und wie groß das gesamte verwaltete Vermögen ist, veröffentlicht die Bank nicht; Schätzungen von Marktbeobachtern gehen von drei, vier Dutzend aus, Tendenz steigend. Die Kunden kommen weitgehend durch Empfehlung: „Wir brauchen dazu keine Golfturniere oder sonstigen Events.“ „Die Banklizenz ermöglicht uns ein noch größeres Servicespektrum“, sagt Bankchef Fischer. „Wir können hier alles von der Depotaufbewahrung über Zahlungsverkehrabwicklung bis hin zu Devisentermingeschäften  anbieten.“ Kurioses Detail: Marcard, Stein & Co unterhält auch einen eigenen Bankschalter, an dem sich die millionenschweren Kunden physisch Geld auszahlen lassen können. Einige der spannenden Deals kommen auch durch die Anbindung an die Hamburger Traditionsbank M.M.Warburg zustande, die Marcard, Stein 1998 übernahm. Große Privatplatzierungen, exklusive Investitionsmöglichkeiten. Da werden dann schon einmal 500 Millionen Euro in 3000 Kesselwagons (!) investiert oder der größte Solarpark Europas mitfinanziert.

"Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein"

Was Marcard, Stein & Co alles kann, zeigt auch Maik Rissel, Leiter des Immobilien-Portfoliomanagements. „Ich bin jetzt seit 14 Jahren im Immobiliengeschäft. Bei Marcard habe ich das Gefühl, angekommen zu sein. Es ist wie eine Symbiose der Immobilien- und Bankenwelt“, sagt der 34-jährige Diplom-Immobilienwirt. Das volle Programm: Kontakte zu Bauträgern und Projektentwicklern, zu Maklern, zu Bankern und Fondsmanagern. Rissel investiert nicht nur in Immobilienfonds oder Aktien, sondern sucht und bewertet auch physisch Immobilien. „Das kann in Hamburg genauso sein wie in Macao oder Neuseeland.“ Auf Wunsch eines Mandanten kauft Rissel Immobilien – oder verkauft sie auch. „Immobilien sind eine wichtige Anlageklasse für unsere Mandanten“, sagt der Immobilien-Mann, „20 bis 40 Prozent des Kundenvermögens sind hier investiert und oft ist es die wichtigste oder zweitwichtigste Assetklasse.“ Marcard, Stein & Co empfiehlt neben Immobilien im Übrigen auch Investitionen in die Land- und Forstwirtschaft – und das weltweit. Auch dafür hat man die geeigneten Experten.

Da es den „Family Officer“ bislang in Deutschland nicht gab und sich die Anbieter deshalb gute Leute kaum gegenseitig abspenstig machen können, bieten sich auch ungeahnte Chancen für Hochschulabsolventen und Young Professionals, in diese Welt des großen Geldes einzusteigen. „Wir suchen jedes Jahr zwei bis drei Hochschulabsolventen und zwei bis drei Young Professionals mit zwei bis drei Jahren Berufserfahrung“, sagt Recruiterin Kathrin Lehmann. Denen bietet Marcard, Stein & Co das Tarifgehalt (45000 bis 50000 Euro Jahresgehalt) plus Leistungsbonus (bis 15 Prozent des Jahresgehalts), darüber hinaus die Teilnahme am internen Weiterbildungsprogramm der Warburg-Gruppe. Dazu gehört auch die Finanzierung der Ausbildung zum Certified Financial Planner (CFP). Erwartet werden von den Bewerbern überdurchschnittliche Examina in den üblichen Studiengängen (BWL, VWL, Jura) oder signifikante Joberfahrung. Aber die fachliche Qualifikation ist nur ein Faktor. „Wir suchen Leute mit Persönlichkeit und Charakterfestigkeit“, sagt Personaler Martin Wehrle, „nicht smart und aalglatt. Wir fragen nicht: Spielen Sie Golf? Wir fragen: Sind Sie in der Lage, einem gestandenen deutschen Mittelständler zu sagen: Dieses Investment ist Unsinn.“

Vorreiter Quandt: Die Milliardärsfamilie hat den deutschen Family-Office-Markt geprägt

In den USA entstanden die ersten Family Offices bereits Ende des 19. Jahrhunderts, als die Rockefellers, Vanderbilts und Carnegies darangingen, ihre Riesenvermögen in Eigenregie zu verwalten. Als Vorreiter der Family-Office-Idee in Deutschland gilt die Industriellenfamilie Quandt: Bei seinem Tod 1967 hinterließ Harald Quandt eines der größten Vermögen in Deutschland; um die Milliardensumme zu verwalten, gründeten die fünf erbenden Töchter die Harald Quandt Holding GmbH als eines der ersten Family Offices in Deutschland.
1988 gründen Harald Quandt Holding und Jochen Sauerborn den Vermögensverwalter Feri, der die Family-Office-Dienstleistungen auch anderen vermögenden Familien zugänglich macht. Auch das bereits ein Stück deutscher Finanzgeschichte: 1988 steigt Sauerborn mit 50 Mitarbeitern aus Feri aus und macht sich mit der Sauerborn Trust AG selbstständig. 2004 übernimmt die Schweizer Großbank UBS Sauerborn Trust und kauft sich damit in den deutschen Markt zur Betreuung Superreicher ein.
Aus Feri sind die Quandts mittlerweile ausgeschieden; die letzten Anteile verkauften sie 2006 an MLP. Nach dem Verkauf gründet die Familie Harald Quandt die HQ Trust GmbH als Multi-Family-Office sowohl für einzelne Mitglieder der Familie als auch für vermögende Dritte und Stiftungen. Zu der in Bad Homburg bei Frankfurt beheimateten Gesellschaft gehören mehrere Anlagefirmen (Private Equity, Hedge Fonds, Immobilien) weltweit, unter anderem in New York, Hongkong, Singapur, London und den Cayman Islands. Auch die Finanzwelt ist klein. Die Family-Office-Software, die ursprünglich für die Quandts entwickelt worden war, findet heute bei Marcard, Stein & Co Verwendung.

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