Premium- oder Golf-Klasse? Mit welchem MBA Manager besser fahren

Ob ein Management-Master gut ist, erkennen Bewerber nur mit viel Mühe. Auf welche Kriterien es ankommt.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Mit welchem MBA Manager besser fahren

Foto: Cla78/Fotolia.com

Wenn es nur Schwarz und Weiß gäbe, wäre vieles leichter. Ein Managementstudium an einer Top-Wirtschaftshochschule in Deutschland würde den Weg in die Vorstandsetagen ebnen, Studiengänge an weniger bekannten Hochschulen wären ihr Geld nicht wert.

Nur: So einfach ist es auch beim Master of Business Administration (MBA) in Deutschland nicht. Denn neben der Handvoll MBA-Anbieter mit internationalen Gütesiegeln gibt es etliche, die Qualität bieten, aber nicht auf eine Karriere in Konzernen oder Topberatungen vorbereiten. Sie sind die Golfklasse – solide, bezahlbar, aber kein Premiumprodukt.

Welcher MBA kommt durch den TÜV?

Nur: Woran erkennen Bewerber diese Studiengänge? Was unterscheidet sie vom Rest der mehr als 320 deutschen MBA-Programme, darunter einigen Möchtegern-Studiengängen, die den Hochschulen viel Geld bringen, den Studenten aber wenig Weiterbildung?

Vollzeit, Teilzeit, für junge oder erfahrene Manager? Das sind grundlegende Entscheidungen wie die, ob Cabrio, SUV oder Kombi beim Autokauf. Die meisten Anbieter setzen aufs Teilzeitstudium: Der MBA für den Nachwuchs, der Executive MBA (EMBA) für Erfahrene.

Studiengänge kann man leider nicht testen wie einen Neuwagen. "Bildung ist ein Vertrauensgut", sagt Wirtschaftsprofessor Ulrich Hommel, der sich auch als Prüfer für den Hochschul-TÜV der europäischen Organisation EFMD engagiert. Einen Golf kann man anschauen, anfassen, es gibt mehr oder weniger unabhängige Tests. Wer ihn kauft, weiß, was er bekommt – und worauf er im Vergleich zum BMW verzichtet.

Bei Studiengängen ist das schwieriger. "Die Studenten suchen händeringend nach Indizien, dass sie sich beim MBA richtig entschieden haben", sagt Hanspeter Vietz, der das MBA-Programm der Universität Augsburg leitet.

Vietz glaubt, dass Bewerber den Marketingversprechen nicht hilflos ausgeliefert sind, dass es Kriterien gibt, anhand derer Interessenten die Qualität eines MBA einschätzen können. Andere Branchenkenner sehen das ähnlich.

So wie man beim Auto PS-Stärke, Wiederverkaufswert oder Punkte im Crashtest vergleichen kann, zählen beim MBA die Betreuung, die Jobs der Alumni, das Programm-Management oder die Dozenten zum Prüfkatalog.

Für Vietz ist so etwas wichtig. Er leitet ein Programm, das keines der drei international wichtigen Gütesiegel (Equis, Amba, AACSB) vorweist, das nicht in internationalen Ranglisten auftaucht – und dem Branchenkenner dennoch das Prädikat "sehr gut" verleihen.

MBA-Guide basiert auf Akkreditierungsresulaten

Das sagen nicht nur Experten – das sagen auch jene, die das Programm geprüft haben. Denn die Akkreditierung einer deutschen Agentur ist Pflicht. Professoren anderer Hochschulen, Praktiker und Studenten nehmen die Studiengänge unter die Lupe – und bringen ihre Erkenntnisse in einem Bericht zu Papier.

Diese sind im Internet auf den Seiten der staatlich anerkannten Agenturen abrufbar. Das Programm der Uni Augsburg etwa hat die Agentur Fibaa als "exzellent" bewertet – und damit weit besser als Golfklasse.

"Die Akkreditierungsberichte sind die einzige neutrale Quelle, die man von außen hat", sagt Detlev Kran, Herausgeber des MBA-Guides. Eine neutrale Quelle, die aber Tücken hat. Denn letztlich beruhen die Siegel auf dem Urteil von wenigen Prüfern, die das Konzept MBA von ihrer Heimathochschule nicht immer kennen. Und ob der MBA wirklich allgemeines Managementwissen vermittelt, das prüfen nicht alle. Als alleiniges Entscheidungskriterium taugen sie also nicht.

Noch interessanter ist: Wer unterrichtet im MBA? Nur die eigene Fakultät, wobei jeder Professor mehrere Themen abdeckt, die er nur so halb beherrscht? Oder eigene Professoren, Dozenten anderer Hochschulen sowie Praktiker? Zu beurteilen, ob die gut lehren können, ist von außen schier unmöglich.

Was Bewerber aber fordern können, ist ein Mix aus Fallstudien, Diskussionen, Simulationen und echten Projekten. Gute Lehre bieten vor allem schon jahrelang angebotene und damit stetig verbesserte MBAs.

Die MBA-Marke

Mit dem MBA erwerben Studenten nicht nur Managementwissen und Kontakte, sondern einen Titel, bei dem das Renommee der Hochschule zählt. Manche staatliche Uni ist nun einmal bekannter als etwa die Hochschule Reutlingen, deren Programm auch in der Golfklasse genannt wird.

Es gehe darum, "wie ich mich als Arbeitnehmer positioniere", sagt Karlheinz Schwuchow, der Hochschulen in Deutschland und Österreich geleitet hat. Das ist wie mit Skoda, VW und Seat – die Qualität ist ähnlich, die Strahlkraft der Marken ist es nicht.

Wer ein Auto kauft, macht eine Probefahrt, wer einen MBA plant, sollte genauso Probe sitzen. "An einem Wochenende im Kurs zu sein, ist zwar auch nur eine kleine Stichprobe, aber sie gibt ein gutes Gefühl, ob das Programm passt", sagt EFMD-Prüfer Hommel. Gute MBA-Anbieter haben damit kein Problem. Bei denen, die das ablehnen, gilt: Vielleicht hat die Hochschule noch mehr zu verbergen als ihre Studenten und Dozenten.

Wichtig ist auch, mit wem man in der Klasse sitzt. Was nützt die Freude über lasche Zulassungskriterien, wenn einige Kommilitonen aber massiv das Niveau drücken? Wenn MBA-Anbieter einen Englischnachweis wie den TOEFL-Test oder den Standardtest für MBA-Programme GMAT sowie echte Auswahlgespräche verlangen, ist das ein Plus.

Hoher Anspruch oder leichter Titelgewinn? Das ist auch eine Frage der Arbeitsbelastung, die in sogenannten Credit Points gemessen wird. 60 oder 90 sind üblich, Experten raten zu den Programmen mit höherer Belastung. Ein MBA sollte all das enthalten, was die europäischen MBA-Richtlinien der EFMD für Hochschulen unverbindlich vorgeben. Doch die Kurse wie Marketing, Finanzierung, Strategie oder Personalmanagement sollten nicht wie "Silos" einer nach dem anderen abgearbeitet werden, sagt EFMD-Prüfer Hommel. Es gehe um vernetztes Denken. 

Check: Partner, Vergabe und Betreuung

Je besser die Hochschule, desto renommierter die Partner, mit denen sie zusammenarbeitet –  die TU München und die RWTH Aachen etwa haben für ihre EMBAs die Schweizer Kaderschmiede St. Gallen gewonnen. Für Bewerber ist wichtig, welche Partneruni was anbietet. "Dass viele Auslandsaufenthalte oder eine hohe Quote internationaler Teilnehmer das Programm inhaltlich besser machen oder einfach nur "cooler", darf zumindest bezweifelt werden", heißt es an der RWTH Aachen.

Genau hinschauen müssen Interessenten, wenn der deutsche Anbieter den MBA gar nicht vergeben darf, sondern dafür eine ausländische Hochschule verpflichtet. Nur wenn diese renommiert ist, etwa internationale Siegel hat, lohnt sich ein zweiter Blick.

Das Studium ist eine hohe Investition in die eigene Zukunft, 28.000 Euro teuer in Augsburg, 32.000 Euro teuer an der TU München oder der RWTH Aachen. Umso wichtiger ist die Betreuung der zahlenden Kunden. Gibt es Mitarbeiter, die sich ausschließlich um die Seminarorganisation kümmern? Wie schnell stellen sie Kontakt zu Ehemaligen her? Denn mit denen sollten Bewerber auf jeden Fall sprechen. Auch um zu erfahren, bei welchen Firmen sie heute arbeiten.

International

Die wichtigsten freiwilligen globalen Gütesiegel für Wirtschaftsunis sind Equis und AACSB, für die Wirtschaftsstudiengänge sind es Amba und Epas.

National

Eine Prüfung durch eine von zehn vom Akkreditierungsrat anerkannten Agenturen ist in Deutschland Pflicht. Die bekanntesten sind die auf Wirtschaft spezialisierte Fibaa sowie Acquin und Zeva. Den deutschen Prüfern wird oft vorgeworfen, dass sie Mindeststandards abfragen, die globalen Siegel haben weit höhere Anforderungen.

Top

Zur Premium-Liga hierzulande gehören die staatlichen Unis in Mannheim und Frankfurt, die HHL – Leipzig Graduate School of Management, ESMT, ESCP Europe und WHU – Otto Beisheim School of Management.

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