Praxisferne Akademiker Mit veraltetem Faktenwissen in die moderne Arbeitswelt 4.0

Digitalisierung findet an den Hochschulen kaum statt. Aus Unternehmenssicht wäre das gar nicht mal so tragisch, wenn Jungakademiker nach dem Studium zumindest anpassungsfähig und selbstständig wären. Sind sie aber nicht.

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Mit veraltetem Faktenwissen in die moderne Arbeitswelt 4.0

Akademiker im Berufsleben

Foto: alphaspirit/Fotolia.com

Nicht nur Angestellte in der Produktion und Computerspezialisten stehen vor Veränderungen. In nahezu jedem Job zeichnet sich der Wandel ab: Die Digitalisierung verändert auch technikferne Berufe, viele akademische Tätigkeiten können wohl irgendwann durch Automatisierung ersetzt werden.

Einfluss auf die Ausbildung hat das häufig nicht. Vielerorts scheinen Internet und Digitalisierung Neuland zu sein. Und auch an den Hochschulen ist das Thema moderne Arbeitswelt vielfach Zukunftsmusik. Darauf deutet der "Hochschul-Bildungs-Report 2020" vom Stifterverband und der Unternehmensberatung McKinsey & Company hin.

Für den aktuellen Report mit dem Schwerpunkt "Hochschulbildung für die Arbeitswelt 4.0" wurden mehr als 300 Unternehmen befragt, wie sie die Fähigkeiten der Hochschulabsolventen einschätzen. Das Ergebnis: Drei von vier der befragten Firmen gehen davon aus, dass Verwaltungstätigkeiten automatisiert werden. 39 Prozent rechnen mit dem Wegfall akademischer Berufe und deren Ersatz durch Maschinen.

Bulimie-Lernen rächt sich

McKinsey-Seniorpartner Jürgen Schröder geht auch von veränderten Berufsbildern aus: "Akademiker benötigen mehr und tiefergehende digitale Kompetenzen als bisher, beispielsweise in der Auswertung von Statistiken oder in der digitalen Analyse und Beurteilung großer Datenmengen."

Was sie aber vor allem brauchen, sind die sogenannten Soft Skills, also Persönlichkeitsmerkmale, die man zwar nicht studieren, wohl aber trainieren kann. Und hier beklagt Volker Meyer-Guckel, der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbands dass die Hochschulen darauf zu wenig vorbereiten. Dort herrsche Bulimie-Lernen statt eigenständigem Erschließen von Inhalten.

Das räche sich, wenn in Zukunft akademische Routinetätigkeiten wegfallen, bei denen man stur nach dem erlernten Schema vorgehen konnte. Dann sei selbstständiges und kollaboratives Arbeiten verlangt, heißt es in dem Bericht. Für die Entwicklung dieser Merkmale ist während des Studiums offenbar kein Raum.

Stattdessen, so die Klage der Unternehmen, seien die Absolventen voller Faktenwissen, das morgen veraltet und damit nutzlos sein kann.

"Wir müssen weg vom konsumierenden, hin zu einem aktiven, kreierenden und auch forschenden Lernen", fordert Meyer-Guckel. Als Beispiele nennt er interaktive Lernformate wie das "Blended Learning", das verschiedene Medien und Methoden wie Präsenzunterricht und E-Learning kombiniert.

Außerdem sollten Hochschulen ihren Studierenden mehr Wahlmöglichkeiten und Raum für Schwerpunkte bieten. Wichtig für ein solches individuelles Studium sei die begleitende Einführung eines Kompetenzcoachings, das Studierende bei der Wahl von Modulen berät.

Hochschulkooperationen können helfen

Erste Schritte in diese Richtung gibt es bereits, beispielsweise das Studium Individuale der Leuphana Universität in Lüneburg oder auch das Modell der Technischen Universität Hamburg-Harburg mit der erweiterten Studieneingangsphase.

Individuelleres und praxisorientiertes Lernen werde außerdem durch mehr Flexibilität bei der Wahl der Lernorte möglich: Hochschulen sollten Meyer-Guckel zufolge deshalb künftig stärker mit anderen Hochschulen, Berufsschulen, privaten Bildungsanbietern und Unternehmen kooperieren.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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