Praktikum | Bewerben Ausgesprochen gut

Nur wer richtig kommuniziert, kommt erfolgreich durchs Praktikum. Karriere- und Rhetoriktrainer verraten, wie sich Studenten in Unternehmen souverän präsentieren – von der Bewerbung bis zur Verabschiedung.

Nils Hille | , aktualisiert

Ausgesprochen gut

Foto: FOTOCROMO/SXC

Losposaunen oder innehalten?

Angespannt sitzt der erste Bewerber vor der Personalerin. Auf die einfachsten Fragen findet er nur mit Mühe eine Antwort, stottert und klammert sich mit den Fingern an der Tischplatte fest. Die zweite Kandidatin erzählt ohne Unterbrechung und mit großen Gesten von sich und ihrem Leben. Sie wiederholt sich dabei mehrfach und gibt gleich mal ein paar Tipps, wie sich das Unternehmen besser aufstellen könnte. Die Personalerin kommt bei ihr kaum zu Wort.

Welcher der beiden Kandidaten bekommt den einen zur Verfügung stehenden Praktikumsplatz? „Keiner von beiden“, entscheidet Linda von dem Bussche, Leiterin Talent Management bei BASF. "Beide haben durch ihre Art der Kommunikation zwar einen bleibenden, aber keinen positiven Eindruck hinterlassen."

Mund, Augen und Ohren auf: Nur wer souverän spricht, genauso gut beobachten und noch besser zuhören kann, wird einen guten Praktikumsplatz ergattern. All das Fachwissen und die guten Noten, die Sprachkenntnisse und die Auslandserfahrung helfen Studenten erst dann weiter, wenn sie ihre Fähigkeiten auch vermitteln können.

Gewinnen ist alles

"Das Wichtigste in der Arbeitswelt ist und bleibt die Kommunikations- und Kontaktfähigkeit", sagt Jürgen Hesse. Der Karrierecoach empfiehlt daher eine umfassende Vorbereitung. Und das auch, wenn es nur um ein Praktikum geht, bei dem sich Studenten für einen geringen Lohn erst mal ausprobieren wollen. "Kandidaten für jede Position haben immer erst eine Bringschuld. Sie müssen den potenziellen Arbeitgeber für sich gewinnen, in dem sie ihr Anliegen angemessen kommunizieren", erklärt Hesse.

Diese Vermittlung beginnt schon bei der schriftlichen Bewerbung. Nur die Auflistung einzelner Stationen im Lebenslauf und allgemeine Floskeln sprechen keinen Personalentscheider an. Hier sind konkrete Aussagen gewünscht. „Ein Kandidat sollte Gründe dafür liefern, wieso er sich gerade bei diesem Unternehmen bewirbt und warum er genau dessen Branche, Tätigkeitsfeldern und Projekten besonders zugewandt ist“, sagt Xenia von Moreau, Trainerin bei Fromm Managementseminare und -beratung in Hamburg. Sie schult Fach- und Führungskräfte großer deutscher Unternehmen in Sachen Kommunikation.

Der zukünftige Chef will bei einer Bewerbung gleich im Anschreiben erkennen, dass sich der Kandidat mit dem auseinandergesetzt hat, was der Konzern tut. Hesse empfiehlt, bei der Konzeption der schriftlichen Bewerbung ein Raster mit neun Feldern im Hinterkopf zu haben. Die waagerechte Achse ist die Zeitschiene. Hieran sollte der Student die drei Bereiche "Vergangenheit", "Gegenwart" und "Zukunft" schreiben. Auf der senkrechten Achse vermerkt er die Oberbegriffe "Kompetenz", "Leistung/Motivation" und "Selbstbeschreibung/Charakter".

Nun füllt der Bewerber die neun Felder aus. In der schriftlichen Bewerbung beantwortet er damit die drei entscheidenden Fragen zur beruflichen Biografie:

  • Woher komme ich?
  • Wo stehe ich?
  • Und wo will ich hin?

"So vermittelt der Kandidat konkret und persönlich, was er schon theoretisch gelernt hat, was er praktisch ausprobieren will und welche Motivation er dafür mitbringt", sagt Hesse.

Die Eigenwerbung geht dann mit dem Vorstellungsgespräch weiter. "Der Bewerber sollte positiv gestimmt und mit einem passenden Maß an Selbstsicherheit auftreten", rät von Moreau. Einen Gedanke sollte er dabei immer im Hinterkopf haben: Personalentscheider laden einen Kandidaten nur ein, wenn sie sich vorstellen können, ihn auch als Praktikanten einzusetzen. "Sie wissen, dass er noch nicht alles kann, aber er schon erste Voraussetzungen für die Arbeit erfüllt", sagt Hesse.

Stärken und Potenziale zeigen

Diese positive Grundstimmung muss der Bewerber im Gespräch ausbauen. Dazu sollte er sich seiner Stärken und Potenziale bewusst sein. Um souverän Auskunft geben zu können, hilft die Vorbereitung auf drei Fragen: Was machen Sie im Studium? Was wollen Sie im Praktikum machen? Wo sehen Sie sich beruflich? Wer sich hierzu Fakten und Beispiele zurechtlegt, braucht keine Angst vor einer stockenden Kommunikation zu haben. 

Genauso hilft es dem Bewerber, wenn er im Vorfeld Fragen entwickelt, die er selbst stellen möchte. Aspekte, die sich mit wenigen Klicks auf der Unternehmensseite im Internet klären lassen, sollten allerdings nicht Thema sein. Dies zeugt nur von einer schlechten Vorbereitung. Kritik und Sarkasmus haben ebenfalls nichts in einem Vorstellungsgespräch zu suchen.

Bewerber sollten sich lieber vorher in die Perspektive des Gegenübers versetzen. Dieser fragt sich, wie er ihn als Praktikanten einsetzen kann. Wenn der Kandidat dem Verantwortlichen von sich aus konkrete Vorschläge machen kann, zeigt er ein hohes Interesse.

Hat der Student den Bewerbungsprozess gut gemeistert, steht für ihn als Praktikant die nächste Herausforderung an: der erste Tag im Unternehmen. "Zugehen auf die Kollegen und eine freundliche Begrüßung mit festem Händedruck eröffnet eine gelungene Kommunikation", sagt von Moreau. Der Praktikant sollte sich bewusst machen, dass viele Mitarbeiter über seine Anwesenheit nicht informiert sind. In den meisten Fällen führt ihn der direkte Ansprechpartner zur Vorstellung durch die Abteilung.

Ein erstes Bild machen

Geschieht dies nicht, sollte der Praktikant von sich aus die Runde drehen. "Dazu gehört nicht nur, den Namen, sondern auch das Praktikum, den Zeitrahmen und das Studium kurz zu erwähnen", sagt Hesse. Die Freude auf das Praktikum zu betonen und jeden auf dem Flur zu grüßen, könne zudem auch nicht schaden.

Gerade die Anfangsphase in dem fremden Unternehmen sollte der Praktikant nutzen, um sich ein Bild zu machen: Wie sprechen die Mitarbeiter untereinander? Wie reden sie mit dem Chef? Was senden sie mir an Signalen? Kann er diese Fragen für sich beantworten, weiß er, wer welche Rolle im Team hat und wie er jeweils angemessen mit ihm kommuniziert.

"Gerade an den ersten Tagen sollten Praktikanten mit Meinungen und Einschätzungen zurückhaltend sein, außer sie werden explizit danach gefragt", empfiehlt von Moreau. Sie können stattdessen besser Fragen zu Produkten und Abläufen stellen.

Gleiches gilt auch für die Pause. Wer von Kollegen zu deren gemeinsamer Gestaltung eingeladen wird, sollte mitgehen, aber nicht gleich einen Schwank aus dem Leben erzählen. "Hier heißt es zunächst: Ohren auf, Klappe halten und vor allem keine Bewertungen zur Arbeit, zum Chef und zu den Kollegen abgeben", rät Hesse.

Gerade das Kommentieren und Lästern der Mitarbeiter ist ein großer Fallstrick für Praktikanten, warnt der Karrierecoach. "Egal wie vertrauensvoll und gut die Stimmung dabei ist: Eine Beteiligung am Flurfunk kann böse enden." Viel besser lassen sich die Gespräche mit den Kollegen zum Netzwerken nutzen. Selbst wenn der Praktikant in dem Unternehmen später nicht arbeiten will, ist jeder Kontakt in die Branche hilfreich.

Um den Draht zum direkten Ansprechpartner zu stärken, sollte der Praktikant sich regelmäßig Rückmeldungen einholen. So kann er seine Person und Arbeit einschätzen und gegebenenfalls verbessern. Negative Kritik nimmt er am besten souverän als Hinweis ernst und nicht persönlich. Zu Fehlern sollte er einfach stehen. "Sie sind normal und werden gerade in dieser Position häufig gemacht", sagt Hesse. Wer sich dann noch entschuldigt und Schlussfolgerungen für seine Arbeit dazu verbalisiert, zeigt: Die Kritik ist angekommen.

Wünsche statt Forderungen

Nach der Anfangsphase kann auch der Praktikant seinem Betreuer Feedback geben. Dabei hilft die Orientierung an zwei Fragen:

  • Was fehlt mir an Informationen und Inhalten?
  • Und was würde ich mir für die Praktikumszeit noch wünschen?

"Es gilt, die Rückmeldung als Ideen oder Wünsche zu formulieren und nicht als Vorwurf, was schnell als überhebliches Verhalten gedeutet werden kann", sagt von Moreau.

Um erfolgreich über die Praktikumszeit hinaus zu kommunizieren, ist oft der letzte Tag im Unternehmen entscheidend. Eine freundliche Verabschiedung ist Pflicht, einen Kuchen mitzubringen eine nette Geste. "So ein Dankritual schaltet vielleicht die Weichen für die berufliche Zukunft", sagt Hesse. Gerade die engsten Kollegen und wichtigsten Ansprechpartner sucht der Praktikant am besten noch einmal separat zu einem abschließenden Feedback auf.

Im Gespräch kommen die Mitarbeiter meist von sich aus auf seine berufliche Zukunft zu sprechen. Hier darf er ruhig Berufswünsche äußern. Nach dem Praktikum sollte der Student eine E-Mail schreiben oder anrufen, wenn es einen berufsbezogenen Anlass gibt, wie die Suche nach einem Thema für die Abschlussarbeit oder der geplante Auslandsaufenthalt. Über die Business-Netzwerke im Internet kann er zudem ohne großen Aufwand nachvollziehen, welcher seiner Kontakte die Position oder das Unternehmen gewechselt hat.

Damit ist wiederum ein Anlass für die Kontaktpflege geschaffen. Moreau: "Ein konkretes Thema bietet den passenden Nährboden für das Wiederaufleben der Kommunikation. Das zieht sich vom Praktikumsende bis zur Bewerbung für einen Job."

In ihrer Praxismappe haben Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader zahlreiche schriftliche Bewerbungen exemplarisch dargestellt. Dazu geben sie Tipps zur Formulierung des Anschreibens und des Lebenslaufs. Die beiliegende CD-ROM hilft beim Vorstellungsgespräch und Praktikumszeugnis weiter.

Praxismappe für Praktikanten, Volontäre, Trainees, Stark Verlag, 16,90 Euro

Wie bewirbt man sich richtig? Wie nehmen Studenten Kontakt mit einem Unternehmen auf? Christian Püttjer und Uwe Schnierda besprechen in ihrem Buch verschiedene Optionen. Ihre „Vorsicht Falle!“-Boxen und Checklisten helfen dabei, die häufigsten Fehler direkt zu vermeiden. Nur das Thema Vorstellungsgespräch ist zu einseitig ausgefallen.

Bewerben um ein Praktikum, Campus Verlag, 9,90 Euro


Dieser Artikel wurde aktualisiert am 10.2.2013.

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