Porträt Stephanie Emmerich IESE hilft der neuen Elite, aus den Fehlern der Krise zu lernen

Stephanie Emmerich scheint es eilig zu haben im Leben, sie ist gerade 25 Jahre alt und schon ein Senior. Ein Senior Consultant bei Roland Berger, genauer gesagt.

Till Hoppe | , aktualisiert


Foto: privat

Karriere wie aus dem Bilderbuch 

Mit 21 fing sie bei der Unternehmensberatung an, ihr Lebenslauf liest sich so, als ob der Berger-Personalchef seine Wunschträume zu Papier gebracht hätte. Mit 17, nach Austauschjahr in den USA und übersprungener Klasse, machte sie das Abitur mit der Note 1,0, an einer englischsprachigen Schule in Stuttgart. Als sie das Studium der Philosophie, Politik und Volkswirtschaft in Oxford mit einem Master abschließt, ist sie 21.

Dann zwei Jahre Roland Berger als Strategieberaterin für Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeitwirtschaft. Mit dem Segen der Firma wechselt sie für 18 Monate nach Barcelona, ein MBA an der spanischen Elite-Schule IESE, als Jüngste des Jahrgangs. Englisch beherrscht sie wie ihre Muttersprache, Spanisch und Französisch nicht viel schlechter. 

Nun arbeitet sie wieder für Berger, befördert zum Senior. Stephanie Emmerich zielstrebig zu nennen, ist wohl noch untertrieben. Die größte Stärke des IESE-Studiums, die ihr einfällt, ist dessen Intensität: Viel Arbeit, im ersten Jahr dauerten die Arbeitstage meist von acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends, und viel Ertrag. „Es war sehr anstrengend, aber es hat auch unheimlich viel gebracht“, sagt sie.

Strenges Durchgreifen

Einerseits fordert die Schule Disziplin ein: In den Kursen herrscht Anwesenheitspflicht. Die Studenten, erzählt Emmerich, müssen zur Sekretärin gehen und sich ihre Teilnahme bestätigen lassen. Wer nicht mitzieht, fliegt raus, da kennt die Leitung kein Pardon.

Im Spanisch-Sprachkurs werden alle zwei Wochen die Lernfortschritte getestet, wer durchfällt, muss wiederholen. Erst im zweiten Jahr des Studiums lässt der Druck etwas nach, aber die Vorschriften bleiben streng.


Foto: privat

Andererseits räume die IESE viel Platz für Kreativität ein, sagt Emmerich: Frontalunterricht gibt es kaum, die Studenten diskutieren ständig über praktische Beispiele, erarbeiten in kleinen, international zusammengestellten Gruppen eigene Lösungen.

So ließ sich eine Brauerei aus den Niederlanden von Emmerichs Team eine Marketingstrategie entwickeln, um ihr Bier in Barcelona zu vermarkten. Das Ergebnis überzeugte, auch wenn ihr das Bier nicht sonderlich geschmeckt hat.

Wirtschaftsethik ist Pflicht

Diskutiert wird aber nicht nur über Verkaufsstrategien und Bilanzierungsregeln. Die IESE gehört der katholischen Kirche, Wirtschaftsethik ist Pflichtfach, bekehrt werde man aber nicht, sagt Emmerich. So sprachen sie über Work-Life-Balance und über die Finanzkrise: Dass es nicht in Ordnung ist, wenn Hypothekenvermittler einfachen Menschen Immobilienkredite aufschwatzen, die sie sich gar nicht leisten können. Oder dass Investmentbanker komplizierte Finanzprodukte konstruieren, deren Risiken sie selber nicht mehr verstehen, nur um die maximale Rendite herauszuholen.

Die neue Elite der internationalen Wirtschaft, sie soll nicht die gleichen Fehler machen wie die alte.

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