Porträt Prophet im eigenen Land

Arne Freundt berät als Inhouse-Consultant das eigene Unternehmen Siemens.

Ulrike Heitze | , aktualisiert

Arne Freundt kann seine Kunden gut verstehen. „Da sind sie eben erst von so einem großen Konzern gekauft worden und schon rauscht eine Horde Berater heran und stellt viele Fragen. Klar, dass man da erst mal Bedenken hat.“ In solchen Situationen die Wogen zu glätten und abgrundtiefe Skepsis in Vertrauen umzuwandeln, ist ein hartes Stück Arbeit – und ein spannendes dazu, findet Freundt. Der 28-Jährige ist Unternehmensberater und so genannte Post-Merger-Integrationen machen einen Teil seiner Projekte aus. Sein Arbeitsrhythmus - Montags bis Donnerstags beim Kunden, Freitags im Heimatbüro in München - erinnert an eine ganz normale Beraterwoche a la McKinsey & Co., Arne Freundts Job ist trotzdem ein bisschen anders. Denn seine Kunden arbeiten in aller Regel beim gleichen Arbeitgeber wie er selbst: Siemens. Der studierte Diplom-Kaufmann ist Projektleiter bei SMC, Siemens Management Consulting, der strategischen Inhouse-Beratung des Technologiekonzerns.

Wo immer auf der Welt das Unternehmen andere Firmen erwirbt, entwickelt Freundt mit den neuen Kollegen gemeinsame Markt- und Vertriebsstrategien sowie Konzepte zur Integration der beiden Unternehmen und setzt sie auch um, wie im obigen Fall beim US-Softwarehaus UGS in Dallas. Die Umorganisation innerhalb des Konzerns kann für SMC und Freundt genauso ein Thema sein wie die Konzeption und Einführung des neuen Compliance-Programmes – Regeln, die die Einhaltung aller Gesetze und internen Vorschriften sichern helfen - oder das Wachstumskonzept für die Siemens Windpower Sparte. „Wir beschäftigen uns letztlich mit all den Themen, die für Siemens wichtig sind“, stellt Arne Freundt fest. Ein Viertel seiner Zeit verbringt er auf Projekten im Ausland, derzeit arbeitet er allerdings ziemlich heimatnah für den Energy Sector am Siemens-Standort Erlangen. Ein Geschäftsfeld, auf das er sich künftig mehr spezialisieren möchte.

220 Mitarbeiter sind bei SMC beschäftigt, an den drei Standorten München, New York und Peking. Pro Jahr werden weltweit rund 40 neue Leute gesucht, Wirtschaftswissenschaftler ebenso wie Ingenieure und andere Naturwissenschaftler. Bei ausgeschriebenen Beratungsprojekten im Siemens-Konzern müssen die Inhouse-Berater von SMC genauso zum Beautycontest antreten wie die externen Unternehmensberatungen. Vielfach werden Projekte auch in Kooperation mit den externen Beratern umgesetzt: „Wir wissen, wie man Themen erfolgreich bei Siemens umsetzt, und die Externen steuern ihre Spezialkenntnisse bei.“

Wohlfühlen in 190 Ländern

Angesehen hatte sich Arne Freundt nach seinen BWL-Studium an der EBS und der HHL Leipzig - Schwerpunkte Marketing und Controlling - ganz gezielt drei Beratungstypen: die Inhouse-Beratungen, die großen externen Consultants und die spezialisierten Nischenberater - von jedem eine. Für SMC entschieden hat er sich letztlich wegen der „weltweiten Präsenz“ von Siemens - der Konzern ist in 190 Ländern vertreten - und des „Wohlfühlfaktors“ während der Bewerbungsphase. Vor gut drei Jahren hat Freundt als Berater bei SMC angefangen, seit Anfang diesen Jahres ist er Projektleiter, die zweite Stufe in der dreistufigen SMC-Hierarchie. Gemeinsam mit seinen Beraterteams und entsprechenden Pendants auf der Kundenseite setzt er die mehrmonatigen Projekte vor Ort beim Kunden um.

Wie man dabei Integrations- oder Reorganisationsprozesse angeht, hat er durch training-on-the-job gelernt. „Du fängst als Berater mit einem kleinem Verantwortungsbereich an und mit der Zeit steigt dann die Komplexität und Verantwortung,“ erzählt er. „Da wächst man rein.“ Ohne analytische Fähigkeiten und einen Sinn für Zahlen und Finanzen ist solch ein Job allerdings nicht zu machen. Auch an der Soft skill-Ausstattung aus der Unizeit muss man über die Jahre hinweg noch ordentlich feilen, um zum Beispiel besagten übernommenen Firmen und Mitarbeitern sensibel begegnen zu Können. Diese kniffligen zwischenmenschlichen Aspekte schätzt Freundt ebenso an seinem Job wie die vielen Themenwechsel: „Obwohl sich alles im selben Konzern abspielt, habe ich noch an keinem Thema oder mit keinem Kunden zweimal gearbeitet. Und durch den weltweiten Einsatz erhält man einen großen Überblick und schafft sich ein großes Netzwerk an Kontakten.“

All das kann ihm bei seinen weiteren Karriereschritten nur nützlich sein. Denn bei SMC hat man das bei Beratungen oft so berüchtigte Beförderungsverfahren „up or out“ ganz neu interpretiert. „Der Zeitpunkt SMC zu verlassen, ist dann gekommen, wenn man bei SMC weniger lernen kann als im Management in einer der Siemens-Sektoren oder in einer vergleichbaren Konzernfunktion.“ Dann ist man reif für die Mutter: Mehr als zwei Drittel der SMC-Berater wechselt nach etwa vier Jahren in den Konzern, übernimmt dort Managementaufgaben in der Linie - und profitiert von den tiefen Einblicken, die man als Inhouse-Consultants in den Konzern hatte.

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