Plan B Wie Sie sich für den Karriere-Notfall wappnen

Umstrukturierungen, Fusionen, neuer Chef – die Karriere kann schneller vorbei sein, als den Mitarbeitern lieb ist. Wie Sie Warnsignale erkennen, einen Notfall-Plan entwickeln und für den Arbeitsmarkt attraktiv bleiben.

Gero Brandenburg | , aktualisiert


Foto: Daniel Ernst/Fotolia.com

Die Luft wird dünner

2012 wird ein schwieriges Jahr: Die Schuldenkrise hängt weiter wie ein Damoklesschwert über der Eurozone und nach dem Boom im vergangenen Jahr steuert auch die deutsche Wirtschaft der Rezession entgegen. In den Führungsetagen der Unternehmen rüstet man sich bereits für die Flaute.

Das heißt aber auch: Konjunktur haben derzeit vor allem Sparprogramme. Großkonzerne wie die Telekom, RWE und Eon kündigen an, tausende Arbeitsplätze streichen zu wollen. Und auch in der Finanzbranche wird die Luft für die Arbeitnehmer merklich dünner.

In diesen Zeiten ist es auch für Führungskräfte ratsam, einen Plan B in der Tasche zu haben. Auch wenn kein konkreter Personalabbau angedacht ist, können Umstrukturierungen, Strategiewechsel oder aber ein neuer Chef die eigenen Karriereträume ganz schnell platzen lassen.

Feedback einholen

Deshalb ist es wichtig, für den Notfall gerüstet zu sein. Das wichtigste Gebot lautet daher: Bleiben Sie attraktiv für andere Arbeitgeber! Wie werden ihre persönlichen Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt eingeschätzt? Wo liegen ihre Stärken, vor allem aber: Was sind ihre Schwachstellen?

Karriere-Beraterin Svenja Hofert rät zum regelmäßigen persönlichen Markttest: "Wer sich von Zeit zu Zeit bei anderen Unternehmen bewirbt, bekommt das nötige Feedback. Wer immer nur Absagen kassiert, sollte dringend an sich arbeiten."


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Natürlich enthält kaum eine Absage eine konkrete Begründung, doch wer stets liest "Leider stimmen Ihre Fähigkeiten nicht mit unserem Anforderungsprofil überein …" sollte überlegen, was genau er verbessern kann. Im besten Fall stößt die Bewerbung auf reges Interesse und es folgt ein konkretes Vertragsangebot.

Und selbst wer am Ende doch beim alten Arbeitgeber bleibt, "gewinnt neues Selbstbewusstsein, wichtige Kontakte und vielleicht sogar – wenn er gepokert hat – ein besseres Gehalt", sagt Hofert.

Gerade Mitarbeiter, die seit vielen Jahren für ihr Unternehmen tätig sind und es sich in den gewohnten Strukturen gemütlich eingerichtet haben, unterlassen es aber, sich regelmäßig einer Analyse zu stellen. Umso größer ist dann der Schock, wenn der Job gekündigt wird.

Wer seine Kontakte pflegt, behält die Oberhand

Neben das Gefühl, für den langjährigen Arbeitgeber nicht mehr gut genug zu sein, tritt die bange Frage, welche Qualitäten man bei der Stellensuche geltend machen kann. Hinzu kommt die Furcht, ob man gut genug für den harten Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt ist. 

Doch soweit muss es erst gar nicht kommen. Wer die Konkurrenz aufmerksam im Blick behält, Fachliteratur studiert, wichtige Kontakte pflegt und Branchenmessen besucht, sprich: sich intensiv darüber informiert, welche Fähigkeiten und Kenntnisse gefragt sind, und vor Weiterbildung nicht scheut, hat die Situation weitgehend selbst im Griff.


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Wem also Verhandlungen mit Vertragspartnern in Asien oder Nordamerika wegen der Sprachblockade schwerfallen, sollte unbedingt sein Business English verfeinern. Heiner Thorborg, einer der renommiertesten Headhunter in Deutschland, bringt es auf den Punkt: "Sie müssen international absolut überzeugend sein. Fließendes Englisch ist deshalb ein Muss. Das ist die einzige echte Weltsprache."

Und wer als Manager in der IT-Branche tätig ist und für neue Arbeitgeber attraktiv sein möchte, kommt ohne ausreichende SAP-Kenntnisse heutzutage kaum noch aus.

Wer seinen Plan B schmiedet, darf vor allem die Kontaktpflege nicht vernachlässigen. Gerade im gehobenen Management spielen persönliche Beziehungen eine große Rolle. Aber auch die Mitarbeiter in den unteren Etagen stärken natürlich ihre Attraktivität, wenn ihr Name in anderen Unternehmen bekannt ist.

Visitenkarten sammeln

Wer seine Kontaktpflege ernst nimmt, hat die nötigen Ansprechpartner parat, falls es in der eigenen Firma eng wird. Wer an Kongressen und sonstigen Branchentreffs teilnimmt – warum nicht als Vortragsredner? – sollte Visitenkarten im Dutzend einstecken.

Solche Veranstaltungen ähneln meist einer Recruiting-Messe. Wer dort mit den richtigen Leuten ins Gespräch kommt, kann seine Karriere in neue Bahnen lenken.


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Ein sorgfältig gepflegtes Profil in sozialen Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn sollte Standard sein. Wer sich in den Diskussionsforen engagiert beteiligt, wird sich über mangelnde Kontaktanfragen kaum beschweren können.

Dabei geht es nicht primär um konkrete Jobangebote, sondern darum, sich nach außen zu präsentieren. Zudem sind soziale Netzwerke wie ein großer Marktplatz: Nirgendwo werden neue Berufstrends schneller sichtbar.

Wer den Passus "suche Herausforderungen" in sein Online-Profil einträgt, signalisiert Bereitschaft zum Jobwechsel. Selbst wenn ihr Vorgesetzter zu den misstrauischen Zeitgenossen zählt, für den die berufliche Neuorientierung des Mitarbeiters mit persönlichem Verrat einhergeht, ist daran kaum etwas auszusetzen.

Jobwechsel erlaubt

Denn wer sucht denn nicht neue Herausforderungen im Joballtag? Konkrete Wechselabsichten sollten allerdings nur informell, im kleinen Kreis gestreut werden ("Ich könnte mir grundsätzlich vorstellen, dass …").

Svenja Hofert rät: "Machen Sie Listen mit Kontakten und vereinbaren gezielte vertrauliche Gespräche – wenn Sie zum Kunden wechseln wollen, auch gern mit den dortigen Vertrauten. Klar müssen Sie diplomatisch vorgehen, aber: Ein Job ist ein Job, Sie können und dürfen ihn wechseln, wann immer Sie wollen."


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Im Vorteil ist, wer für alle Fälle gerüstet ist. Egal, ob nur die Karriere-Sackgasse oder gar die Kündigung droht. Wirklich überraschend geschieht dies selten. Meist gibt es Warnhinweise, bei denen im Hinterkopf die Alarmglocken aufheulen sollten.

Abmahnungen sind natürlich kaum zu übersehen. Um die regelmäßige und scharfe Kritik des Vorgesetzten – etwa in den Feedback-Gesprächen – als negatives Vorzeichen zu werten, braucht es ebenfalls nicht viel Scharfsinn.

Subtiler verhält es sich beim Wechsel an der Führungsspitze. Fast immer betrifft eine solche personelle Veränderung auch die Manager der zweiten, mitunter dritten Führungsebene.

"Neue Besen kehren gut"

"Viele Mitarbeiter machen sich da leider unberechtigte Hoffnungen. Es heißt nicht umsonst: Neue Besen kehren gut. Neue Geschäftsführer und Vorstände arbeiten auf Dauer sicher nicht mit den einstigen Gefolgsleuten ihres Vorgängers zusammen", erläutert Karriere-Coach Hofert.

Eventuell lässt sich das Unternehmen noch ein Jahr Zeit, um das Fachwissen abgreifen zu können. Dann jedoch folgt oft die Trennung. Analysieren sollten Führungskräfte auch stets, ob ihr Qualifikationsprofil zur Entwicklung des Unternehmens passt.


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Wenn sich abzeichnet, dass bestimmte Geschäftsbereiche in der Firmenstrategie keine wichtige Rolle mehr spielen, können sich Mitarbeiter dieser Abteilungen schon auf Einschnitte gefasst machen. Ein Jobwechsel ist auch ratsam, wenn die Aufstiegschancen verbaut sind.

Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Kienbaum, sagt: "Wenn die nächste Führungsebene, für die man sich vorbereitet haben, mit einem Kandidaten besetzt wird, der jünger, im gleichen Alter oder geringfügig älter ist, kann der nächste Karriereschritt auf Jahre versperrt sein."

Gleiches gilt, wenn das persönliche Verhältnis zum Vorgesetzten belastet ist. Wer nur wenige oder gar keinen Fürsprecher hat, wird kaum den nächsten Karriereschritt machen können – und sollte sich nach einer externen Alternative umschauen.

Dann wird es Zeit für Plan B.

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