Pimp my Lebenslauf Vorsicht vor zu viel Schummelei

Den Lebenslauf frisieren? Machen doch alle. Ursula von der Leyen soll in ihrem Lebenslauf allerdings etwas zu dick aufgetragen haben. Wie viel Kosmetik erlaubt ist und wann die Beschönigung zur Kündigung führen kann.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Vorsicht vor zu viel Schummelei

Foto: sulupress / fotolia.com

Ein Lebenslauf ist vergleichbar mit der Inhaltsangabe beziehungsweise der Zutatenliste eines Produkts: Was drauf steht, muss auch drin sein – und umgekehrt. Die fiesen Chemikalien, die im Produkt versteckt sind, darf der Hersteller aber hinter freundlicheren Abkürzungen verbergen. Das gilt auch für Bewerber und deren Lebensläufe - ein bisschen schönen ist okay, lügen nicht.

Das Aufpolieren des Lebenslaufs gehört für viele auch irgendwie zum guten Ton: 30 Prozent der Bewerbungen sind nicht hundertprozentig ehrlich, wie eine Untersuchung von 5.000 Bewerbungen durch die Kocks GmbH, einer Detektei gegen Wirtschaftskriminalität, zeigt. Die Kosmetik der Lebensläufe reicht dabei von aufgerundeten Zahlen bei den verantworteten Mitarbeitern bis hin zu erfundenen akademischen Titeln oder wissenschaftlichen Arbeiten.

Abschlüsse werden am häufigsten gefälscht

Am häufigsten geschönt wird demnach bei der Bildung beziehungsweise den Abschlüssen. Auch bei angeblichen Kompetenzen oder Gehältern nehmen es Bewerber nicht so genau. Auf Platz zwei der häufigsten Bewerbertricks folgen gefälschte Lebensläufe, am dritthäufigsten werden Lücken auf kreative Weise gefüllt. Entsprechend gering ist das Vertrauen in die Bewerberangaben bei vielen Unternehmen. Eine vom Personaldienstleister Robert Half in Auftrag gegebene Umfrage unter deutschen Managern zeigt: 49 Prozent gehen davon aus, dass Bewerber grundsätzlich übertreiben.

»»» Den Lebenslauf künstlich aufblähen? Gehen Sie kein Risiko ein, sondern konzentrieren sich auf Ihre tatsächlichen Stärken.
 Karriere.de hilft Ihnen dabei, sich und Ihre Kompetenzen gezielt ins rechte Licht zu rücken. Im Workshop BEWERBEN + VORSTELLEN geben wir Ihnen wertvolle Tipps rund um die Bewerbung, angefangen beim Anschreiben bis hin zur Gehaltsverhandlung. » mehr Informationen


Den Vorwurf, ihren Bildungsweg nicht so dargestellt zu haben, wie er ist, muss sich derzeit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gefallen lassen. In ihrem Lebenslauf steht nämlich: "Aufenthalt in Stanford, Kalifornien/USA" von 1992 bis 1996 sowie "Auditing guest: Stanford University, Graduate School of Business" 1993 und "Marktanalyse, Stanford Health Services Hospital Administration" für 1995.

Nur: Aus Sicht der US-Universität Stanford stimmt das nicht. Laut einer Unisprecherin ist von der Leyen in keinem offiziellen Programm eingeschrieben gewesen, das mit einem Schein oder akademischen Abschluss abgeschlossen werde. Von der Leyen weist die Vorwürfe der Universität zurück. Sie sei in Stanford Gasthörerin gewesen und habe ehrenamtlich in der Krankenhausverwaltung gearbeitet. Außerdem habe sie gemeinsam mit einer eingeschriebenen Studentin eine Studie zu Behandlungen von Unfruchtbarkeit verfasst, deren Veröffentlichung von einem Fachjournal jedoch abgelehnt worden sei.

Genauso hatte es damals auch der entlassene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in seinem Lebenslauf gemacht: Er verwandelte Praktika aus seiner Studentenzeit in "berufliche Stationen in Frankfurt und New York" und seine Urheberschaft von acht Zeitungsartikeln in eine freie Mitarbeit "bei der Tageszeitung Die Welt (bis 2002)". Insofern haben beide nicht gelogen – sie haben die Tatsachen nur stark aufgeblasen beziehungsweise so formuliert, dass es sich nach mehr anhört. Das ist moralisch fragwürdig, letztlich aber in Ordnung. Wer einem Mitglied der Geschäftsführung zugearbeitet hat, darf von sich im Lebenslauf behaupten, Assistenz der Geschäftsführung gewesen zu sein. Das ist zwar eine deutliche Übertreibung, aber wenigstens nicht komplett gelogen.

Lügnern droht die Kündigung

Es wird gewiss auch kein Personaler einem Bewerber einen Strick daraus drehen, wenn er aus einer kurzen Arbeitslosigkeit im Lebenslauf eine "Phase der beruflichen Neuorientierung" oder auf die Frage nach außergewöhnlichen Hobbies verschweigt, am liebsten Bücher nach Papierstärke zu sortieren. Das fällt alles unter Schönfärberei.

Wer dagegen sagt, er habe 500 Mitarbeiter geführt, obwohl es nur fünf waren, oder er habe vier Jahre in einem Unternehmen gearbeitet, wenn es tatsächlich nur vier Monate waren, lügt. Genauso, wenn aus einem mehrmonatigen Praktikum eine Festanstellung gemacht oder ein Ausflug nach Österreich als interkulturelle Erfahrung deklariert wird. Auch wer angibt, er habe Mitarbeiter rekrutiert, obwohl er nur Bewerbungsmappen von A nach B getragen hat, begeht eine arglistige Täuschung, die auch rückwirkend den Job kosten kann.

Bewerber sollten hier schon aus Eigeninteresse besonders sorgfältig sein – auch für den Fall, dass irgendwann mal nach einem billigen Kündigungsgrund gesucht wird. Im Jahr 2012 musste beispielsweise der damalige Yahoo-Chef Scott Thompson nach vier Monaten seinen Hut nehmen, weil er sich mit einem Abschluss in Computerwissenschaften schmückte, den er gar nicht besaß – Thompson war lediglich Buchhalter.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...