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Pflanzen im Büro Sauerstoff zur Miete

Pflanzen im Büro verhindern so allerhand: Erkältungen, Kopfschmerzen, trockene Haut – allerdings nicht, wenn sich niemand um sie kümmert. Die Lösung heißt: Mietpflanzen.

Anne-Sophie Lang, zeit.de | , aktualisiert


Foto: Rainer Sturm/Pixelio

Gesunder Service

Es gibt gesündere Lebensräume als das Büro. Die Luftfeuchtigkeit ist meist zu niedrig, der Sauerstoffgehalt sowieso. In Großraumbüros wimmelt es zudem von Viren, Bakterien und Keimen. Büroarbeiter klagen über Erkältungen, Kopfschmerzen und trockene Haut. Pflanzen in den Büroräumen können Abhilfe schaffen – vorausgesetzt, es gibt genügend von ihnen und sie sind gesund. Studien zeigen nämlich, dass der Anblick von welken Pflanzen einen negativen Effekt auf die Motivation von Mitarbeiter haben.

Bei den Pflanzen von Nadja Pfeiffer kann das nicht passieren. Pfeiffer ist Vertriebsleiterin eines Pflanzenverleihs. Das Unternehmen vermietet Topfpflanzen für mindestens drei Monate, im Schnitt kostet das 14 Euro pro Monat.

Die Kunden bezahlen nicht nur die Pflanze, sondern auch den Service: Alle vier Wochen kommt ein Mitarbeiter und gießt die Pflanzen. Stirbt eine, wird sie ausgewechselt. Auch, wenn unklar bleibt, ob sie krank war oder ob nicht vielleicht doch irgendwer seinen Kaffee in der Yuccapalme entsorgt hat. Was im Übrigen keine gute Idee ist.

Positive Effekte

Denn Pflanzen im Büro können, so sie denn leben, tatsächlich allerhand: Ein Forscherteam einer norwegischen und einer schwedischen Universität fand zum Beispiel heraus, dass Büroarbeiter mit Pflanzen um sich herum wacher und weniger gestresst sind, weniger husten, weniger Kopfschmerzen und weniger trockene Haut haben.
 
Außerdem zeigten sie: Je mehr Pflanzen jemand von seinem Schreibtisch aus sieht, desto seltener fehlt er krankheitsbedingt. Und in einem Experiment der Washington State University hatten Testpersonen in begrünten Räumen eine zwölf Prozent schnellere Reaktionszeit und niedrigeren Blutdruck als die Kontrollgruppe.


Foto: Rainer Sturm/Pixelio

Außerdem zeigten sie: Je mehr Pflanzen jemand von seinem Schreibtisch aus sieht, desto seltener fehlt er krankheitsbedingt. Und in einem Experiment der Washington State University hatten Testpersonen in begrünten Räumen eine zwölf Prozent schnellere Reaktionszeit und niedrigeren Blutdruck als die Kontrollgruppe.

Kein Wunder, denn Pflanzen bauen Kohlenstoffdioxid ab, produzieren Sauerstoff und erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Einzelne Pflanzen können auch Schadstoffe aus der Luft filtern, andere wiederum verströmen einen angenehmen Duft – wie beispielsweise ein nach Zitrone duftendes Melisse-Töpfchen. Das hebt die Stimmung. Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Das Grün wirkt beruhigend und entspannend.
 
BMW hat die positive Wirkung von Grünpflanzen im Selbstversuch erforscht: Die Arbeitsschützer des Konzerns stellten in der Abteilung Service und Produktbetreuung vor einigen Jahren 69 Pflanzgefäße auf. Alle Mitarbeiter erklärten später, im grünen Büro ginge es ihnen gesundheitlich besser. Sie konnten sich besser konzentrieren, sie litten seltener an Erkältungen. Außerdem reduzierte sich die Keimbelastung und es war fortan leiser im Büro, weil die Pflanzen Schall schluckten.

Empfindliche Pflänzchen

Welche Pflanze für welches Büro geeignet ist, hängt von den Raumverhältnissen im jeweiligen Büro ab. Fällt wenig Licht herein, empfiehlt Nadja Pfeiffer zum Beispiel robuste Sansiverien – auch Bogenhanf genannt – und Drachenbäume. In hellen Räumen machen sich hingegen Ficus-Bäumchen gut. Pfeiffers Firma vermietet nur Hydrokulturen, also Pflanzen, die nicht in Erde wachsen, sondern in einem anorganischen Boden wie Ton oder Kies. Das verringert das Risiko, dass ein Mitarbeiter aufs frisch begrünte Büro allergisch reagiert. Daran ist nämlich meist nicht die Pflanze selbst schuld, sondern die Erde, wenn sie beispielsweise Pilzsporen enthält. Hydrokulturen hingegen sind sogar in Krankenhäusern erlaubt.

Bei Pfeiffers Pflanzenverleih mieten Firmen jeder Größenordnung, von der Zahnarztpraxis bis zum Flughafen. Die Kunden können sich den neuen Büro-Schmuck direkt am Arbeitsplatz aussuchen; Mitarbeiter fahren die Pflanzen dafür eigens durch die Gegend. In einer Kölner Werbeagentur stehen zum Beispiel seit Jahren Palmen, Ficus- und Bonsai-Bäume im Besprechungsraum und in den Büros. Angenehm sei das, sagt Mitarbeiterin Olga Klement. "Und es ist toll, dass man sich nicht selbst darum kümmern muss." Manchmal allerdings raten die Pflanzen-Verleiher auch von Mietpflanzen ab. Zum Beispiel, wenn es im Büro extrem zugig ist. "Es hat keinen Sinn, eine Pflanze irgendwohin zu stellen, wo sie direkt den Sinkflug startet", sagt Nadja Pfeiffer.
 

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de

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