Personalsuche Wer sieht, der findet – auch Fachkräfte

Personaler klagen, dass sie immer weniger geeignete Bewerber für vakante Stellen finden. Doch das ist Quatsch. Sie suchen nur an den falschen Stellen. Und wenn doch der Richtige vor der Tür steht, erkennen sie ihn nicht.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Wer sieht, der findet – auch Fachkräfte

Der Glaube an den Fachräftemangel kann Personaler verblenden. Dabei gibt es die guten Mitarbeiter, man muss sie nur sehen.

Foto: lassedesignen/Fotolia.com

In Deutschland gibt es immer weniger junge Menschen. Die, die den Unternehmen zur Verfügung stehen, können mit Ach und Krach ihren Namen schreiben und haben keinerlei soziale Kompetenzen. Das führt zum bundesweiten Fachkräftemangel – so die Klage von Chefs und Personalmanagern. Es gibt zwar Statistiken, die das Gejammer stützen – laut dem Bundesverband der Personalmanager werden bis zum Jahr 2020 rund 2,4 Millionen qualifizierte Arbeitskräfte fehlen – aber es sind nicht nur der demografische Wandel und der Bildungsnotstand, worüber sich Unternehmen Gedanken machen sollten. Ein Großteil der Schuld liegt nämlich bei ihnen selbst. "Es gibt genug exzellente Talente. Unternehmen schauen oft nur nicht ganz genau hin", schreiben Sabine Hübner und Carsten Rath, Gründer der Managementberatung RichtigRichtig.com in ihrem Buch "Das beste Anderssein ist Bessersein".

Das beweist auch eine Studie von Cornerstone OnDemand, einem Anbieter von Talent Management Software, an der sich mehr als 100 europäische Unternehmen beteiligt haben. Das Ergebnis: Deutsche Unternehmen haben Supertalente – sie müssen sie nur finden. Dass sich die Unternehmen dabei so schwer tun, liege daran, wo sie suchen. Nämlich auf dem Arbeitsmarkt. Perlen finden sich aber vor allem in den Betrieben selbst – nur sehen viele vor lauter Bewerbern die eigenen Leute nicht mehr.

Mitarbeiter fördern und fordern

Dabei halten 79 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen in Deutschland interne Rekrutierung für ein wichtiges Tool zur Mitarbeiterbindung. Wer entsprechende Weiterbildungen und Beförderungen genießen darf, bleibt seinem Arbeitgeber schließlich treu. Dies steht auch in engem Zusammenhang damit, dass 59 Prozent der Chefs fürchten, ihre Leistungsträger zu verlieren, wenn sie nicht intern rekrutieren. Trotzdem wird laut der Studie nur ein Drittel der vakanten Stellen intern besetzt. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen also Welten.

Das größte Problem ist, dass Unternehmen intern die falsche Person befördern, wie die Studie zeigt. Ein Phänomen, was auch auf dem freien Arbeitsmarkt häufig vorkommt. So zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie, dass rund 37 Prozent der ausgeschriebenen Stellen mit ungeeigneten Bewerbern besetzt werden, weil Personaler keine geeigneten Kandidaten finden.

Schuld daran, so die Autoren, ist das Vorstellungsgespräch: Dabei seien die Rollen klar verteilt, beide Seiten kennen die üblichen Fragenkataloge. Doch dieses "Laientheater" führt selten zu guten Ergebnissen, so die Einschätzung von Carsten Rath. "Erstens liefern standardisierte Vorstellungsgespräche nur ein verzerrtes Bild vom Bewerber. Und zweitens neigen wir oft dazu, Menschen einzustellen, die uns selbst möglichst ähnlich sind", sagt er. Statt Top-Leuten hole man sich Klone des Personalchefs ins Haus.

Die Glücksformel

Bessere Ergebnisse würde man erzielen, wenn die Haltung und die Leidenschaft des Bewerbers auf die Probe gestellt würden – anstatt Fremdsprachenkenntnisse, Zeugnisse und Referenzen abzufragen. Der amerikanische Online-Versender Zappos zum Beispiel fragte seine Bewerber: "Wie glücklich sind Sie auf einer Skala von eins bis zehn?" Denn glückliche Menschen finden bessere Lösungen – auch für Probleme im Beruf. Der hochdekorierte Harvard-Absolvent, der mit sich und seinem Leben unzufrieden ist, nutzt dagegen nur dem Image des Personalers.

Neben der Haltung spielt für jeden Beruf natürlich auch das Talent eine Rolle. "Talent" ist jedoch kein Punkt, der im Lebenslauf erwähnt wird. Darüber sollten sich Unternehmen klar werden. "Im Service sind Einfühlungsvermögen und Kreativität viel wichtiger als eine Eins in Altgriechisch", bringt es Sabine Hübner auf den Punkt.

Ihr Fazit: Business-Englisch oder Computerkenntnisse lassen sich nachschulen – Leidenschaft für die Aufgabe und echte Talente aber nicht. Wenn Unternehmen dem Fachkräftemangel nicht zum Opfer fallen wollen, müssen sie von ihren Klischeevorstellungen des perfekten Mitarbeiters abrücken und ernsthaft nach Talenten suchen. Intern und extern.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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