Personalentwicklung Karriere mit der Discounter-Akademie

Discounter genießen als Arbeitgeber nicht den besten Ruf. Mit einer Aus- und Weiterbildungsoffensive wollen sie ihr Image aufbessern. Dafür schließen sie sich mit renommierten Hochschulen zusammen.

Bettina Malter / Zeit.de | , aktualisiert

Im Wettstreit um die besten Hochschulabsolventen haben es Aldi, Lidl und Co. schwer. Einerseits konkurrieren die Discounter mit namhaften Großunternehmen der deutschen Wirtschaft, zum anderen genießen sie nicht den besten Ruf. Schuld daran sind lange Arbeitszeiten, der rauhe Umgangston im Einzelhandel sowie Skandale wie die Mitarbeiterbespitzelung bei Lidl. Das ist problematisch: Gutes, engagiertes Personal zu finden, wird schwierig. Denn zu den schwarzen Schafen will niemand. Nun feilen einige Discounter emsig an ihrem Image und bieten ihren Mitarbeitern eine Reihe von Aus- und Weiterbildungsprogrammen an.

Der amerikanische Konzern Wal-Mart beispielsweise kooperiert mit einer amerikanischen Online-Universität. Das Unternehmen zahlt einen Teil der Studiengebühren für seine Angestellten und fordert vor allem die Mitarbeiter auf den unteren Positionen auf, sich weiterzuqualifizieren. Rund 50 Millionen Dollar ist dem Unternehmen die Weiterbildung seiner Mitarbeiter wert. Der Konzern hofft auf diese Weise nicht nur seine Mitarbeiter kostengünstig weiterbilden zu können, sondern sie auch langfristig an sich binden zu können. Und natürlich spekuliert man auch auf positive Effekte in der Außenwirkung: Mitarbeitern, denen der Arbeitgeber Perspektiven aufzeigt, sind zufriedener und kommunizieren dies auch nach außen.

Die Hochschulen der Metro

Auch in Deutschland hat man diesen Trend erkannt. Wal-Mart gibt es zwar seit 2006 nicht mehr auf dem deutschen Markt. Die Filialen hat die Metro AG übernommen. Die Metro hat eine sogenannte Corporate University. Dies ist eine unternehmenseigene Einrichtung, in der die Mitarbeiter aus- und fortgebildet werden. Der Konzern arbeitet dabei mit der Universität St. Gallen und dem Institut Européen d’Administration des Affaires (Insead) in der französischen Stadt Fontainebleau zusammen.

Das Angebot richtet sich allerdings anders als bei Wal-Mart vor allem an die Spitzenkräfte im Unternehmen: Manager und Nachwuchsführungskräfte haben die Möglichkeit an fünf verschieden Programmen teilzunehmen. Inhaltliche Schwerpunkte sind Veränderungsmanagement, Handelsmarketing, Logistik, E-Commerce und Unternehmenszusammenschlüsse.

Auf den Nachwuchs hat man es bei Lidl abgesehen. Der mehrfach in die Kritik geratene Discounter kooperiert ebenfalls mit Hochschulen. Der Konzern bietet den Hochschulen Lagerexkursionen, Experten für Podiumsdiskussionen und Fachvorträge sowie Projektarbeiten an, bei denen die Studenten von Mitarbeitern des Unternehmens betreut werden.

Für seine eigenen Auszubildenden bietet der Discounter ein duales Studium zum Bachelor of Arts mit der Fachrichtung Handel an: Die Ausbildung dauert drei Jahre und erfolgt zum Teil im Unternehmen und zum Teil an einer Berufsakademie, an der die Auszubildenden BWL studieren. Mitarbeiter ohne Abitur bildet Lidl zum Handelsfachwirt aus. Hinterher sollen die Mitarbeiter in der Firmenhierarchie aufrücken.

Lernen im Aldi-Süd-Hörsaal

Mit Hochschulen arbeitet auch Aldi Süd zusammen. Mitarbeiter der Unternehmensleitung halten beispielsweise Vorträge an Universitäten. Und der Konzern macht Werbung: Der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Fachhochschule Würzburg sponserte Aldi Süd den Hörsaal. Der Discounter bezahlte die komplette Ausstattung, seither heißt der Saal Aldi-Süd-Hörsaal. Auch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Ingolstadt (WFI) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt kooperiert mit Aldi Süd. Und welche Wirkung hat die Zusammenarbeit auf die Studierenden?

Michael Weber, der seinen richtigen Namen nicht online lesen will, hat über die Kooperation sein erstes Praktikum bei Aldi bekommen, später arbeitete er als Werkstudent für den Discounter. Heute ist der 29-Jährige regionaler Verkaufsleiter – die gängigste Position für Hochschulabsolventen, wie er selbst sagt.

(Zuerst erschienen auf Zeit Online)

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