Personalberater Gezielte Suche unter Zeitdruck

Konjunkturboom und Fachkräftemangel könnten der Personalberatungsbranche rekordverdächtige Umsätze bescheren. Doch die Kunden werden ungeduldiger.

Frank Burger | , aktualisiert

Foto: U. Nowak/Pixelio
Die Auftragslage der Personalberater ist ein zuverlässiger Indikator für die aktuelle Arbeitsmarktsituation. Im Krisenjahr 2009 musste die Branche in Deutschland einen Umsatzeinbruch von mehr als 26 Prozent auf 1,1Milliarden Euro verkraften. Doch jetzt stehen die Zeichen wieder auf Wachstum: Der Umsatz wird 2011 nach Einschätzung des Fachverbandes Personalberatung im Bundesverband der Unternehmensberater (BDU) die Rekordsumme von 1,49 Milliarden Euro aus 2008 übertreffen.

Mit der anziehenden Konjunktur suchen viele Firmen wieder qualifizierte Mitarbeiter und sind im harten Wettbewerb um geeignete Kandidaten immer häufiger auf die Hilfe von Profis angewiesen. Weil sie so gefragt sind, können Personalberater dem Preisdruck der vergangenen beiden Jahre entgegenwirken und sogar mit steigenden Honoraren rechnen.





Die Kleinen des Gewerbes drohen hingegen durch soziale Netzwerke wie Facebook oder Xing überflüssig zu werden während Social-Media-Dienste Personalberatern mit Weitblick Chancen bieten, in der relativ konservativen Branche Trendsetter zu sein. Einigkeit herrscht jedenfalls bei den Erwartungen an das laufende Geschäftsjahr: „Schon 2010 haben sich die Umsätze überraschend gut erholt, und 2011 entwickelt sich noch besser“, sagt der BDU-Fachverbandsvorsitzende Michael Heidelberger. weiter...


Hans-Matthias Ruppert, geschäftsführender Gesellschafter bei der Personalberatung Amrop Delta, bestätigt: „Wir haben deutlich mehr zu tun, dieses Jahr wird richtig gut.“ Der Beratungsbedarf steige, weil es den Unternehmen immer schwerer falle, qualifizierte Fach- und Führungskräfte selbst zu finden, sagt Ruppert. So schnell wird sich daran nichts ändern, „die demografische Entwicklung bleibt uns ja erhalten“, meint Stefan Fischhuber, Geschäftsführer von Kienbaum Executive Consultants.

Klienten machen Druck

Für Personalberater ist das nicht nur ein Grund zur Freude. Die Klienten reichen den Druck an die Berater weiter, gewähren weniger Zeit zur Kandidatensuche und erwarten dennoch, passende vorgestellt zu bekommen. „Die Geduld der Unternehmen ist in den vergangenen Jahren gesunken“, meint Fischhuber. So steigt der Aufwand der Berater, und das Rechercheergebnis fällt oft magerer aus als erhofft. „Wenn man früher einem Klienten vier oder fünf Top-Kandidaten für eine Position vorstellen konnte, sind es heute vielleicht nur noch zwei oder drei“, sagt Ruppert.

Ein positiver Effekt: Die Auftraggeber wissen die Beratungsarbeit in finanzieller Hinsicht mehr zu schätzen. „In der Krise war der Preisdruck sehr hoch“, sagt Michael Heidelberger, „heute sind die meisten Unternehmen bereit, wieder mehr Geld auszugeben.“ Ruppert ist sogar „überzeugt, dass die Honorare in den kommenden Jahren deutlich steigen“ werden. In der Regel erhalten Berater als Honorar bis zu einem Drittel des Bruttojahresgehalts eines vermittelten Kandidaten.

Diese Summe wird in drei Tranchen gezahlt: die erste bei Auftragsvergabe, die zweite bei der Vorstellung der Kandidaten, die dritte zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrags. Allerdings haben sich auch Entlohnungsmodelle etabliert, die erfolgsabhängiger sind, so dass etwa die erste Tranche anteilig kleiner und die letzte größer wird. Mancher Berater stellt nur im Erfolgsfall eine Rechnung.

Doch was verlockend klingt, hat Nachteile: Der Berater wird keine aufwendige Recherche betreiben und so sinkt die Wahrscheinlichkeit, einen geeigneten Kandidaten präsentiert zu bekommen. Solche Angebote kann nur machen, wer sich zwar Personalberater nennt – das darf jeder, die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt –, aber keinerlei Beratungsleistung bietet, sondern ausschließlich Datenbanken durchkämmt und passende Lebensläufe an den Kunden leitet.

Solche Profilmakler sind Verbänden wie dem BDU ein Dorn im Auge, ihre Arbeit ist aber legitim und sehr günstig. Nur: Je selbstverständlicher es auch für Personalmanager von Firmen wird, Facebook und Xing auf der Suche nach Kandidaten zu durchleuchten, desto weniger Sinn hat es, einem externen Berater dafür Geld zu geben.

Das heißt aber nicht, dass das Web 2.0 Berater arbeitslos machen wird. „Datenbanken durchsuchen ist das eine“, sagt Jan Kirchner, Geschäftsführer der Personalberatung und Agentur Atenta, die sich auf Social Media spezialisiert hat. „Aber die Auswertung der Ergebnisse und die Ansprache der Kandidaten bleibt die Domäne eines fähigen Beraters. Das kann keine Suchmaschine übernehmen.“ Kirchner glaubt aber auch, dass das Web 2.0 mehr Möglichkeiten bietet als die reine Datenbankrecherche. „So können Personalberater einen Blog schreiben, in dem sie Informationen und Expertenwissen aus einer bestimmten Branche veröffentlichen. Das macht sie interessant für potenzielle Kandidaten aus dieser Sparte.“ Genauso würden sich Unternehmen, die den Blog abonniert haben, mit ihrem Suchauftrag an eine nachgewiesen kompetente Beratung wenden.

 



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