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Ortswechsel "Sicherheit ist ein Gefühl"

Stefan Merx berichtet für das Handelsblatt von der Fußball-WM in Südafrika. Er ist zwiegespalten, ob er sich dort sicher fühlen soll. Die Polizei ist zwar präsent, doch sogar sein Navigationsgerät. dass es den ein oder anderen gefährlichen Ort gibt.

Stefan Merx | , aktualisiert

Mein Gastgeber Charl denkt in Systemen. Die meiste Zeit seines Lebens war er Polizist und Sicherheitsberater. Die nächsten Wochen werde ich in seinem Gartenhaus schlafen, auf einem behüteten Grundstück zwischen Pretoria und Johannesburg. Die acht feinen Elektrodrähte auf der weißen Mauer sind nicht zu übersehen. "In diesem System ist das Rolltor das A und O", schärft Charl bei Ankunft jedem Gast ein. "Solange das Rolltor geschlossen ist, ist alles sicher."

Sicherheit. Angst um Hab und Gut, um körperliche und seelische Unversehrtheit. Viele Deutsche verkniffen sich deshalb die Reise zur Fußball-WM in Südafrika.

Sicherheit ist ein Gefühl. Und zugegeben: Auch ich bin hin- und hergerissen. Zum Beispiel, als ich in Durban kurz vor dem Anpfiff des Spiels der deutschen Nationalelf gegen Australien zwischen zwei Kollegen, einem Deutschen und einem Chinesen, sitze. Wir tauschen Eindrücke aus. Allen gefällt es bisher super. "Naja, bis auf diesen Überfall an der Tankstelle", sagt der Kollege zur Linken. Geld, Papiere, Ausrüstung weg. "Stimmt, dieser Angriff im Laden, mitten im Geschäftsviertel, der war auch nicht schön", sagt nun auch der Chinese. "Und das für umgerechnet drei Euro Beute." Da wird mir klar: In dieser Mikrogruppe bin ich die Ausnahme, umgeben von Opfern.

Navi mit Gefahrenmelder

Autofahrten im Dunkeln sind unvermeidlich bei dieser Winter-WM. Ab 18 Uhr ist es finster, dann gilt es noch mehr als tagsüber, wachsam zu sein. Unbeleuchtete rollende Wracks, Tiere und Fußgänger auf der Fahrbahn sind normal. Neulich überholte ich auf dem Highway einen Radfahrer. Auf dem Rückweg vom Spiel Brasilien gegen Nordkorea zeigte mir mein liebgewonnenes Navi plötzlich, welche nützliche Spezialfunktion es noch bietet. Da poppte ein Feld auf: "Crime alert - hier nicht links abbiegen", warnte der eingebaute Gefahrenmelder.

Elektrozäune, Navi-Alarm, Wachdienste - auch so lässt sich irgendwann Sicherheit fühlen. Streng abgeschirmt und bewacht sind die Stadien, möchte man meinen. Blaulicht und Uniformen sieht man überall. Doch ein freundliches "Hello Chief, howzit?", reicht oft schon als Türöffner. Die afrikanischen Helfer an den vielen Zäunen und Toren winken einen gutgelaunt durch manche Sicherheitsschleuse. Die ausgefeilte Technik mag da warnend piepen, so viel sie will. "Es gibt kein System", würde Charl kopfschüttelnd sagen.

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