Ortswechsel Sehnsucht nach Afrika

Tansanias Metropole Daressalam ist teuer und nicht wirklich schön. Das Land wird von Korruption und Armut beherrscht. Doch wer hier wohnt, schätzt die vielfältigen Kulturen, die faszinierende Natur und das entspannte Leben.

Sebastian Winter | , aktualisiert

Während eines Auslandssemesters in Kapstadt verfiel Janne Rajpar dem "Mal d'Afrique", jener Sehnsucht nach Afrika, die sie bis heute nicht loslässt. 2004, nach Abschluss ihres Jurastudiums in Berlin, zog Rajpar nach Daressalam, um für die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit zu arbeiten. Noch immer schwärmt die 35-Jährige von der Vielfalt der Kulturen in der 2,7-Millionen-Metropole.

"Im Zentrum leben Araber, Schwarze, Weiße und Inder friedlich nebeneinander. Das gibt es wohl nirgendwo sonst auf der Welt." Wohl auch deshalb wurde die größte Stadt Tansanias Dar-as-Salam getauft - auf Arabisch Haus des Friedens.

2007 heiratete Rajpar einen Tansanier mit indischen Wurzeln. Bis vor drei Jahren lebten sie in einer Drei-Zimmer-Wohnung im Zentrum - für etwa 2,6 Millionen tansanische Schilling im Monat, umgerechnet 1400 Euro. Mittlerweile haben sie ein Haus acht Kilometer außerhalb und zahlen knapp 1000 Euro Miete. Ihre Töchter Selma, 1, und Lily, 3, gehen in den Kindergarten und wachsen dreisprachig auf: mit Englisch, Deutsch und Swahili.

Die Justiz in Tansania wird von Korruption beherrscht

Rajpar selbst hat die Sprache Ostafrikas nie richtig gelernt. Das liegt auch daran, dass in ihrem Beruf Englisch gesprochen wird. Rajpar unterstützt als Justiziarin der kanadischen Geberorganisation Canadian Cooperation Office die Rechtsreform in Tansania. Die Justiz gilt als korrupt und hat einen miserablen Ruf. "Ich kenne Menschen, die seit 15 Jahren im Gefängnis sitzen, ohne je einen Richter gesehen zu haben. Ihre Verwandten und Bekannten haben kein Geld, um die Richter zu bestechen."

Um abzuschalten, geht Rajpar in die Krämerläden des alten Zentrums. Dort herrscht ein buntes Treiben: In einer Gasse werden Baumaterialien verkauft, in der nächsten bieten Frauen farbenfrohe Stoffe an, ein Sträßchen weiter verführen Juweliere mit Ohrringen und Edelsteinen. "Wenn mich nach den Einkäufen der Hunger packt, esse ich an einem Kiosk in der Tempelstraße den Sansibar-Mix, einen leckeren Kartoffel-Eintopf."

Rajpars größter Traum liegt nicht in Daressalam, sondern rund 600 Kilometer nordwestlich: Ab November ziehen in der Serengeti riesige Tierherden wegen des herannahenden Regens südwärts zum Ngorongoro-Krater. "Das muss atemberaubend sein."

Viola Holik riecht Afrika schon, wenn sie in Daressalam aus dem Flugzeug steigt: "Es ist eine Mischung aus Kohle, Feuer und Staub. Ein erdiger Geruch aus dem Busch, den man sofort wahrnimmt."

Im Jahr 2000 übernahm die Agraringenieurin den afrikanischen Vertrieb der Firma Lohmann, die Legehennen züchtet. Holik fährt zu Farmern in Nord- und Mittelafrika, gibt dort Seminare und entnimmt Futterproben. Die Bauern sollen lernen, dass sich schlechtes Futter und fehlende Hygiene negativ auf die Eierproduktion auswirken. Während der Vorträge arbeitet Holik mit Bildern, da viele Farmer nicht lesen und schreiben können.

Die 42-Jährige bekommt in etwa das Gehalt ihrer deutschen Kollegen. Geld zurücklegen kann sie jedoch kaum, denn das Leben in Daressalam ist teurer als in Deutschland. "Auf ausländische Lebensmittel wird ein Zoll von 100 Prozent geschlagen und die Mieten sind in den letzten Jahren stark gestiegen, da sich unzählige ausländische Firmen angesiedelt haben."

Entspannteres Leben als in Deutschland

Holik wollte keine 3000 Dollar für eine Wohnung im Zentrum ausgeben. Die Alternative war ein heruntergekommenes Haus im Busch, 20 Kilometer nördlich des Zentrums. Im Garten laufen Warane herum, man hört Mungos bellen und Vögel zwitschern. Nur der Militärübungsplatz in der Nachbarschaft stört die Idylle. Vor kurzem steckten ein paar Granatsplitter in Holiks Haustür. Sie nimmt das erstaunlich gelassen: "Immerhin gehen so die Mietpreise nicht in die Höhe." 600 Euro Miete zahlt die Deutsche im Monat.

Da sie viel unterwegs ist, hat Holik einen Tageswächter - obwohl sie weder Fernseher, noch Safe oder Waffen besitzt. "Es wird alles geklaut, was nicht niet- und nagelfest ist", erzählt Holik. Auch ihre Wasserleitung wurde schon angezapft.

20 Meter hinter ihrem Grundstück liegt der Indische Ozean. Von ihrer Dachterrasse kann Holik auf die kleine Insel Mbudja sehen, zu der sie fast jeden Sonntag mit einem Boot übersetzt. Wenn sie sich an den schneeweißen Sandstrand setzt, frischen Fisch, Mangos, Ananas, Maracujas isst und dazu südafrikanischen Wein trinkt, ist sie glücklich. "Das Leben hier ist entspannter, es gibt nicht so viel Gejammer wie in Deutschland. Hier heißt es immer: Pole, Pole - langsam, langsam."

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