Ortswechsel Leben und arbeiten in Toronto

Eishockey ist der beliebteste Sport in der größten Stadt Kanadas. Eine multikulturelle Bevölkerung sorgt zudem für Abwechslung. Zwei Erfahrungsberichte vermitteln einen Eindruck von einem Land, in dem Traditionen mit Innovation zusammentreffen.

Tobias Heyer | , aktualisiert

Mit Auto und Flugzeug zum Meeting
Maiti Leinss arbeitet als Marketingspezialistin, liebt die Kraft der Jahreszeiten und schwört auf hausgemachte Nudeln nach schwäbischem Rezept.

Die Spätzlemaschine war mit im Gepäck, als Maiti Leinss aus Lorch im Ostalbkreis vor knapp zwei Jahren in Richtung Kanada aufbrach. "Ich komme aus Schwaben, da kann ich auf selbst gemachte Spätzle nicht verzichten", erzählt die 26-Jährige, die ihrem Freund nach Toronto folgte. Ein Jobangebot und die Möglichkeit, Auslandserfahrungen zu sammeln, waren die wichtigsten Gründe für die Entscheidung.

Daneben entschied sich Maiti Leinss, deren Vorname aus dem Französischen stammt, aber auch für Toronto, weil es dort noch echte Jahreszeiten gibt. Leinss, die Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Automobilmarketing an der FH Nürtingen-Geislingen studiert hat, schwärmt von eiskalten Wintern und warmen Sommern. Heute arbeitet sie als Marketingspezialistin bei Continental Tire Canada.

Eislaufen ist neben dem Eishockes ein beliebtes Hobby

In der Freizeit schnallt sie sich im Winter die Skier unter oder spaziert mit Schlittschuhen über der Schulter zu einer Eisbahn im Stadtzentrum. Im Sommer spielt sie Golf und fährt Motorboot. 70 Prozent der GTA (Greater Toronto Area) ist mit Wasser bedeckt, es gibt 250000 Seen.

Im Berufsalltag verbringt Leinss viel Zeit in Auto und Fliegern. Bis zu 45 Minuten fährt sie täglich zur Arbeit - für kanadische Verhältnisse ist das kurz. "Entfernungen sind in so einem riesigen Land relativ", erzählt die Schwäbin. Video- oder Telefonkonferenzen sind im Arbeitsalltag normal, Geschäftsreisen keine Seltenheit. In Toronto spricht sie Englisch, mit Kunden aus Quebec Französisch.

Die kulinarischen Angebote in Kanada sind vielfältig

Diese kulturelle Vielfalt erlebt sie überall in Toronto, wo über 80 Nationalitäten leben. "Einerseits passen sie sich Kanada an, andererseits vergessen sie aber auch ihren Ursprung nicht", erzählt die 26-Jährige. Restaurants, Bauweisen, Kleidungsstile - all das sei von den vielen Nationalitäten geprägt. Wohl deshalb gebe es auch kein klassisches kanadisches Nationalgericht, nur den Ahornsirup in unterschiedlichsten Variationen.

Vielleicht hat Leinss deswegen auch kein Lieblingsrestaurant und probiert gerne Neues aus: Dim Sum und Peking Ente in Chinatown, Pasta in Little Italy, griechische Spezialitäten in Greek Town. Downtown isst sie beim Thai, Japaner, Inder oder im Seafood & Grill-Restaurant. Doch eins vermisst die Schwäbin dann doch: "Wenn es hier noch Leberkäs gäbe, wäre ich wunschlos glücklich."

Teil eines riesiegen Teams
Der deutsche Kardiologe Lars Große-Wortmann arbeitet und forscht an einer der bekanntesten Kliniken der Welt, de den Namen einer Biermarke trägt.

Stell dir vor, ein Münchner Klinikum würde nach einer Biermarke benannt. Unvorstellbar - oder?", sagt Kardiologe Lars Große-Wortmann. Der 36-Jährige arbeitet im Labatt Family Heart Center in Toronto, benannt nach der größten Brauerei Kanadas. "Hier gibt es im Vergleich zu Deutschland eine aggressive Spendenwerbung", erzählt er. Eine ganze Klinik-Abteilung beschäftige sich mit der Spendenakquise. Vielleicht seien diese zusätzlich finanziellen Mittel der Grund, warum die Klinik weltweit so bekannt ist, fügt er hinzu.

Vor gut drei Jahren ging Lars Große-Wortmann nach Toronto, arbeitete erst als Assistenzarzt, ehe er im vergangenen Sommer zum Oberarzt aufstieg. Flache Hierarchien, Schwerpunkte auf Kommunikation und Forschung sowie die Möglichkeit der permanenten Fortbildung kennzeichnen das Arbeiten. "Die Lehre wird hier groß geschrieben. Für Assistenten gibt es täglich mehrere Fortbildungsveranstaltungen", erzählt der Deutsche, der 20 Tage Urlaub im Jahr hat. Im Alltag werden die Ärzte nicht nur von Krankenschwestern und Pflegern unterstützt, sondern auch von Diätassistentinnen, Pharmazeuten, Stationssekretärinnen und Nurse Practioners - Krankenschwestern mit erweiterter Ausbildung, erzählt er.

Viele Asiaten leben und wohnen in Toronto

"Am Feierabend und am Wochenende gibt es für den Kanadier genau drei Sportarten: Eishockey, Eishockey und noch einmal Eishockey", sagt Lars Große-Wortmann. Die größte Stadt Kanadas beherbergt nicht nur Kanadier, sondern mehr als 500000 Chinesen, 150000 Koreaner und zahlreiche weitere Nationalitäten. "Der Fußball eint die vielen Nationen", hat Große-Wortmann beobachtet. Bei der Weltmeisterschaft 2006 und der Europameisterschaft 2008 seien die Fans im Autokorso durch die Stadt gefahren und hätten gemeinsam gefeiert.

Der deutsche Oberarzt vermisst in der Stadt vor allem das deutsche Brot, deshalb hat er einen eigenen Backautomaten zu Hause. Gegessen wird in Toronto vor allem Gegrilltes. "Auf den Rost kommt am besten Angus-Steak aus Alberta", sagt er. Beim großen Stromausfall im Jahr 2003, als die Stadt mitten im Sommer drei Tage lang keinen Strom hatte, hätten die Menschen einfach alles gegrillt, was die auftauenden Kühltruhen so hergaben.

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