Ortswechsel Kampf den Dauerstaus

Mathias Brüggmann, Handelsblatt Korrespondent in Warschau, berichtet vom Bauboom im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2012.

Mathias Brüggmann | , aktualisiert

Polen brummt - wenn die Brummis es zulassen. Doch die Lkw-Karawane steht kilometerlang gleich hinter der Grenze an der gefährlich hoch gestiegenen Oder. 20 Kilometer reihen sich die Laster aus der Ukraine, Weißrussland, Lettland, Litauen und Russland, die allermeisten aber aus Polen, einspurig hintereinander. Das Land ist mittlerweile zum zehntgrößten Exportmarkt für Deutschland geworden. Der Handelsüberschuss für die Deutschen: 8,9 Mrd. Euro letztes Jahr, wie das Statistische Bundesamt gerade mitteilte.

Bald soll sich der Dauerstau aber abmildern. Denn in Polen wird gebuddelt, gemauert und gewalzt wie nirgendwo sonst in Europa: Zur Fussball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine sollen 1 779 Kilometer Autobahnen und 2 214 Kilometer neue Schnellstraßen Pommern, Schlesien und Masuren durchziehen. Gerade mal 470 Kilometer sind aber bislang fertiggestellt. Und so säumen Bulldozer, Tieflader und Planierraupen viele Wegesränder. Und wenn die dann auf die Hauptstraßen ausrücken, kommt die Blechlawine erneut zum Stillstand.

Richtig schnell voran kommt der Polen-Reisende erst, wenn er das erste Stückchen Autobahn, rund 70Kilometer westlich von Poznan/Posen erreicht. Vierspurig und tiefschwarz neu leuchtend walzt sich der junge Asphalt dort ostwärts. Unterbrochen wird die A2 bis hinter Lodz von drei Maut-Terminals. Jedes Mal heißt es wieder anhalten. Je zwölf Zloty Gebühr (drei Euro), werden fällig, um die neue Autobahn befahren zu können.

Schöner als zuhause

Trotzdem, es ist ein schönes Gefühl, endlich an den Lkw vorbeizuziehen. Und das auch noch ruckelfreier als auf den auch nicht gerade alten Autobahnen in Ostdeutschland. Milliarden-Fördermitteln aus den EU-Kassen in Brüssel sei Dank. 120 Mrd. Zloty, umgerechnet rund 30 Mrd. Euro, sind für den Straßenausbau verplant, weitere 30 Mrd. Zloty schon verbaut. Kein Wunder also, dass bei manchem Thüringer oder Sachsen Neid aufkommt über den neureichen Nachbarn im Osten.

Und sogar die Verbrecher zieht es neuerdings ostwärts: So wurde kürzlich wieder einmal ein bewaffneter Ostdeutscher in Slubice am Ostufer der Oder gegenüber von Frankfurt bei einem Raubüberfall geschnappt. Ob die Polizei ihn allerdings dank eines Staus schnappen konnte, ist nicht bekannt.

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