Ortswechsel "In Hongkong ist immer highlife"

Hongkong - 262 Inseln umfasst das Gebiet der Sieben-Millionen-Metropole. Thorsten Fust lehrt an der German Swiss International School in Hongkong, Ingrun Alsleben ist Verwaltungschefin bei Bayer. Sie schätzt die positive Einstellung der Menschen.

Daniela Singhal | , aktualisiert

Geht nicht, gibt es nicht" - so beschreibt Thorsten Fust die Grundeinstellung in der asiatischen Wirtschaftsmetropole. Die Stadt ist immer in Bewegung: Expats kommen und gehen, neue Häuser und Unternehmen sprießen aus dem Boden, im Hafen laufen internationale Frachter ein und aus. "Ruhe hat man auf Hong Kong Island selten", weiß Fust. "Hier ist immer Highlife."

 Fust arbeitet seit vier Jahren als kaufmännischer Berufsschullehrer an der German Swiss International School (GSIS). Nach mehreren Jahren im Schuldienst in Nordrhein-Westfalen bewarb er sich spontan auf eine Anzeige der GSIS. Eine Entscheidung, die bis heute nicht bereut hat. Der 36-Jährige unterrichtet junge Deutsche, die in Hongkong eine Ausbildung machen, aber auch chinesische Schüler. "Die Chinesen lernen sehr viel. Sie fragen nach der ersten Klassenarbeit schon nach dem Inhalt der zweiten." Unterrichtssprache ist Deutsch.

Menschenmassen auf engstem Raum

Fust hat rund 130 Kollegen aus 20 Nationen. "Diese Vielfalt ist unheimlich anregend", sagt er. Man unterhält sich in Hongkongs zweiter Amtssprache: Englisch. Der Hauptsitz der Schule befindet sich auf dem Victoria Peak, dem wohl bekanntesten Berg auf Hong Kong Island. Das Berufskolleg ist in die Innenstadt ausgelagert.

Fust selber wohnt in Kennedy Town, einem chinesisch geprägten Stadtteil: 70 Prozent der Bewohner sind Chinesen. "In meinem Hochhaus wohnen genauso viele Menschen wie ineinem kleinen Dorf in Deutschland", sagt er. Das Territorium Hongkong gehört nach Monaco zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt. Die Immobilienpreise sind stattlich. Für 40 Quadratmeter zahlt Fust rund 1500 Euro Miete. In den Straßen von Kennedy Town gibt es zwischen den Hochhäusern unzählige kleine chinesische Geschäfte: "Der Laden, in dem ich mein Gemüse kaufe, sieht aus wie eine Garage."

Kulinarischer Genuss

Nach der Arbeit geht er oft mit Kollegen in eines der zahlreichen Restaurants. "Je mehr Leute mitgehen, desto spannender ist es. Jeder ordert ein Gericht, dann wird alles in die Mitte gestellt und geteilt." Man bekomme sowohl indisches Tandoori, thailändisches Curry als auch Schweinshaxe. Trotz des internationalen Angebotes geht Fust immer wieder gerne in original chinesische Nudelküchen. "Aber nur dann, wenn ich gut drauf bin, sonst ertrage ich die lauten Essgeräusche nicht."

Central Business Distrikt Hongkong: ein Wolkenkratzer reiht sich an den nächsten, moderne Glasfassaden soweit das Auge reicht. Hinter einer dieser Fassaden sitzt Ingrun Alsleben an ihrem Schreibtisch im 77. Stock, sie blickt auf den Victoria Hafen und einige der 262 grünen Inseln der Sieben-Millionen-Stadt. "Für mich ist dieser Ausblick fast meditativ."

Seit vier Jahren lebt Alsleben in der asiatischen Wirtschaftsmetropole. Sie leitet die Verwaltung von Bayer in Hongkong, ist Chefin von 65 meist chinesischen Mitarbeitern. Nach ihrem Wirtschaftsstudium wurde die 38-Jährige Trainee bei Bayer, arbeitete anschließend sechs Jahre in Peking bevor sie nach Hongkong berufen wurde.

Hongkongs Natur begeistert

Das Leben in der asiatischen Wirtschaftsmetropole ist schnell und laut, doch Alsleben bewahrt sich ihre Ruhe. Mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern lebt sie fernab der Hektik in einem Haus an einer grünen ruhigen Bucht auf Lantau Island. "Das ist eher untypisch für Hongkong. Die Menschen leben hier meist in einem Apartment in einem Hochhaus." Private Autos sind in der Bucht nicht erlaubt, man bewegt sich mit Golfcaddies, mit dem Rad oder zu Fuß. Ins Büro fährt Alsleben mit der Fähre.

Jeden Morgen schippert sie eine halbe Stunde lang rüber nach Hong Kong Island. "Ich genieße das. Man gewinnt Abstand von der Arbeit und trifft interessante Leute." Am Wochenende zieht es Alsleben und ihre Familie wie die meisten Hongkongnesen ins Grüne: "Wandern ist hier Volkssport. Es gibt in Hongkong so viel herrliche Natur und hunderte Wanderrouten, da fühlt man sich jedes Wochenende wie im Urlaub", sagt sie. Nur 25 Prozent der Fläche Hongkongs sind bebaut, der Rest ist Natur.

China zum Wohlfühlen

Nebst der Fauna schätzt Alsleben die positive Grundeinstellung der Menschen, ihren Ehrgeiz und ihre Lust an Veränderungen. "Natürlich sind die Leute hier auch von der Krise betroffen, aber sie lassen sich davon nicht lähmen, sind optimistisch und packen weiter an." Spannend findet sie den Mix aus Multikulturalität, Moderne und chinesischer Tradition. So befindet sich in der Nähe des modernen Hochhauses, in dem sie arbeitet, eine Marktgasse mit Garküchen. Das ist das China, in dem sich Alsleben und ihre Familie wohlfühlen. So wohl, dass Alslebens in Peking geborener Sohn sagt: "Ich bin Chinese."

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