Ortswechsel Auch Dubai spürt die Krise

Das Emirat am Golf leidet unter der Rezession. Viele große Bauprojekte liegen auf Eis und der Leistungsdruck auf die Ausländer wächst. Viele suchen dennoch ihr Glück in dem Staat, der all seinen Reichtum aus dem Öl bezieht.

Claudia Obmann | , aktualisiert

Von Sonntag bis Donnerstag drückt Bernd Knaier in Dubai die Schulbank. Um seine Karriere zu beschleunigen, studiert der gelernte Hotelkaufmann aus Bayern an der privaten Hotelfachschule der Kette Jumeirah in Dubai, zu der auch das weltberühmte Luxushotel Burj Al Arab gehört. Der heute 26-Jährige bewarb sich dazu mit Zeugnissen und einem Motivationsschreiben, absolvierte einen Englischtest und ein telefonisches Bewerbungsgespräch - und erhielt einen von 100 Studienplätzen pro Jahr. Seit Ende 2007 lebt Knaier mit 300 weiteren Studenten auf dem Campus - einem kleinen Dorf mit Supermarkt, Restaurants, Tennisplatz und Swimmingpool.

Er bewohnt während der acht Semester ein Apartment im Männerblock. "Denn wir Studenten, darunter eine Hand voll Deutsche, müssen Anstandsregeln beachten. So leben Frauen und Männer, die nicht verheiratet sind, getrennt. Besuche sind zwar verboten, werden aber geduldet." Arabisch-Kenntnisse brauchen die Ausländer nicht. Denn die Dozenten sind internationaler Herkunft, die Vorlesungen werden auf Englisch abgehalten. Auf Knaiers Unterrichtsplan stehen Fächer wie Qualitätsmanagement, Marketing und Bilanzierung. In seinem nunmehr vierten Semester wird der Bayer zusammen mit elf Kommilitonen ein Restaurantkonzept entwerfen und eine Woche lang umsetzen.

Es wird ein sehr hoher Standard verlangt

Von der Budgetplanung und den Einkauf über die Dekoration, die Zubereitung der Speisen und den tadellosen Service für ihre täglich 40 Gäste, sind die Studenten ganz auf sich gestellt. Da müssen sich die angehenden Hotelmanager so einiges einfallen lassen, denn "der Luxusanspruch liegt am Golf um etliche Level höher als in Deutschland". So habe ein einziges Hotel in Dubai schon mal 20 verschiedene Restaurants und Bars, die mit edelsten Metallen und feinsten Stoffen ausgestattet sind. Im Luxussegment achten die Reichen weiterhin offenbar nicht auf den Dollar oder Euro, wenn sie reisen oder ausgehen.

Da sieht's in den studentischen Geldbörsen schon anders aus: "Es wird darüber zwar nicht offiziell gesprochen, aber der schlechtere Wechselkurs beschert manch ausländischem Studenten ein Finanzierungsproblem." Knapp 5000 Euro kostet das Bachelor-Studium an der Emirates Academy pro Semester nun schon - die Gebühren dürfen die Studenten neuerdings in Raten bezahlen.

Sandra Knauf

Vom Leben im Ausland träumte Sandra Knauf, 31, nie. Ihr Job als Groß- und Außenhandelskauffrau in Köln genügte ihr. Doch als vor zwei Jahren über einen Freund das Angebot kam, in Dubai für drei Tage Probe zu arbeiten, packte sie die Abenteuerlust. "Das war etwas anderes und hat mir sofort Spaß gemacht." Innerhalb von vier Monaten brach Knauf ihre Zelte in der Domstadt ab. Sie arbeitet in Dubai als Teamleiterin Service beim größten Porsche-Händler der Welt.

Als sie Ende September 2007 in der Millionenmetropole am Persischen Golf ankam, bekam sie den Schlüssel zu ihrem neuen Domizil und einen Scheck zum Möbelkauf überreicht. Die Miete begleicht Knaufs Arbeitgeber - ein großer Vorteil, denn ein Apartment kostet locker 3000 Euro pro Monat und Vermieter wollen am liebsten jährliche Vorauszahlung sehen. Eine Woche später stand ihr Firmenwagen, ein Beetle, vor der Tür. Für den spendiert Knaufs Chef die Benzinkosten - eine Tankfüllung für den Kleinwagen ist im Vergleich zur horrenden Miete aber ein Schnäppchen. Kosten: 13 Euro.

Die Finanzkrise wird auf den Straßen sichtbar

In Köln wohnte Sandra Knauf im fünften Stock eines Altbaus mit Treppen, und zur Arbeit ist sie täglich geradelt. "Hier ist man überrascht, wenn man mal eine Treppe benutzen muss. Draußen bewege ich mich keinen Meter ohne Auto, denn Dubai ist weitläufig." Die Verkehrsteilnehmer aus aller Herren Länder legen gefährlicherweise die Verkehrsregeln ganz nach ihrem persönlichen Geschmack aus. "Auffällig ist, dass seit der Finanzkrise der Verkehr stark nachgelassen hat. Etliche Ausländer haben die Stadt verlassen und durch den Baustopp vieler Großprojekte brauche ich statt bis zu einer Stunde nur noch 20 Minuten zur Arbeit."Knaufs Arbeitstag dauert von sieben bis 20 Uhr. Zum Ausgleich trainiert sie im Fitness-Studio und trifft sich am Wochenende mit anderen Expats, um zu schnorcheln oder um in der Wüste Quad zu fahren.

An Temperaturen von 50 Grad Celsius im Schatten hat sie sich gewöhnt. Ihr Leben unterscheidet sich kaum von zu Hause. "Bevor ich herzog, dachte ich, als Frau würde ich vielleicht benachteiligt in einem muslimischen Land, aber das ist glücklicherweise nicht so." Allerdings wächst angesichts der Wirtschaftskrise auch am Golf der Leistungsdruck. Knauf: "Wir sollen effizienter und sparsamer als bisher arbeiten."

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