Ortswechsel Als Logistiker im Sudan

Im Sudan tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg und die Bevölkerung ist auf Hilfe von außen angewiesen. Der Deutsche Erich Kort lindert in Darfur die Not der Flüchtlinge - er organisiert die Lieferung von Hilfs- und Bedarfsgütern.

Tanja Könemann | , aktualisiert

Den ersten Blick auf sein Arbeitsumfeld wird Erich Kort nie vergessen. Als der 31-jährige Logistikmanager nach Darfur flog, war er fassungslos: "Dass in dieser endlosen Wüste Menschen leben können, war für mich unvorstellbar." Jetzt lebt Kort selbst nahe der Einöde - seit sechs Monaten wohnt und arbeitet er in der west-sudanesischen Hauptstadt El Geneina.

Auch wenn die Hitze mit oft an die 40 Grad extrem sein mag - sie zählt zu den geringeren Problemen in El Geneina. Die Stadt liegt in der Region Darfur, wo ein blutiger Bürgerkrieg tobt. 300000 Menschen starben Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge, seit der Konflikt zwischen Rebellen, Armee und regierungstreuen Milizen 2003 begann. Etwa 2,5 Millionen leben in Flüchtlingslagern.

Kort versucht, die größte Not zu lindern. Als Mitarbeiter der Hilfsorganisation Medair kümmert er sich um die Gesundheits- und Wasserversorgung der Flüchtlinge. Wenn es ihnen an Schutz vor Moskitos mangelt, kauft er 3000 Netze ein, überwacht die Lieferung und verteilt sie.

Der Deutsche wohnt mit Kollegen hinter vier Meter hohen Mauern

Kort hatte nur wenig Zeit umzuschalten von seinem Leben in einer Berliner Wohngemeinschaft auf das Dasein im Lager in El Geneina. Zwischen dem ersten Kontakt mit der Hilfsorganisation und seiner Ankunft vergingen nur neun Wochen.

Das Gelände, das er mit neun weiteren Medair-Mitarbeitern bewohnt, soll die Katastrophe aussperren: vier Meter hohe Mauern, ein Tor und ein Wächter sollen sicherstellen, dass die schwerbewaffneten Kämpfer draußen bleiben, die El Geneina zuhauf durchkreuzen, stehend, auf den Ladeflächen wuchtiger Pickups. Verlässt Kort das Gebiet, gelten strenge Regeln: nicht allein, nicht zu Fuß und nicht abends nach acht Uhr. Zu den nahen Flüchtlingslagern fährt er mit dem Auto. Die entfernten beliefert er per Hubschrauber. Das ist sicherer. Auch Kort ist schon überfallen worden - in seiner Unterkunft. Er musste Handy, Laptop und Bargeld herausgeben. Die Gefahr, entführt zu werden, ist allgegenwärtig. Kort trägt eine Liste mit Verhaltensregeln für den Ernstfall bei sich: Die Entführer milde stimmen - mit Fragen nach ihrer Familie. Von eigenen Verwandten erzählen. Nur fliehen, wenn man sich sicher ist, dass man es schafft.

Und warum das alles? In Kort vereinen sich Logistiker, Abenteurer und Samariter. Die berufliche Herausforderung sei riesig, sagt er: "Waren und Lösungen für logistische Probleme kommen in El Geneina nicht so einfach daher wie in Deutschland." Auch den Austausch mit Kollegen aus aller Welt hat er schätzen gelernt - und die Einheimischen. "Ich mag die herzliche Art der Sudanesen. Sie laden uns zum Essen ein oder zu Hochzeiten", erzählt er. Ihr oft einfacher Lebensstil beeindruckt ihn. Denn trotz des Konflikts nimmt sie der Deutsche als glücklich wahr und sieht sie häufig lachen.

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