Online lernen Am Hörsaal führt kein Weg vorbei

Immer mehr MBA-Anbieter setzen auf das Online-Lernen. Doch die Diskussion im Internetforum ersetzt die Teamarbeit an der Hochschule nicht.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Die Management-Ausbildung wandert ins Netz. Mit der Kenan-Flagler Wirtschaftshochschule, die zu den besseren der USA gehört, legt in diesem Jahr ein weiterer Anbieter ein Onlineprogramm mit dem Abschluss Master of Business Administration (MBA) auf. Nur zweimal müssen die Studenten an die Hochschule kommen, den Rest lernen sie vom heimischen Schreibtisch aus – wo auch immer der steht.

Wirtschaftshochschulen wie Kenan-Flagler gestalten ihre MBA-Programme stärker nach den Wünschen der Kundschaft. Und die will oder kann immer seltener im Job fehlen und für das Studium um die Welt reisen. Daher entwerfen die Hochschulen Studiengänge, die mit einem extrem hohen Online-Anteil werben. Doch Angebote ganz ohne Präsenzphasen gibt es kaum, denn so ganz ersetzt der Online–MBA das Klassenzimmer nicht.

MBA im Fernstudium

Viele Studenten, die einen klassischen MBA gemacht haben – also das praxisnahe Management-Studium für alle, die einen Hochschulabschluss haben – können sich das Online-Studium nur schwer vorstellen. Sie sagen, die Teamdiskussionen und die Auseinandersetzung mit Kommilitonen aus anderen Kulturkreisen waren im Studium wichtiger als die Stoffvermittlung. Reine Online-Programme gibt es denn auch kaum. Selbst beim Pionier des MBA im Fernstudium nicht. Denn obwohl die britische Open University (OU) eine reine Fern-Uni ist, sehen sich die MBA-Teilnehmer aus ganz Europa auch dort recht oft – wenn sie denn wollen. Die Brasilianerin Anelise Sacks, die in Deutschland arbeitet und an der OU seit 2008 ihren MBA macht, nutzt das oft. Alle sechs Wochen, sagt sie, gibt es in ihrer Nähe ein Tutorium. Da kommen Studenten aus der Region zusammen, ein Praktiker erläutert den Stoff und leitet die Diskussion. Diese Treffen sind freiwillig, aber fürs Netzwerken enorm hilfreich. „100 Prozent Online wäre nichts für mich“, sagt sie. Einmal im Halbjahr lädt die OU zu einer einwöchigen Präsenzphase an ihre Standorte in Europa – je Modul stehen vier oder fünf Städte zur Wahl.

Doch der Online-Pionier bekommt immer mehr Konkurrenz. Die spanische Business School IE in Madrid bietet erfahrenen Managern ein Programm, in dem sie in 13 Monaten nur drei Mal für je zwei Wochen an die Hochschule kommen. Die Studenten treffen sich im IE-Programm trotzdem wöchentlich – allerdings nur virtuell in einer Art Internetforum. Der Ingenieur Wolfgang Ehle war von Mai 2009 bis Juli 2010 dabei. Für ihn war entscheidend, dass er möglichst wenig in der Firma fehlt. Das ist der Vorteil des MBA im Fernstudium.

Ehles Wochenplan war standardisiert und strukturiert: Er hat sich täglich morgens von sechs bis acht Uhr vor der Arbeit und abends von acht bis Mitternacht nach der Arbeit und am Wochenende an den Computer gesetzt und gelernt. „Anders geht es nicht“, sagt er. Aufsätze und Fallstudien lesen und „inhalieren“, sich Gedanken machen, diskutieren. Da ist das Online-Studium ähnlich dem an der Hochschule.

Alle kommen zu Wort

Immer dienstags bis freitags war im Online-Forum der Hochschule die Diskussion eröffnet, zu drei Fällen tauschten sich die Studenten mit ihren Professoren aus. Allerdings nicht mittels Videokonferenz oder Chat, sondern in Forumsbeiträgen, auf die ein anderer in zwei Minuten, zwei Stunden oder auch zwei Tagen antwortete. Der Vorteil: So kommen auch all jene zu Wort, die ein bisschen länger überlegen, an der Antwort feilen. Verstecken kann sich auch online niemand.

Mit seinen Mitstudenten aus Singapur, Venezuela und Mexiko hat sich Ehle zudem einmal je Woche zu einer Telefonkonferenz verabredet, stundenlang haben sie dann diskutiert. Er ist von seinem Online-Studium überzeugt. Dennoch waren für ihn die drei Präsenzphasen an der Hochschule unersetzbar. „Gerade am Anfang ist es so wichtig sich kennenzulernen“, sagt er. Es gehe um Feinheiten der Kommunikation, Mimik, Gestik, den gesamten Habitus. „Der Erfahrungsaustausch – das geht auch online“, sagt Ehle. Dagegen online am Führungsverhalten zum Beispiel in Form von Rollenspielen zu feilen, funktioniert offenbar nicht: „Da sind Präsenzseminare letztlich besser“, sagt er.

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