Oliver Best "Sicherheit spielt eine große Rolle"

Wie steht es um die Jobchancen für junge Banker? Müssen sich Berufseinsteiger aktuell um eine Karriere Sorgen machen? Oliver Best, Personalchef der DZ-Bank, über Einstiegschancen in Banking & Finance in der Finanzkrise.

Kirsten Ludowig | , aktualisiert

Junge Karriere: Herr Best, die Finanzkrise verschärft sich: Banken gehen Pleite, werden notverkauft oder mit Milliarden an Steuergeldern gestützt. Werden Berufseinsteiger, die in den Bereich Banking & Finance wollen, langsam nervös?
Oliver Best: Nein, aber unsere Bewerber fragen in Einstellungsgesprächen definitiv mehr nach. Dabei spielt vor allem das Thema Sicherheit eine große Rolle. Sicherheit in Bezug auf die wirtschaftliche Lage des Instituts und natürlich in Bezug auf die Jobperspektive - das eine hängt ja mit dem anderen zwangsläufig zusammen.

Sind die Nachfragen denn berechtigt - müssen Berufseinsteiger aktuell um ihre Jobchancen im Bereich Banking & Finance fürchten?
Durch die Finanzkrise ist die Situation sicherlich schwieriger geworden. Das führt aber nicht soweit, dass der Bankerberuf nicht mehr attraktiv ist.

Liegt das vielleicht daran, dass der deutsche Bankensektor stark geprägt ist von öffentlich-rechtlichen Finanzinstituten, wie Sparkassen und Landesbanken, und Genossenschaftsbanken und somit weniger stark unter der Finanzkrise leidet?
Als genossenschaftlicher Bankenverbund haben wir eine robuste Einlagenseite und sind bei der Refinanzierung nicht allein auf den Kapitalmarkt angewiesen. Mit diesem, vielleicht als etwas konservativ angesehenem Geschäftsmodell sind wir auch in stürmischen Zeiten auf der sicheren Seite.

Würden Sie sagen, dass die DZ Bank als genossenschaftliches Zentralinstitut mit ihren Töchtern im Wettbewerb um Berufseinsteiger gegenüber Finanzinstituten wie Deutsche Bank oder Commerzbank besser dasteht?
Wir können mit unserem Geschäftsmodell der Krise besser trotzen als der ein oder andere Mitbewerber. Außerdem bieten wir als Allfinanz-Anbieter nicht nur im klassischen Bankgeschäft Karrierechancen, sondern auch in unseren Tochtergesellschaften. Unsere Bewerber haben auch die Möglichkeit, zum Beispiel im Fonds-Management bei Union Investment, im Leasing-Geschäft bei VR-Leasing oder im Versicherungsbereich bei R+V Versicherung zu arbeiten. Das unterstreichen wir im Übrigen mit dem Karriere-Preis für Abschlussarbeiten von Hochschulabsolventen aus dem Bereich Banking & Finance, den wir in diesem Jahr zum ersten Mal als DZ-Bank-Gruppe verleihen.

Welche Rolle spielt die Bankenkonsolidierung? Besteht die Gefahr, dass vermehrt Banker mit Berufserfahrung auf den Markt strömen, die mit Einsteigern um Jobs konkurrieren?
Momentan können wir aus dem Pool qualifizierter Bewerber stärker auswählen. Trotzdem muss man sehen, dass es sich bei Berufseinsteigern und Bewerbern mit Erfahrung um zwei unterschiedliche Gruppen handelt. Wir werden das Thema Karrierechancen für Berufseinsteiger nicht zurückfahren, nur weil es erfahrene Banker am Markt gibt. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass beide Gruppen in Konkurrenz zueinander stehen.

Hält die DZ-Bank-Gruppe an Ihren Einstellungsplänen für Einsteiger im Jahr 2009 fest?
Unsere Experten im Haus prognostizieren, dass uns die Finanzkrise noch eine Weile beschäftigen wird - noch deutlich in das Jahr 2009 hinein. Wir wollen uns jedoch bei unserer Personalpolitik auf keinen Fall von langfristigen Zielen verabschieden. Die Erfahrung zeigt, dass eine kontinuierliche Personalpolitik sehr wichtig ist und zum Teil konnte man in früheren schwierigen Phasen sehen, dass gerade eine antizyklische Strategie sinnvoll war. Allerdings ist es natürlich, dass wir mit einem Auge auch auf die geschäftliche Entwicklung schauen, weil wir im Falle des Falles diejenigen, die wir an Bord nehmen, auch weiter beschäftigen wollen. Wir beabsichtigen aber im Jahr 2009 die gleiche Anzahl an Trainees einzustellen wie in diesem Jahr.

Wen suchen Sie?
Wir suchen vor allem Wirtschaftswissenschaftler, BWLer und VWLer, aber auch Wirtschaftsmathematiker und -informatiker. Das ist das, was nicht überrascht. Wir beschäftigen darüber hinaus auch zum Beispiel Juristen, Ingenieure, Physiker und Chemiker. Das heißt, es dürfen sich auch Absolventen nicht traditioneller Bank-Fachrichtungen angesprochen fühlen, wenn sie sich für den Bankerberuf interessieren.

Erwarten Sie in Zukunft bei den deutschen Banken denn eher sinkende, konstante oder wachsende Beschäftigung?
Ich gehe natürlich nicht davon aus, dass die Beschäftigungszahlen enorm wachsen werden. Konstante Zahlen sind realistisch. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es nach der Krise wieder einen leichten Wachstumskurs geben wird - das wird aber noch einige Zeit dauern.

Jahrelang boomte das Investmentbanking, jetzt haben andere Banken-Segmente Konjunktur. Stehen einzelne Geschäftsbereiche auf dem Prüfstand - oder brechen sogar ganz weg?
Viele Banken in Deutschland sind breit aufgestellt, da werden keine Geschäftsbereiche einfach verschwinden.

Aber Sie haben bei der DZ Bank doch auch einen Investmentbanking-Bereich…

Wir sind Allfinanz-Anbieter und können also entsprechende Marktschwankungen ausgleichen - das ist ja gerade der Vorteil. Und es ermöglicht uns, auch im momentan viel diskutierten Bereich des Investmentbanking Talente zu suchen. Das Geschäftsfeld der Banken wird weiterhin seine Berechtigung haben.

In welchen Geschäftsbereichen sehen Sie Wachstumspotenzial?
Das Privatkundengeschäft wird sicherlich gestärkt werden. Der Vertrieb spielt dabei eine große Rolle. Es geht dabei vor allem um vertrauensbildende Maßnahmen. Vor einigen Jahren wollte nicht jedes Finanzinstitut in diesem Sektor tätig sein und heute sieht man, dass gerade die privaten Einlagen in Krisenzeiten eine große Stütze sind.

Könnte man die Finanzkrise nicht auch dahingehend als Segen sehen, dass Banken gerade jetzt verstärkt Einsteiger suchen, die die Branche neu erfinden?
Wir würden Berufseinsteiger deutlich zu viel aufladen, wenn wir von ihnen jetzt erwarten würden, dass sie die Banken von Grund auf umkrempeln. Aber es ist richtig, junge Leute von außen bringen neue Impulse.

Hat der Bereich Banking & Finance durch die Finanzkrise für Berufseinsteiger an Attraktivität verloren? Etwa dadurch, dass überdurchschnittlich hohe Einstiegsgehälter sinken?
Durch die Krise wird sich in den Vergütungsstrukturen für Berufseinsteiger wenig bis gar nichts ändern. Wir haben aufgrund der Anforderungen und Zugangsvoraussetzungen zu diesem Beruf hochqualifizierte Leute im Blick, die marktgerecht bezahlt werden müssen, und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Wir haben immer noch sehr hohe Bewerberzahlen, wir merken keinen Rückgang.

Was empfehlen Sie, damit der Einstieg auch in diesen turbulenten Zeiten gelingt?
Meine Empfehlungen für Bewerbungsstrategien fallen aufgrund der Krise nicht anders aus als in normalen Zeiten. Es gilt das, was immer gilt: eine solide Ausbildung, entsprechende Praktika, Auslandsaufenthalte. Und dann ist am Ende immer die Persönlichkeit entscheidend.

Oliver Best:

Der 43-jährige Oliver Best ist Personalchef der DZ Bank, einem der beiden Zentralinstitute der rund 1 230 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland. Die Genossenschaftsbanken bilden die dritte Säule im deutschen Bankensystem. Die beiden anderen Säulen sind private Banken wie Deutsche Bank und öffentlich-rechtliche Kreditinstitute wie Sparkassen und Landesbanken. Die Kreditgenossen sind in der Regel nicht auf die Refinanzierung am Kapitalmarkt angewiesen, da sie ihre Kundeneinlagen größtenteils als Kredite an lokale Firmen weiterreichen; der Rest geht an die Zentralinstitute DZ Bank und WGZ Bank, die das Geld an den Finanzmärkten anlegen. Auch bei der DZ Bank ist die Finanzkrise derzeit das Top-Thema.

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