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Norbert Steiner: "K+S verträgt nur Manager, die authentisch sind"

Norbert Steiner "K+S verträgt nur Manager, die authentisch sind"

Norbert Steiner, Vorstandsvorsitzender des Düngemittelspezialisten K+S, spricht im Interview über gleiche Löhne in Ost und West und überflüssige Imageberater. Er erklärt, was für ihn den Anreiz ausmachte, von BASF zu K+S zu wechseln und wie oft er eigentlich noch selbst die Schaufel in die Hand nimmt.

Diana Fröhlich | , aktualisiert

Herr Steiner, K+S ist seit ein paar Monaten im Dax. Trotzdem kennt kaum einer das Unternehmen . Wofür steht K+S? 
Ja, das stimmt. Bisher hat man zwar die Aktie gekannt, aber nicht sehr viel darüber gewusst, in welchen Geschäftsfeldern das Unternehmen tätig ist. Kurz gesagt: Wir vereinen in Deutschland die Rohstoffgewinnung mit Produkten, die für die Menschen unverzichtbar sind: Düngemittel und Salz. Wir wissen, dass wir etwas für die Wahrnehmung und die Bekanntheit von K+S tun müssen. Mit dem Dax-Aufstieg haben wir eine große Informationskampagne gestartet. Unser Motto: Wir holen das Beste für die Erde aus der Erde.

Auch über Sie weiß man nicht sehr viel. Haben Sie seit dem Aufstieg in die erste Börsenliga Berater, die an Ihrem Image basteln? 
Nein. Nach meiner Überzeugung verträgt K+S nur Manager an der Spitze, die authentisch sind. Und dazu brauche ich keine Berater. Vielleicht würden die mir sogar ein Image basteln, das nur 50 Prozent Steiner beinhaltet.

Was beinhaltet denn Steiner? 
Die Frage müssten Sie eigentlich denen stellen, die mich kennen. Mit aller Zurückhaltung: Ich bin ausdauernd, sachorientiert, verlässlich. Natürlich wird man nicht ohne einen gewissen Ehrgeiz Vorstandsvorsitzender, aber ich hoffe, dass ich immer den nötigen menschlichen Anstand aufgebracht habe. Und: Bei aller Konzentration und Ernsthaftigkeit muss auch mal gelacht werden können.

Auch an K+S geht die Finanzkrise nicht spurlos vorbei. Die Aktie, die im Sommer 2008 noch knapp 100 Euro wert war, kostete zwischenzeitlich nur noch rund 26 Euro. Wie sehr ist das Unternehmen betroffen? 
Eine solche Finanzkrise, die seit Monaten über die Erde rollt, lässt wohl kaum jemanden ungeschoren davonkommen. K+S hat bis in den Spätherbst ein hervorragendes Geschäft gehabt und nun müssen wir die Produktion zurückfahren und sogar mit Kurzarbeit reagieren.

Kaufen die Landwirte in einer Krise weniger Düngemittel?
Ja. Die Verunsicherung an den Kapitalmärkten schlägt sich bis auf die Landwirte durch, die sich beim Einkaufen von Düngemittel zurückhalten. Der Agrarsektor weltweit ist stark verunsichert. Die Folge ist, dass die Entscheidung zum Kauf von Produkten sehr spät getroffen wird. So lange, bis der Landwirt den Dünger dringend braucht. Das ist simpel. Bei uns bleiben also die Aufträge aus. Wir hoffen, im Frühjahr in Normalphasen zurückzukommen, denn Düngung muss sein. Die Menschen müssen und wollen essen.

Trifft Sie die Krise also nicht so hart? 
Wir sehen schon, dass wir eine Delle haben, aber der Trend, dass immer mehr Menschen auf der Welt mehr und besser essen wollen, ist ungebrochen. Am Essen wird doch zuletzt gespart. Die Entscheidung, ein Auto zu kaufen, kann man eine Zeitlang verschieben. Aber die Entscheidung, ob ich essen will, kann ich vielleicht einen Tag verschieben, länger nicht.

In Deutschland baut K+S in Hessen, Thüringen und Niedersachsen Salz ab. Wie lange reichen Ihre Vorräte noch? 
Wir haben in unseren Bergwerken Vorräte, die noch etwa 40 Jahre ausreichen werden. Zudem soll auf der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt und Thüringen ein stillgelegtes Bergwerk wieder aufgeschlossen werden. Da lagern Vorräte für rund 30Jahre - dafür bewerben wir uns. Und natürlich schauen wir uns im Ausland um.

Direkt nach der Wende waren Sie an der Zusammenlegung derKaligruben in Ost und West beteiligt. Wie lief das ab? 
Ich bin damals noch nicht im Vorstand gewesen, sondern habe in der Abteilung Steuern und Zölle der BASF gearbeitet. Die BASF war zu dieser Zeit Mehrheitseignerin von K+S. Da ich mich um die steuerliche Koordination von K+S gekümmert habe, war ich bei den Vertragsverhandlungen zwischen K+S und der Treuhandanstalt hautnah mit dabei. Das war eine hochspannende Zeit. Und die Kalifusion war sicherlich die Keimzelle des späteren Erfolgs des Unternehmens. Das heißt, wenn wir hier und heute über den Aufstieg in den Dax reden, dann ist das nur möglich auf der Basis der Entwicklung, die seinerzeit durch die Zusammenführung von Ost und West begonnen wurde.

Welche Schwierigkeiten gab es damals? 
Die Verhandlungen und das Zustandekommen des Vertrags waren keine Selbstverständlichkeit. Nur durch die vereinten Kräfte von Treuhandanstalt, Politik, Gewerkschaft, BASF und der Mitarbeit der beiden Unternehmen in Ost und West hat es am Ende funktioniert. Stellen Sie sich vor, es sind sogar Menschen für die Fusion eingetreten, die wussten, dass ihr Werk stillgelegt werden soll. Das war eindrucksvoll. Die Menschen sind auf die Straße gegangen. Sie wollten ein gemeinsames Kaliunternehmen in Deutschland schaffen. Am Ende waren sich alle einig: Das war eine der besten Privatisierungen, die die Treuhandanstalt je gemacht hat. So etwas erlebt man nur einmal im Leben, wenn man Glück hat.

Sie zahlen überall die gleichen Löhne. 
Schon seit 1998. Wir mussten damals mehrere Unternehmensteile aus Ost und West in eine Gesellschaft integrieren, die eine unterschiedliche Effizienz hatten. In der DDR wurde nach anderen Gesichtspunkten gewirtschaftet. K+S war aber der Meinung: Wenn wir mit der gleichen Produktivität in Ost und West arbeiten, dann zahlen wir auch die gleichen Löhne. Einen West-Bonus gab es nicht. Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft geworden und waren eines der ersten Unternehmen, das einheitliche Löhne gezahlt hat.

War das ohne Probleme umsetzbar? 
Es hat einen Stufenplan gegeben, den die Tarifpartner bereits 1995 festgelegt haben. Wir hatten Lohnzurückhaltungen im Westen und die neuen Bundesländer konnten bei der Produktivität aufholen. So kam im Laufe der Zeit der Ausgleich. Was in der Zeit des Umbruchs einzigartig war: Die Zusammenarbeit zwischen Management, Belegschaftsvertretung und Gewerkschaft. Das spüren wir im Jahr 2008 nach wie vor. Wir haben schwierige Entscheidungen getroffen und dabei immer versucht, den Konsens zu finden.

Selbst in der Finanzkrise zahlt K+S den Mitarbeitern einen Bonus. 
Wenn es dem Unternehmen gut geht, zahlen wir unseren Mitarbeitern einen Bonus. Wenn es K+S schlechter geht, dann verringert sich die variable Kenngröße im Gehalt wieder. 2007 gab es mehr als zwei Monatsgehälter, für das Jahr 2008 werden wir das auch schaffen. Dazu ist der Ergebnisvorsprung aus den ersten drei Quartalen zu gut. Darüber hinaus hat jeder Mitarbeiter der K+S-Gruppe einmalig 500 Euro bekommen, von der niedrigsten Gehaltsstufe bis zum Führungspersonal.

Haben Sie selbst mal Salz geschippt? 
Klar, früher habe ich die Fahrten noch gezählt, wie oft ich monatlich in die Grube eingefahren bin. Heute habe ich leider oft nicht mehr die Zeit, vor Ort zu sein. Schon beim ersten Mal war ich fasziniert von der Welt dort unten. Vier Tage nach meinem Start bei BASF im Jahr 1983 habe ich in der Nähe von Bad Hersfeld eine Grubenfahrt in Herfa-Neurode mitgemacht. 700Meter unter der Erde. Dort gab es riesige Arbeitsmaschinen und es roch nach Salz. Das hat mich extrem beeindruckt.

Warum gingen Sie von BASF zu K+S ?
Ich habe mich von Anfang an sehr darüber gefreut, dass ich im Rahmen meines Jobs bei BASF viel mit K+S zu tun hatte. Ich war oft am Hauptsitz in Kassel und hatte Themen auf dem Tisch, die mich in die Bergwerke gebracht haben. Und ich habe in den Verhandlungen mit der Treuhand mitgewirkt. Da ist man dann auf mich aufmerksam geworden. 1993 bin ich schließlich von BASF hierher versetzt worden. Und das war gut so.

Aber K+S ist doch viel kleiner?
Ja, dennoch war es für mich ein wichtiger Karriereschritt. Ich war einfach sehr viel näher am Geschehen, als es bei einem großen Unternehmen wie BASF möglich ist. Das hat mir gut gefallen. Näher am Objekt, näher an den Themen zu sein. Und natürlich ist das alles auch mit Sympathie für das Unternehmen einhergegangen.

Sie haben Jura studiert, haben das zweite Staatsexamen sogar mit Prädikat abgeschlossen. Warum sind Sie nicht Anwalt oder Richter geworden? 
Jura zu studieren, war eine der frühen Entscheidungen in meinem Leben. Ich wusste schon in der Schulzeit, dass ich in die Wirtschaft will. Dieses Ziel war am Anfang aber sehr unscharf. Mein Vater, der damals in Siegen bei Krupp gearbeitet hat, ist dann mal auf einen Kollegen zugegangen und hat ihn um Rat gefragt. Der Kollege hat mir empfohlen, Jura zu studieren, weil man als Jurist in der Wirtschaftsprüfung oder auch in der Rechtsabteilung von Unternehmen arbeiten kann. Und so war das für mich schon in der Oberstufe klar, was ich mal studieren werde.

Und - haben Sie es bereut? 
Nein, nie. Ich habe mein Studium in Heidelberg breit aufgestellt. Ich hatte Europa- und Handelsrecht belegt, meine Schwerpunkte waren Wirtschafts- und Steuerrecht. Da ich immer in die Wirtschaft wollte, habe ich mich nach dem Referendariat auf entsprechende Jobs beworben - bei Banken, in der Industrie und bei Versicherungen. Wenn die Bewerbungen allerdings nicht erfolgreich gewesen wären, dann hätte ich wohl doch den Anwaltsberuf ergriffen. Notfalls kann man ja immer noch sein Schild raushängen, sagte damals meine Frau.

Wie viel müssen Sie heute arbeiten? 
Das bemisst sich nicht danach, wie viele Stunden ich an meinem Schreibtisch arbeite, wie lange ich im Auto auf der Rückbank Akten lese und wie lange ich in Verhandlungen sitze. Ich fange morgens gegen acht Uhr an und verlasse gegen 19Uhr das Büro, manchmal auch später. Was mir wichtig ist: Abstand zwischen sich und die Arbeit bringen.

Gelingt Ihnen das? 
Ich versuche, mir das Wochenende freizuhalten. Hin und wieder kommt der Blackberry zum Einsatz. Ich möchte am Wochenende auch mal etwas von der Familie haben. Ab und an arbeite ich im Garten, ich mag moderne Kunst, lese, und ehrlich gesagt, will ich auch einfach mal gar nichts tun.

Norbert Steiner
Norbert Steiner, geboren 1954, wuchs in Siegen auf. Nach dem Abitur studierte er Jura in Heidelberg, Schwerpunkt Wirtschaft- und Steuerrecht. Steiner startete seine Karriere 1983 bei BASF, Zentralabteilung Steuern und Zölle. Schon fünf Jahre später leitete er dort die Unterabteilung Zölle und Verbrauchssteuern. 1993 dann wechselte er zur K+S Aktiengesellschaft, zunächst als Leiter des Bereichs Recht, Steuern und Versicherungen. Am 1. Juli 2007 übernahm der Jurist den Vorstandsvorsitz. Steiner ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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