Neues Jahr, neuer Job So klappt es mit der Karriere 2015

Bewerber sollten ihre Lebensläufe für kommendes Jahr herausputzen. Was zu tun ist, welche Berufsgruppen Chancen haben und welche Branchen und Unternehmen vielversprechend erscheinen.

von Marcel Berndt, wiwo.de | , aktualisiert

So klappt es mit der Karriere 2015

Foto: Creativa/Fotolia.com

Auf Kerstin Wagners Wunschzettel für 2015 stehen vor allem Ingenieure – und zwar viele: Die Leiterin für Personalgewinnung der Deutschen Bahn hat dieses und vergangenes Jahr jeweils rund 11.500 Neueinstellungen verbucht, kommendes Jahr stehen 7.000 bis 8.000 Neueinstellungen an, allein um altersbedingte Abgänge auszugleichen.

Ingenieure gesucht

Darunter sind allen voran Fachkräfte aus dem technischen und dem IT-Bereich. Das Problem bei diesem Personalhunger: "Wir sind nicht die einzigen mit hohem Bedarf an Ingenieuren und technischen Fachkräften", sagt Wagner. "Gerade im Süden, wo viele Autobauer, ihre Zulieferer und Maschinenbauer sitzen, sind wir besonders auf dem Bewerbermarkt aktiv."

Frank Hensgens, Deutschland-Chef des Jobportals Indeed, hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Unternehmen besucht und kennt den Engpass dort. "Vor allem in Süddeutschland haben mir Personaler immer wieder erzählt, wie schwer sie Ingenieure finden", sagt Hensgens. Angesichts all der Ingenieursausschreibungen, die die meisten Stellenanzeigen auf seinem Portal ausmachen, ist er sich sicher: "Die Lage spitzt sich weiter zu."

Bewerbungstrends 2015

Ingenieure müssen sich 2015 also kaum Sorgen machen. Wer nach dem 1. Januar eine neue Stelle sucht, hat aber auch in anderen Berufsgruppen gute Chancen. Für kommendes Jahr erweisen sich gewisse Branchen, Unternehmenstypen, Positionen oder Regionen als vielversprechend für Jobsuchende. Wer außerdem Bewerbungstrends nachgeht, die sich aktuell abzeichnen, kommt seiner Wunschanstellung näher.

Gute Chancen sieht der Düsseldorfer Personalberater Manfred Siebenlist kommendes Jahr vor allem bei Handelsunternehmen und Konsumgüterherstellern. "Der große Bedarf herrscht dort aktuell im Vertrieb und im Marketing", sagt der Chef der Personalberatung Siebenlist, Grey & Partner. Er sieht darin einen Indikator, dass es der Branche gut geht. "Eine Faustregel besagt: In schlechten Zeiten wird im Controlling eingestellt, in guten Zeiten im Vertrieb."

Frank Hensgens von Indeed sieht ebenfalls Personalbedarf im Handel. Das große Wachstum an Stellenanzeigen spiele sich vor allem im E-Commerce ab. "Das sind Ausmaße, die wir in den vergangenen Jahren so nicht hatten", sagt Hensgens. Daher haben vor allem Marketing-Manager mit einer hohen Digitalkompetenz gute Aussichten. Sein Tipp: "Sie sollten sich mit sozialen Medien und digitalen Geschäftsmodellen auskennen." Gerade Studenten sind also gut beraten, sich in diese Richtung zu orientieren.

Frische Absolventen haben es auch in brummenden Branchen schwer. Berufserfahrung ist oftmals eine Einstellungsvoraussetzung. "Wer kein Ingenieur, Informatiker oder Naturwissenschaftler ist, muss nach der Uni kämpfen", sagt Hensgens. Eine Lösung bietet der Mittelstand.

Der goldene Mittelstand

Die "Hidden Champions", unbekannte Weltmarktführer aus der deutschen Provinz, bekommen weniger Bewerbungen als Großkonzerne. "Jeder stürzt sich auf Porsche & Co., aber wenige auf Mittelständler", sagt Hensgens. Das bedeutet, dass sich Bewerber hier gegen weniger Konkurrenten durchsetzen müssen.

Außer für Absolventen ergeben sich auch für Führungskräfte im Mittelstand 2015 großen Chancen, weiß Manfred Siebenlist: "Nächstes Jahr stehen zahlreiche Generationenwechsel in den Chefetagen an; viele Geschäftsführer gehen in Pension." Für Führungspositionen im Mittelstand eignen sich vor allem Manager aus anderen mittelständischen Unternehmen.

Kollegen aus Großkonzernen oder Unternehmensberater sind weniger gern gesehen. "Wer lebenslang im Konzern gearbeitet hat, wird sich in einem Familienunternehmen mit kleinen Hierarchien schwieriger zurecht finden", sagt Siebenlist.

Perspektiven im Ausland

Der Vorteil am Mittelstand außerhalb guter Chancen, eingestellt zu werden: Mittelständler bieten die gleichen Karriereperspektiven wie die großen Namen, sagt Frank Hensgens. "Die Hidden Champions beschäftigen oftmals zehntausende Mitarbeiter, sind international vertreten und ermöglichen, weltweit eingesetzt zu werden."

Wer 2015 sein Karriereglück im Ausland sucht, setzt mit den aufstrebenden Schwellenländern, wie China, Brasilien &. Co. auf eine sichere Bank. Es muss allerdings nicht immer in die Ferne gehen – in Europa sind deutsche Mitarbeiter beispielsweise aktuell in Irland gern gesehen. Das Silicon Valley hat in Dublin sozusagen seine Europa-Kolonie errichtet und aus dem Hafenviertel die "Silicon Docks" gemacht. Von hier aus steuern IT-Giganten, wie Facebook, Google, Linkedin oder Paypal ihr Europageschäft. Irland bietet sich für US-Unternehmen mit englisch als Amtssprache für den Markteintritt in Europa an und punktet durch seine vergleichsweise niedrige Steuerlast. Da Deutschland einen wichtigen Markt darstellt, sind deutsche Mitarbeiter bei den Tech-Riesen beliebt. "Solange man deutsch spricht, den deutschen Markt kennt und in seinem Bereich gut ist, hat man hier gute Karriereaussichten", sagt Frank Hensgens von Indeed, das seine Europazentrale ebenfalls in Dublin betreibt.

Trotz der zunehmenden Globalisierung ist Auslandserfahrung jedoch nicht für jede Position Bedingung, um 2015 und darüber hinaus Karriere zu machen, findet die Leiterin für Personalgewinnung bei der Deutschen Bahn, Kerstin Wagner. "Ins Ausland zu gehen, ist für die Persönlichkeitsentwicklung aber immer eine tolle Chance", sagt sie. "Es gibt aber auch Positionen mit globalem Fokus, bei denen es ausreicht entsprechende Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenz mitzubringen." Dies wird immer wichtiger, mahnt Sascha Coenen, Kommunikationschef beim Jobportal Stepstone, an. "Die Unternehmen werden immer internationaler", sagt Coenen. "Damit steigt der Anspruch an Mitarbeiter, auch im globalen Rahmen arbeiten zu können." Auslandserfahrung ist hier natürlich ein Vorteil, aber auch Erfahrungen in multinationalen Teams oder weltweit vernetzten Fachabteilungen sind hilfreich.

Lebenslauf wird wichtiger

Das sollten Jobsuchende 2015 also besonders im Lebenslauf hervorheben. Überhaupt sollte sich jeder seinen Lebenslauf anschauen und wenn nötig überarbeiten. Denn dieser wird immer wichtiger, das Anschreiben immer nebensächlicher. "Ich kenne viele Recruiter, denen ein Lebenslauf reicht", sagt Frank Hensgens von Indeed.

"Sie sagen: Wir bekommen so viele Bewerbungen, ich schaue mir das Anschreiben gar nicht mehr an." Erst nachdem sie die Lebensläufe gesichtet haben, holen sie sich bei vielversprechenden Bewerbern weitere Informationen ein.

Mobile Jobsuche

Das Verfahren kommt außer den Personalabteilungen auch den Bewerbern entgegen. Diese suchen schließlich zunehmend mobil nach Stellen und bewerben sich dann auch direkt per Smartphone oder Tablet. Einen standardisierten Lebenslauf herauszuschicken, kommt diesem Nutzungsverhalten entgegen – ein individuelles Anschreiben weniger.

Weltweit macht die mobile Jobsuche beispielsweise bei Indeed 52 Prozent aus und mobile Bewerbungen 50 Prozent. In Deutschland sind die Werte etwas niedriger: Hier suchen 42 Prozent der Nutzer ihre Stellenanzeigen mobil und dementsprechend weniger bewerben sich auch so. "Tendenz steigend", sagt Hensgens.

Für Lebensläufe bedeutet das, dass sie entsprechend herausgeputzt werden sollten. Was früher im Anschreiben erklärt wurde, geht verkürzt in den Lebenslauf über. "Bewerber sollten unter den einzelnen Karrierestationen beschreiben, was sie dort gemacht haben und Erfolge hervorheben." Wichtig ist, dass der Lebenslauf dabei nicht ausartet – die Punkte sollten kurz, klar und übersichtlich aufgeführt werden. So kann im Karrierejahr 2015 nichts mehr schief gehen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...