Neues Arbeitszeitenmodell Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Kommen und gehen, wann man will: Welcher Arbeitnehmer träumt nicht davon? Viele Unternehmen machen das mit der Vertrauensarbeitszeit jetzt möglich. Ein flexibles Konzept, das aber Kritik erntet.

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Lebwohl Stechuhr!

Die Stechuhr hat vielerorts längst ausgedient. Auch in Form von Chipkarten oder Computer-Log-Ins findet sich die gute alte Zeiterfassungsmethode immer seltener, denn in zahlreichen Betrieben gilt die Devise "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" längst nicht mehr.

Mitarbeiter können frei über ihre Arbeitszeit verfügen – entscheidend ist, was am Ende dabei herauskommt. Denn für das Mehr an Eigenverantwortung müssen diese Beschäftigten im Gegenzug ihre Ziele in einer festgelegten Zeitspanne erreichen.

Was nach innovativem Konzept klingt, stößt aber nicht bei allen Beteiligten auf Gegenliebe. Gewerkschaften warnen vor versteckter Mehrarbeit und drohender Überlastung.

Das Konzept Vertrauensarbeitszeit

Die Arbeitskultur ist im Wandel. Firmen flexibilisieren ihre Arbeitszeitmodelle – nicht zuletzt um Geld zu sparen. Da erscheint das Konzept der Vertrauensarbeitszeit nur konsequent zu sein. Die Unternehmen bezahlen ihre Mitarbeiter nicht mehr nach der Dauer ihrer Anwesenheit, sondern nach den Ergebnissen ihrer Arbeit.

Der Vorteil für die Betriebe: Überstunden fallen weg, häufig auch kostspielige Zeiterfassungssysteme. Das lässt das Gewerkschaftslager natürlich nicht kalt: "Die Gefahr einer Überlastung der Beschäftigten ist groß. Zu einer Ausbeutung darf es aber nicht kommen", sagt Sylvia Skrabs von der Gewerkschaft Verdi.


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"Die Praxis zeigt, dass unter Vertrauensarbeitszeit viele unterschiedliche Modelle verstanden werden." Die Erwartungen der Beschäftigten würden dabei meist aber nicht erfüllt, da das unternehmerische Interesse immer im Vordergrund stünde.

Die Arbeitnehmervertreterin will die Idee nicht verdammen. Ihrer Ansicht nach muss es aber über ein starres Arbeitszeitkonzept hinausgehen: Skrabs spricht sich für eine Arbeitszeitkultur aus, "die den Mitarbeitern Zeitsouveränität und mehr Selbstständigkeit gibt und eben auch gesundheitsverträglich ist".

Auch Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin findet die Vertrauensarbeitszeit nur bedingt gut. "Das Modell eignet sich nur dann, wenn das Unternehmen selbst über eine Vertrauenskultur verfügt", so Brenscheidt.

Keine utopischen Ziele

Als Mitarbeiter müsse man sicher sein können, "dass sich die Arbeitszeit nicht extrem ausweitet und keine utopischen Ziele vereinbart werden. Das kann zu einer Überlastung und im Extremfall auch zu gesundheitlichen Schäden führen".

Die Rahnmenbedingungen der Vertrauensarbeitszeit müssten passen. Dabei kommt der Chefetage nach Einschätzung von Personalmanagern eine besondere Verantwortung zu.


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So müsse im Gespräch zwischen Arbeitgeber und Beschäftigtem "klar umrissen sein, welche Ziele zu erfüllen sind, damit es nicht zu einer Selbstausbeutung der Mitarbeiter kommt", findet Joachim Sauer, Präsident des Bundesverbands der Personalmanager.

Hier habe das Management eine Fürsorgepflicht. "Das Konzept funktioniert nur dann, wenn Führungskräfte entsprechend gut qualifiziert sind."

Eine Rolle bei der Umsetzung des Konzepts spielt nach früheren Zahlen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auch die Betriebsgröße: Je mehr Mitarbeiter eine Firma hat, desto eher kommt das Konzept zum Einsatz.

Überstunden bleiben

"Flächendeckend macht Vertrauensarbeitszeit sicherlich keinen Sinn. So ein Modell muss auch mit der Arbeit zusammenpassen", erläutert Frank Brenscheidt und meint damit vor allem Branchen, die vor allem in Teams und projektbezogen arbeiten.

Wichtig: Auch eine flexible Vertrauensarbeitszeit setzt trotzdem nicht die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes außer Kraft. So hat der Arbeitgeber trotzdem die Pflicht, die über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehende Zeit zu erfassen. Überstunden können also bleiben.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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