Neuer Job Bewerbung vom Ghostwriter

Ärzte haben keine Zeit, Ingenieure schreiben nicht gerne: Wann haben Sie eigentlich Ihre letzte Bewerbung geschrieben? Wer mitten im Berufsleben steht, hat häufig weder Zeit noch Lust auf das Formulieren einer Bewerbung. Warum nicht einen Ghostwriter engagieren?

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Bewerbung vom Ghostwriter

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Foto: Brian Jackson/Fotolia.com

Seien wir mal ehrlich: Niemand schreibt gerne Bewerbungen. Nach stundenlangem Grübeln, Schreiben und Umformulieren kommt der gleiche langweilige Sermon heraus, der vom Personaler sofort ausgesiebt wird: "Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle als ... Ich bin teamfähig, flexibel und liebe Herausforderungen ... Auf eine Rückmeldung von Ihnen freue ich mich."

Während der Lebenslauf kein großes Problem ist, quälen sich die meisten Bewerber endlos mit dem Anschreiben. Das zeigt die Bewerbungsstudie 2016 der Jobsuchmaschine Indeed. Von den befragten 1.024 Bewerbern empfinden 50 Prozent die Formulierung des Anschreibens als den nervigsten Teil einer Bewerbung.

74 Minuten sitzt jeder Kandidat im Schnitt an dem Anschreiben – netto. Rechnet man die Zeit hinzu, die der Einzelne über Formulierungen nachdenkt, Freunde Korrektur lesen lässt und den Computer anschreit, kommen ganz andere Zeiträume heraus.

Frustrierend: Häufig bekommen Jobsuchende trotz aller Mühe nicht einmal eine Antwort auf ihr Schreiben – oder eine Standardabsage.

Bewerber kommen um den Ärger mit Anschreiben, Lebenslauf und Foto jedoch nicht herum. Von den mehr als 500 Personalern, die Indeed zusätzlich befragte, sagten 69 Prozent, dass sie daran beurteilen, ob sich ein Kandidat gut ausdrücken kann. 61 Prozent vermittelt das Anschreiben einen ersten Eindruck und 45 Prozent wollen sehen, ob sich jemand Mühe gibt. Für gut ein Viertel gehört das Anschreiben einfach dazu. Punkt.

"Während Bewerber offen sind für moderne Methoden und Ansätze bei der Jobsuche, setzen HR-Verantwortliche und Unternehmen an vielen Stellen auf Bewährtes und verlieren dabei aus dem Blick, worauf es Bewerbern ankommt", sagt Frank Hensgens, Geschäftsführer von Indeed in Deutschland. Das rächt sich: 42 Prozent der befragten Bewerber haben schon einmal einen Bewerbungsprozess abgebrochen, weil dieser zu kompliziert war.

» Eine echte Empfehlung für seriöse Bewerbungsberatung ist der Bewerbungscheck von karriere.de 
Diese genervten Bewerber sind eine attraktive Zielgruppe – für professionelle Ghostwriter. Bei Doktor- und sonstigen wissenschaftlichen Arbeiten wie auch in der Literatur sind Auftragsschreiber ein bekanntes Phänomen. Hierbei stehen allerdings Fakten im Vordergrund, bei der Bewerbung geht es zuallererst jedoch um Leidenschaft und Begeisterung.
 
Schließlich soll eine gute Bewerbung vor allem folgendes ausdrücken: Der Bewerber will diesen Job unbedingt und das Unternehmen wäre dumm, ihn sich nicht zumindest einmal näher anzuschauen.

Kann ein völlig Fremder diese Leidenschaft imitieren? Er kann.

Online-Unternehmen wie bewerbung-schreiber.com, die-bewerbungsschreiber.de und richtiggutbewerben.de beschäftigen ganze Teams von professionellen Textern. Die erstellen anhand von Stärkenanalysen auf den Kunden zugeschnittene Bewerbungen. "Wir beschäftigen uns intensiv mit Ihrem beruflichen Werdegang, Ihren Qualifikationen, Ihren persönlichen Stärken und gehen explizit auf die von Ihnen favorisierte Stellenausschreibung ein", verspricht die-bewerbungsschreiber.de.

Ein Designer entwickelt dann noch das optische Konzept der Bewerbung. So kommen auch zurückhaltende Typen zum perfekten Eigenmarketing.

Diesen Dienst nehmen gerade Fach- und Führungskräfte gerne in Anspruch, wie Bilal Zafar, Gründer und CEO des Start-ups richtiggutbewerben.de sagt. Das Gros der Kunden kommt aus dem kaufmännischen und dem betriebswirtschaftlichen Bereich, außerdem sind viele Ärzte und Ingenieure darunter. "Wir haben aber auch schon eine Bewerbung für eine Astronautin verfasst, die sich beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln beworben hat."

Der Anteil an Berufseinsteigern und Studenten unter den Kunden liegt bei unter fünf Prozent. "Studenten haben nicht das Geld, sich eine Bewerbung schreiben zu lassen, und glauben zu wissen, wie es geht", sagt der Chef der Ghostwriter.

Führungskräfte haben keine Lust auf den Bewerbungszirkus

Die Motivation der High Potentials, einen Ghostwriter zu beauftragen, lässt sich einfach beschreiben: "Ärzte und Assistenzärzte haben keine Zeit und Ingenieure schreiben nicht gerne", sagt Zafar. Seiner Erfahrung nach haben besonders Manager keine Lust, sich neben ihrem Job mit dem ganz normalen Bewerberwahnsinn auseinanderzusetzen. "Die Hauptmotivation unserer Kunden ist Zeitersparnis", sagt er.

Der zweite Grund, sich von einem Ghostwriter die Bewerbung schreiben zu lassen, sei, dass viele Bewerber nicht mehr up to date seien: Schreibt man heute noch "Mit freundlichen Grüßen"? Oder reicht "Beste Grüße"?

Der dritte Grund sind Sprachkenntnisse. Mündlich seien die Bewerber fit, aber die schriftliche Bewerbung für eine Stelle in einem internationalen Konzern lassen viele lieber nochmal von Profis checken.

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Routine im Schreiben von Bewerbungen hat ohnehin niemand. Mit der Reife hat das nichts zu tun. Wer seine letzte Bewerbung vor 20 Jahren auf Büttenpapier gedruckt hat, ist oft genauso unsicher wie ein Berufseinsteiger. Im klassischen Sinne nötig haben es die wenigsten Kunden, sich bei der Bewerbung helfen zu lassen, wie er sagt. "Die meisten unserer Kunden sind richtig gut qualifiziert, können sich schriftlich aber nicht gut darstellen. Wenn man da an ein paar Stellschrauben dreht, reicht das meistens schon."

Quatsch und falsche Fotos

Dann gebe es aber auch ganz andere Fälle, wie Zafar erzählt: Entweder seien die Unterlagen in Ordnung, aber das Foto eine Katastrophe – tiefer Ausschnitt, Instagram-Bilder mit zahlreichen Filtern oder gleich ein Selfie - oder es stehe schlicht Quatsch in der Bewerbung. Eine Kandidatin habe als Fähigkeiten aufgelistet, Pferde, Hunde und Katzen zu besitzen. Wenn man sich nicht als Tierarzt oder Tierpfleger bewerben möchte, ist diese Information jedoch schlicht überflüssig

Dass Unternehmen an unsicheren Bewerber verdienen, ist nicht neu. Die Bewerbungsprofis Jürgen Hesse und Christian Schrader vom Beratungsunternehmen Hesse Schrader etwa beraten seit über 30 Jahren Jobsuchende vom Azubi bis zum Konzernlenker. Ihre insgesamt 150 Sachbücher haben ein Gesamtauflage von 6,5 Millionen Exemplaren erreicht. Der Ansatz bei den Bewerbungsghostwritern aber ist ein anderer. Anstatt Tipps zu bekommen, wie die perfekte Bewerbung auszusehen hat, kann der Gestresste hier die ganze Arbeit outsourcen: Lebenslauf, Referenzen und Zeugnisse hochladen, vier Tage warten und schon ist die fertige Bewerbung da – Eilige buchen das 24-Stunden-Expresspaket.

Grundsätzlich können Bewerber bei den Ghostwritern für jede Lebenslage das richtige Paket anfordern – vom Motivationsschreiben für das Masterstudium bis zum Rundumsorglos-Paket für Manager. Denn an den Angeboten, die über das bloße Anschreiben hinaus gehen, verdienen die Unternehmen ihr Geld.

So kostet bei richtiggutbewerben.de die Optimierung einer vorhandenen Bewerbung 67 Euro, wer eine komplett neue Bewerbung inklusive Lebenslauf, Anschreiben und Deckblatt in einer anderen Sprache bestellt, legt dagegen rund 200 Euro auf den Tisch.

Coaching gegen Aufpreis

Neben Unternehmen wie dem von Zafar gibt es auch diverse Einzelpersonen, die ihre Dienste als Ghostwriter anbieten. Viele sind ehemalige Personaler oder Führungskräfte mit Personalverantwortung. Deren Angebote umfassen häufig noch ein persönliches Coaching oder Tipps und Tricks rund um das Erscheinungsbild. Natürlich alles zum entsprechenden Aufpreis.

Testurteil: authentisch

Trotzdem: Die Ergebnisse sind täuschend echt, wie auch die alten Hasen im Bewerbungsmarkt zugeben müssen. Engagement und Leidenschaft lassen sich also sehr wohl faken, wenn der Ghostwriter Stärken, Referenzen und Anforderungsprofil kennt.

Hesse hat für n-tv Bewerbungen von die-bewerbungsschreiber.de und richtiggutbewerben.de getestet und miteinander verglichen. Sein Fazit: Alles in allem sind die Ergebnisse authentisch. Weder der Bewerbung des Berufseinsteigers Simon noch der des erfahrenen Ingenieurs Müller merkt man an, dass sich dahinter ein Team aus professionellen Auftragsschreibern verbirgt. Einzige Kritikpunkte: Mal ist ein Satz etwas zu lang, mal etwas zu verschachtelt.

Die Personaler scheinen sich daran jedoch nicht zu stören: Laut Zafar werden rund 70 Prozent seiner Kunden zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wie viele den Job auch bekommen, kann das Unternehmen allerdings nicht nachhalten. Das liegt dann schließlich ganz allein in der Hand des Bewerbers.

Für die Start-ups lohnen sich die Unsicherheit und die Schreibblockaden der Jobsuchenden auf jeden Fall. Allein Zafars 20-köpfiges Team bekommt rund 300 Aufträge im Monat, der Umsatz bewegt sich deutlich im sechsstelligen Bereich – und das, obwohl das Unternehmen noch keine zwei Jahre alt ist.

» Eine echte Empfehlung für seriöse Bewerbungsberatung ist der Bewerbungscheck von karriere.de 
Zuerst veröffentlich auf wiwo.de

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