Neue Themen für MBA-Programme Ergebnisorientiert und voller Verantwortung

Die Managementhochschulen werden ihre Programme verändern (müssen). Ein anspruchsvolleres Verständnis von Führung ist eines der wichtigsten Themen, davon ist der Personalexperte Christian Scholz überzeugt.

Stefani Hergert | , aktualisiert

Ergebnisorientiert und voller Verantwortung

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Foto: julien tromeur/Fotolia.com

Eine neue Generation kommt jetzt an die Managementhochschulen – oder kommt sie doch nicht? Den nach 1980 Geborenen, für die sich die Kurzformel Generation Y etabliert hat, sprechen Forscher den Wunsch nach einer klassischen Karriere in Konzernen ab.

Wer aber keinen Führungsposten erobern will, braucht auch keine Managementausbildung, könnte das Fazit lauten.

Doch ist der Zusammenhang wirklich so simpel und diese Generation so homogen, wie ihr nachgesagt wird? Christian Scholz, Professor für Organisations- und Personalmanagement an der Universität Saarbrücken, glaubt, dass den Managementhochschulen – Business-Schools genannt – der Nachwuchs nicht so schnell abhanden kommt. Die Jungen wollten im Studium nur über andere Themen diskutieren und seien in manchen Dingen anspruchsvoller als ihre Vorgänger.

Herr Scholz, im Moment wird viel darüber geschrieben, dass die Generation Y ein gänzlich anderes Verständnis von Führung und womöglich auch weniger Interesse an Führungspositionen hat. Stimmt das?

Zunächst einmal sprechen wir weniger von der Generation Y als vielmehr von einer Variante der Generation Y, die man eigentlich mit Generation Z bezeichnen müsste. Denn sie ist in vielen Punkten anders: So ist diese Generation Z wesentlich bindungsloser als ihre Vorgänger und hat deswegen auch kein Interesse an einer langatmigen Führungslaufbahn. Allerdings sucht sie sehr wohl Führungspositionen, die rasch zu konkreten Ergebnissen im Sinne von neuer Verantwortung oder mehr Geld führen.

Was bedeutet das für Managementhochschulen, die sich darauf spezialisiert haben, angehenden Führungskräften das nötige Handwerkszeug beizubringen?

Jede Generation ist teilweise das Produkt ihrer Zeit, und das gilt auch heute, wo mehrere Trends aufeinander treffen: die Bologna-Reform – im Zuge derer das Studium europaweit vereinheitlicht und die neuen Abschlüsse Bachelor und Master nach drei beziehungsweise fünf Jahren Studium eingeführt wurden, die immer noch anhaltende Finanzkrise, die Veränderungen der Arbeitswelt und vieles andere mehr. Deswegen genügt es nicht, einfache Geschäftsmodelle technokratisch zu lernen. Es geht immer mehr um Verstehen von Zusammenhängen und von menschlichem Verhalten.

Wird es künftig weniger junge Leute geben, die sich überhaupt für ein Studium an einer Business-School interessieren?

Ich setze eher auf das Gegenteil. Denn die explodierenden Millionengehälter, die Topmanager gegenwärtig teilweise auch ohne jegliche Gegenleistung bekommen, sind ein guter Anreiz, an eine Business-School zu gehen. Aber auch in niedrigeren Gehaltsgruppen sieht man ein Programm an einer guten Schule als Garantie für einen guten und vor allem interessanten Job.

Inwiefern muss sich die Lehre an den Managementhochschulen ändern?

Hier kommt ein weiteres Merkmal der Generation zum Tragen, nämlich das Interesse an Themen wie Nachhaltigkeit und Verantwortung. So brauchen MBA-Programme weniger volkswirtschaftliche Spezialmodelle, die nicht einmal im Nachhinein Krisen vernünftig erklären. Was sie brauchen, sind Themen wie Corporate Social Responsibility (CSR), Nachhaltigkeit, Funktionsweise von NGOs und insgesamt viel mehr Auseinandersetzung mit Veränderungen innerhalb unserer Arbeitswelt. Wir in Saarbrücken haben Derartiges seit langem in unserem MBA-Curriculum, sind aber dabei, es noch mehr zu vertiefen, denn gerade das sind Themen, die auch im internationalen Kontext Relevanz haben.

Was verlangt diese Generation von den Hochschulen, den Professoren und ihrem Studium?

Die neue Generation ist anspruchsvoll, und das ist gut so. Wir werden aber sehen, ob sie auch bereit ist, Dinge aktiv mitzugestalten. Ich würde mich freuen, wenn sie wesentlich mehr verlangen und gleichzeitig mehr in Diskussionen einsteigen würde. Ansonsten will sie zum einen ein Studium, das kurzfristige Hilfe zur Karriere und gute Noten bietet, zum anderen sich aber mit den zuvor beschriebenen gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen.

Geht es "nur" um die Einbindung von Social Media & Co oder müssen die Managementhochschulen auch etwas an ihrer Struktur ändern?

Obwohl ich Technik-Fan bin, glaube ich, dass Social Media hier überschätzt wird. Es geht daher sicher nicht darum, Social Media massiv einzubinden. Es geht vielmehr darum, einen Platz für Face-to-face-Bildungsangebote in einer von Social Media geprägten Welt zu finden. Aber genauso, wie Jugendliche Musik über iTunes laden und trotzdem in ein gutes Live-Konzert gehen, werden sie auch Bildung übers Netz direkt oder indirekt aufsaugen, gleichzeitig aber die persönliche Nähe und das Live-Erlebnis einer Vorlesung oder eines Seminars suchen. Das ist die Chance für Professoren, die wegkommen müssen von Powerpoints, und die stattdessen auf persönliche Interaktion setzen sollten.

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