Neue Lernmethoden Fremdsprachen als Karriere-Boost

Ob auf der Dienstreise oder im Urlaub: Im Ausland ist es immer gut, mehr als Schulenglisch zu können. Warum es trotzdem unnötig ist, Kindern Chinesisch beizubringen und wovon es abhängt, wie gut wir eine Sprache lernen.

Nico Hornig, wiwo.de | , aktualisiert

Fremdsprachen als Karriere-Boost

Fremdsprachen lernen 2

Foto: Zubada / Fotolia.com

Wer heute aus der Schule kommt, müsste eigentlich ein kleines Sprachgenie sein. Er oder sie hat seit der Grundschule Englisch gelernt, später noch Französisch oder Latein gepaukt und sich je nach persönlichen Vorlieben noch eine dritte Fremdsprache zu Gemüte geführt. Trotzdem lernen auch im späteren Leben viele Menschen wieder Vokabeln und Grammatikregeln. Sei es um für eine Geschäftsreise wenigstens ein bisschen Chinesisch zu können oder weil man im Spanienurlaub gerne mehr als nur "una cerveza" sagen können möchte.

Motivation ist entscheidend

Wenn man sich dazu entschlossen hat, eine Sprache zu lernen, sollte man sich zwei grundlegende Fragen stellen, bevor es ans Lernen geht:

1. Warum will ich die Sprache lernen

2. und was möchte ich später sagen können?

Je nachdem, wie Sie die erste Frage beantworten, dürfte auch ihr Motivation unterschiedlich hoch ausfallen. Denn es macht einen Unterschied, ob Sie nur im Urlaub ihr Essen in der Landessprache bestellen wollen oder das Überleben ihres mittelständischen Betriebs davon abhängt, dass Sie internationale Märkte erschließen.

Abhängig davon brauchen Sie verschiedene Lernangebote beziehungsweise unterschiedliche Lehrer mit unterschiedlichen Kurszielen und Lehrmaterialien. Und davon gibt es eine ganze Menge.

Auslandssprachkurse sind am wirkungsvollsten

Während die meisten ihre erste Fremdsprache in der Schule gelernt haben dürften, eröffnet sich uns in späteren Jahren ein ganzes Potpourri an Möglichkeiten: Ob App, Online-Angebot, klassischer Sprachkurs oder doch gleich Selbststudium. Frank Königs vom Informationszentrum für Fremdsprachenforschung der Universität Marburg hat dabei einen klaren Favoriten: "Wer nicht die Möglichkeit hat, im Ausland zu leben und komplett in die andere Sprache einzutauchen, fährt mit einem Sprachkurs tendenziell am besten."  
 
Gegenüber anderen Methoden hat der Sprachkurs den Vorteil, dass man dort in Kontakt mit anderen Menschen kommt. Denn genau das ist auch ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Lernen und etwas, das beim reinen Selbststudium zu kurz kommt. Außerdem erfordert es ein hohes Maß an Disziplin, um sich ganz alleine nach der Arbeit dazu aufzuraffen, noch am Schreibtisch zu sitzen um beispielsweise Tschechisch zu büffeln.

Sprach-Tandem als Ergänzung zum digitalen Lernen

Wer aus zeitlichen oder finanziellen Gründen keinen Sprachkurs besuchen kann oder möchte, hat immer noch die Möglichkeit, Apps oder Onlineangebote zu nutzen. Dazu, wie hilfreich diese sind, gibt es aber unterschiedliche Ergebnisse. "Wir wissen, dass man vor allem eine gewisse Affinität zu den neuen Medien braucht, um mit solchen Methoden Erfolge zu erzielen", erläutert Königs.

Trotzdem bleibt auch beim digitalen Lernen das Problem, dass der Kontakt zu anderen Menschen fehlt. Um zumindest diesen Nachteil auszugleichen, sind Sprach-Tandems eine gute Möglichkeit. Dabei treffen sich zwei Muttersprachler, um die jeweils andere Sprache zu lernen. Da wird dann zum Beispiel die Hälfte der Zeit Deutsch, die andere Hälfte Spanisch gesprochen. Einen Tandempartner kann man unter anderem über Portale wie tandempartners.org und conversationexchange.com finden.

Neben der eigentlichen Lernmethode gibt es aber noch andere Faktoren, die unseren Erfolg beeinflussen können und auf den ersten Blick nicht unbedingt ersichtlich sind. So kann auch unser Umfeld entscheidenden Einfluss auf unseren Lernerfolg haben. Zum einen trägt eine generelle Offenheit gegenüber Fremdsprachen dazu bei, dass Sie in Ihren Ambitionen unterstützt werden und es somit wahrscheinlicher wird, dass Sie länger am Ball bleiben. Zum anderen hat auch Einfluss, wie offen Ihr Umfeld für die jeweilige Sprache ist. Während Ihnen mit der Ankündigung, ihr Business-Englisch verbessern zu wollen, wohl viel Verständnis entgegen schlagen wird, dürfte ihr Vorhaben Türkisch zu lernen, für mehr Stirnrunzeln bei Freunden und Familie sorgen.

Mit welcher Lernstrategie wir uns im späteren Leben an eine fremde Sprache heranwagen wird auch dadurch bestimmt, wie wir unsere erste Sprache lernen. "Bei Menschen, die zuerst oder zusammen mit Englisch Latein gelernt haben, können wir feststellen, dass sie auch an moderne Fremdsprachen sehr regelorientiert herangehen", erläutert Königs. Wer also schon früh mit Fallendungen und Konjugationsklassen konfrontiert wurde, wird später auch im beim Portugiesisch lernen versuchen, Regeln zu finden und sich diese zu merken.

Je ähnlicher eine Sprache denen ist, die wir bereits beherrschen, desto leichter lernen wie sie

Wer sich bei der großen Bedeutung von Fremdsprachen in der Geschäftswelt darüber ärgert, dass seine Eltern ihn nicht schon mit drei Jahren in den Mandarin-Kurs geschleift haben, sei dabei zur Beruhigung eines gesagt: Dass Kinder Fremdsprachen einfacher lernen als Erwachsene, ist nur bei Zweisprachigkeit zweifelsfrei nachgewiesen. Und sich erst als Jugendlicher oder Erwachsener mit einer anderen Sprache zu beschäftigen, kann noch einen weiteren Vorteil bringen, meint Königs: "Gerade bei Chinesisch oder Arabisch, also Sprachen deren Struktur stark von der uns bekannten unterscheidet, kann es hilfreich sein, sich Dinge logisch erschließen zu können."

Andernfalls gilt: Je ähnlicher eine Sprache denen ist, die wir bereits beherrschen, desto leichter lernen wie sie. Trotzdem sorgt eine Sprachverwandtschaft nicht automatisch dafür, dass es einfacher wird, die Fremdsprache zu erlernen. So fällt es Niederländern deutlich leichter Deutsch zu lernen, als den Deutschen Niederländisch zu pauken.

Ähnliches lässt sich auf der iberischen Halbinsel beobachten. Hier scheinen die Portugiesen besser mit Spanisch klar zukommen, als umgekehrt. Sprach-Experte Königs glaubt, dass sich Mitglieder der größeren Sprachgemeinschaft deutlich schwerer damit tun, ihre Sprache ein Stück weit aufzugeben: "Den Niederländern ist bewusst, dass sie mit Niederländisch nicht sehr weit kommen, das es einfach von zu wenigen Menschen gesprochen wird. Bei Deutsch ist der Druck, das Niederländische zu lernen nicht so groß."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...