Neue Ideen Die Kreativ-Techniken der Thinktanks

Wer Neues erfinden oder bestehende Produkte verbessern will, braucht vor allem eins: kreative Ideen. Handelsblatt Junge Karriere stellt Kreativitätstechniken vor, die über das übliche "Brainstormen" und "Mindmappen" hinausgehen und in Deutschlands Unternehmens-Thinktanks Anwendung finden.

Til Knipper | , aktualisiert

6-3-5-Methode
Bei diesem Verfahren braucht man sechs Teilnehmer, von denen sich jeder drei Ideen in fünf Minuten zu einer vorher definierten Aufgabe ausdenkt. Jeder Teilnehmer erhält ein Formular mit drei Spalten und sechs Zeilen. In die erste Zeile trägt er seine drei Ideen ein. Danach werden die Blätter jeweils dem Nachbarn weitergegeben, der die Vorschläge liest und in die zweite Zeile drei weitere Vorschläge einträgt. Wenn jeder Teilnehmer jedes Formular bearbeitet hat, sind in kurzer Zeit 108 (6 x 3 x 6) Vorschläge entstanden.

Reizwortanalyse
Nach der Definition der Aufgabe denken sich die Teilnehmer eine Liste von Reizwörtern aus, die nichts mit dem eigentlichen Problem zu tun haben dürfen. Diese werden ausführlich analysiert. Dann folgt der Transfer der Analyse der Reizwörter auf die eigentliche Aufgabenstellung. Diese Konfrontation setzt viel Spontanität und Fantasie frei und eignet sich besonders dazu, eingefahrene Denkstrukturen aufzubrechen.

Walt-Disney-Methode
Bei der vom amerikanischen Trickfilmpionier selbst entwickelten Methode nimmt ein Team nacheinander die Sichtweisen des Träumers, des Realisten und des Kritikers ein, um ein Problem aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und mehrere Lösungsvarianten zu entwickeln. Übrig bleibt die Lösung, die auch der härtesten Kritik standhält.

Kollektives Notizbuch
Bei diesem Verfahren erhält jedes Teammitglied ein Notizbuch, das es ständig bei sich trägt. Über einen festgelegten Zeitraum notiert jeder sämtliche Einfälle, die er zur vorher festgelegten Aufgabe hat. Wahlweise kann auch ein gemeinsames virtuelles Notizbuch eingerichtet werden, auf das alle Teilnehmer Zugriff haben. Anschließend erfolgt in mehreren Sitzungen die Auswertung der Notizen. Dieses aufwändigere Verfahren eignet sich besonders für komplexe Fragestellungen.

Thinktanks: Wurzeln der Politikberatung

Thinktanks stammen ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, wo sie sich als unabhängige, interdisziplinäre Forschungsinstitute bereits in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts in der Politikberatung einen Namen machten. Einer der ältesten und bekanntesten Thinktanks überhaupt ist die in Washington ansässige Brookings Institution, die im Jahr 1916 gegründet wurde und auch heute noch über großen Einfluss in der amerikanischen Politik verfügt. Die Brookings Institution hat den Standard für akademische Thinktanks weltweit gesetzt. Ihr deutsches Pendant ist das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) in Berlin. Diese auch gerne als "Universitäten ohne Studenten" bezeichneten Denkfabriken legen besonderen Wert auf ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit und lassen sich keiner politischen Richtung zuordnen.

Die akademischen Thinktanks verstehen sich als Brücke zwischen Wissenschaft und praktischer Politik. Adressaten ihrer Studien, Gutachten und Analysen sind die politischen Entscheider. Die auf Vertragsbasis forschenden Institute sind ebenfalls politisch unabhängig. Zu den bekanntesten gehört die RAND Corporation. Das 1949 gegründete Institut spezialisierte sich zunächst auf Militär- und Sicherheitspolitik und beriet die amerikanischen Streitkräfte. Mittlerweile bietet RAND auch auf zahlreichen anderen Politikfeldern seine Dienste an. Die Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) ist so etwas wie die deutsche RAND und berät die deutsche Regierung in außenpolitischen Fragen.

Einen Wandel hat die Welt der politischen Denkfabriken durch den Boom der so genannten advokatorischen Thinktanks in den vergangenen beiden Jahrzehnten erfahren, die in den USA inzwischen sogar den Markt beherrschen. Sie sind politisch-ideologisch eindeutig festgelegt, privat finanziert und verstehen sich selbst als politische Akteure. Im Gegensatz zu den akademischen Think Tanks beschränken sie sich nicht auf Grundlagenforschung und Analysen, sondern versuchen selbst Themen zu setzen und wie Lobbyisten die öffentliche Debatte im Sinne ihrer Geldgeber zu beeinflussen. Sie wollen daher nicht nur die Politik erreichen, sondern betreiben aktive Öffentlichkeitsarbeit und sind in den Medien sehr präsent. Zu den bekanntesten Vertretern dieses Typs zählen in den USA das Cato Institute, die Heritage Foundation und in Deutschland das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

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