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Netzwirtschaft Deutsche Gründer erobern Asien

Online-Handel, Lieferdienste oder Handy-Spiele: Internetfirmen aus Deutschland mischen den boomenden E-Commerce-Markt in Asien auf – und sind dabei oftmals sogar Platzhirschen wie Amazon weit voraus.

Mathias Peer, wiwo.de | , aktualisiert

Deutsche Gründer erobern Asien

Foto: Dudarev Mikhail/Fotolia.com

Wer in Indonesien, Thailand oder auf den Philippinen online einkauft, ist mit großer Wahrscheinlichkeit einer von Maximilian Bittners Kunden. Bittner arbeitet für die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet und leitet dort das Online-Kaufhaus Lazada. Vor einem Jahr ging die E-Commerce-Plattform in Südostasien an den Start und ist laut Bittner bereits innerhalb weniger Monate in der Region zum Marktführer im Online-Einzelhandel aufgestiegen.

"Ich bin äußerst zufrieden mit unserem ersten Jahr", sagt der Manager, der früher für die Beratungsfirma McKinsey tätig war. "Das Timing war perfekt." Nirgendwo auf der Welt wächst der Handel übers Netz derzeit so stark wie in Asien. Im Jahr 2013 werden die Umsätze nach Prognosen der Marktforschungsfirma eMarketer im Asien-Pazifik-Raum um 30 Prozent zulegen. Die Region wird demnach erstmals Nordamerika als wichtigsten Markt im Online-Handel ablösen. Neben China beflügeln vor allem aufstrebende Volkswirtschaften wie Indien und Indonesien die Branche mit rasanten Wachstumsraten.

Altbewährtes für neue Märkte

Deutsche Internetfirmen nutzen die Gunst der Stunde: Sie erschließen mit wachsendem Erfolg neue Märkte in Fernost. Dabei lassen die deutschen Gründer sogar Internet-Giganten wie Amazon hinter sich. Der Weltmarktführer in Sachen Online-Shopping verzichtet bisher auf eine eigene Präsenz in bevölkerungsreichen Ländern wie Indonesien, den Philippinen oder Vietnam. Mit seinem Einkaufsportal Lazada will Maximlian Bittner diese Nische besetzen. Die Optik der Website erinnert stark an das Layout, das Amazon lange Zeit eingesetzt hat, auch das Produktangebot ist zum Verwechseln ähnlich: Zu bestellen gibt es Bücher, Filme und Musik, genauso wie Smartphones, Computer und Sportausrüstung.

Etablierte Internetgeschäftsmodelle zu kopieren und in neuen, bisher unerschlossenen Märkten an den Start zu bringen, ist der typische Ansatz von Rocket Internet, das von den Samwer-Brüdern gegründet wurde. Dem Prinzip folgt auch Lazada. Weil ernstzunehmende Konkurrenten bisher fehlen, hat sich das Unternehmen mit Berliner Wurzeln zwischen Bangkok und Jakarta schnell als erste Anlaufstelle im Online-Einzelhandel etabliert. "Das Wettbewerbsumfeld ist für uns nach wie vor sehr günstig", sagt Geschäftsführer Maximilian Bittner.

Rege Beteiligung

Sein Unternehmen hat in den vergangenen Monaten eine erhebliche Finanzkraft aufgebaut: Firmenkreisen zufolge hat das junge Unternehmen seit Herbst 2012 deutlich mehr als 100 Millionen US-Dollar bei Investoren eingesammelt. Zuletzt stieß Ende Januar eine Beteiligungsgesellschaft der Einzelhandelsgruppe Tengelmann mit einer Investition von rund 20 Millionen Dollar zu den Kapitalgebern.

Anteile an Lazada halten auch die US-Bank J. P. Morgan, die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und die schwedische Kinnevik-Gruppe über ihre Beteiligungsgesellschaften. Das Geld will Maximilian Bittner vorwiegend für Investitionen in den Kundenservice und Verbesserungen in der Logistik nutzen. Außerdem startet Lazada eine großangelegte TV-Kampagne, um zusätzliche Kundenschichten anzusprechen.

Die Werbefilme sind seit wenigen Wochen auf Fernsehsendern in Thailand, auf den Philippinen und in Indonesien zu sehen. In einem der Spots läuft eine junge Asiatin durch ihre spartanisch eingerichtete Wohnung. Klick für Klick füllt sie die Räume mit Flachbildfernsehern, Vorhängen, Stehlampen und Küchenutensilien. "Produkte, die zu deinem Lifestyle passen", sagt eine Stimme aus dem Off. Die Werbefigur aus der Fernsehreklame steht für die Hauptzielgruppe der Online-Händler: eine immer größer werdende Mittelschicht in Asien, die jung und konsumfreudig ist und neuen Internetdiensten extrem aufgeschlossen gegenüber steht.

Deutsche Internetunternehmen sehen in dem Markt große Aussichten: Eine Vielzahl von Web-Startups, die vorwiegend aus Berlin stammen, haben sich jüngst in Asiens Metropolen angesiedelt. Der Online-Werbedienst Meetrics verkündete Ende Januar die Gründung seiner Asien-Niederlassung in Bangkok. Hitfox, ein Spezialist für die Distribution von Browser- und Handy-Spielen, eröffnete Ende vergangenen Jahres seine Asien-Niederlassung in der koreanischen Hauptstadt Seoul. Firmengründer und Geschäftsführer Jan Beckers sieht im Asien-Pazifik-Raum einen der wichtigsten Wachstumstreiber für sein Unternehmen.

Auch Delivery Hero, ein in Berlin ansässiger Online-Service für Nahrungsmittel, startete in den vergangenen Monaten Ableger in Korea und China. Sowohl Hitfox als auch Delivery Hero gehören zum Reich des Berliner Startup-Inkubators Team Europe, der bei der Gründung neuer Internetfirmen als einer der wichtigsten Konkurrenten von Rocket Internet gilt.

Bei dem Kampf um neue Märkte in Asien gehen sich die beiden Gründer-Schmieden aber noch aus dem Weg: So konzentriert sich Rocket Internet bislang hauptsächlich auf Südostasien. Neben dem Amazon-Klon Lazada hat das Unternehmen dort auch den Online-Mode-Shop Zalora gestartet, der an das deutsche Pendant Zalando angelehnt ist und unter anderem in Singapur, Malaysia, Thailand und Vietnam aktiv ist.

Foodpanda

Mit Foodpanda hat Rocket Internet so wie Konkurrent Team Europe auch ein Portal für Essensbestellungen im Portfolio. Das Unternehmen ist vergangenes Jahr in Südostasien gestartet und derzeit in acht Ländern der Region tätig. "In der Hälfte der Länder haben wir die lokale Konkurrenz bereits überholt und sind dort mittlerweile Marktführer", sagt Ralf Wenzel, Geschäftsführer von Foodpanda.

Sein Unternehmen vermittelt Essensbestellungen, die über das Portal eingehen, an lokale Restaurants und Fast-Food-Ketten, die über keinen eigenen Online-Bestellservice verfügen. "Wir ermöglichen es den Restaurants so, neue Kunden anzusprechen", sagt Wenzel. "Im Schnitt können sie ihren Umsatz mit unserer Hilfe um zehn bis 50 Prozent steigern. Für einige Restaurants sind die Bestellungen über Foodpanda sogar lebensnotwendig geworden."

Für jede Bestellung bei einem Restaurant, die über Foodpanda eingeht, erhält Wenzels Unternehmen eine Provision. Die Dienstleistung kommt vor allem in den Metropolen Asiens gut an: In einigen Städten wachse die Zahl der Bestellungen derzeit wöchentlich im zweistelligen Prozentbereich, sagt Wenzel. Um die Kundenzahl weiter zu erhöhen, bietet Foodpanda seinen Dienst seit Anfang März auch als Smartphone-App an.

"Pionierarbeit"

"Damit können die Kunden abends schon auf dem Weg nach Hause ihr Essen bestellen, das dann gleichzeitig mit ihnen zuhause ankommt", sagt Wenzel. In den Millionenmetropolen Asiens, die unter chronischer Verkehrsüberlastung leiden, sieht Wenzel die größten Möglichkeiten: Statt sich während der Rush-Hour selbst durch den Stau quälen zu müssen, bekommen die Bewohner von Millionenstädten wie Bangkok oder Jakarta das Essen von ihrem Lieblingsrestaurant direkt vor die Haustür. "Bereits jetzt wird in diesen Städten deutlich mehr Essen online bestellt als in Berlin oder München", sagt Wenzel.

Mit den Erfahrungen, die Foodpanda in den vergangenen Monaten in Südostasien sammeln konnte, verbreitet das Unternehmen sein Geschäftsmodell nun weltweit. Seit Anfang März ist es in 25 Ländern, unter anderem in Südamerika und Afrika, vertreten. Ralf Wenzel ist nun auf der Suche nach neuen Kapitalgebern für Foodpanda, um unter anderem Marketingmaßnahmen zu verstärken. Er verspricht: "Wir sind auf dem besten Wege bald profitabel zu sein." Auch Maximilian Bittner glaubt, dass sein Online-Kaufhaus Lazada in Südostasien bald Gewinne abwirft: "Wir denken, dass wir in zwei Jahren groß genug sind, um schwarze Zahlen zu schreiben."

Bis dahin steht der Manager aber noch vor großen Herausforderungen: "Die Lieferzeiten sind der wichtigste Punkt, um unseren Kundenkreis über die urbanen Ballungsgebiete hinaus zu vergrößern", sagt Bittner. Die Ware schnell an den Kunden zu bringen, sei aber nicht immer einfach. "Inselstaaten wie Indonesien sind abseits der großen Städte oft nur schlecht erschlossen. Auf den Philippinen stehen wir vor ähnlichen Problemen." Zusammen mit den Logistikdienstleistern arbeitet Lazada derzeit daran, Prozesse zu verbessern. Bittner spricht von "Pionierarbeit", die sein Unternehmen in Südostasien leiste.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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